Claus Vogt (Foto: imago images, Sportfoto Rudel)

Fußball | Meinung

Kommentar: Der Alleingang des VfB-Präsidenten Vogt

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Claus Vogt, Präsident des VfB Stuttgart, hat angekündigt, die für den 18. März 2021 anberaumte Mitgliederversammlung zu verschieben. Auf ihr sollte der neue Präsident gewählt werden. SWR-Redakteur Jens Ottmann kommentiert.

Der Showdown beim VfB Stuttgart geht weiter und hat einen neuen Höhepunkt erreicht. Präsident Claus Vogt, seit Wochen eher zurückhaltend, hat in einem ausführlichen Statement angekündigt, die eigentlich für den 18. März angesetzte Mitgliederversammlung zu verschieben. Und das "gegen den erklärten Willen" der anderen Präsidiumsmitglieder. Er könne "deren Interessenlagen dabei nicht berücksichtigen." Er werde die im Interesse des Vereins und seiner Mitglieder zur Durchführung der digitalen Mitgliederversammlung förmlich notwendige Einberufung zum 18.03.2021 nicht vornehmen. Was für ein Alleingang!

Nutznießer einer solchen Verschiebung wäre in weiten Teilen der Präsident selbst. Die sogenannte "Datenaffäre" wäre bis zu einem in ferner Zukunft liegenden neuen Termin vermutlich aufgeklärt, bei einer Präsenzveranstaltung könnten auch diejenigen abstimmen, die nicht über die technischen Möglichkeiten verfügen und Vogt wäre länger im Amt.

Vogt erwartet massive Kritik

Claus Vogt gibt zu, dass er nach seinem Vorstoß gremienintern massive Kritik an seiner Person und seiner Entscheidung erwartet. Diejenigen, die ihm jetzt zujubeln, kommen hauptsächlich aus dem Fanlager. Ob er sich durch diesen Alleingang bei den gut 70.000 Mitgliedern neue Freunde gemacht hat, bleibt abzuwarten.

Die Frage aller Fragen lautet aber aktuell: Wird Claus Vogt überhaupt die Gelegenheit bekommen, als Präsidentschaftskandidat anzutreten - egal, ob im März oder später? Das Zünglein an der Waage ist im Moment der Vereinsbeirat. Dieser sucht mehr oder weniger verzweifelt weitere Kandidaten für das Präsidentenamt. Christian Riethmüller, bei der Wahl vor einem Jahr Vogt unterlegen, wurde angefragt und lehnte ab. Dr. Wolfgang Kuhn, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Südwestbank, erhielt ebenfalls eine Anfrage. Auch er verzichtet freiwillig auf eine Kandidatur. Sogar ein Headhunter wurde seitens des VfB engagiert, um einen geeigneten, willigen Menschen zu finden. Bislang ohne Erfolg.

Vereinsbeirat sitzt zwischen allen Stühlen

Weder der Vorstandsvorsitzende Hitzlsperger noch der Präsident Vogt scheinen akut über einen Rückzug nachzudenken. Beide wollen sich nach wie vor aufstellen lassen. Der Vereinsbeirat sitzt zwischen allen Stühlen. Wird der bei den Fans bislang beliebte Claus Vogt nicht nominiert, kommt es vermutlich zu einer Revolte unter den Mitgliedern. Gleiches gilt für eine einseitige Nominierung Hitzlspergers. Beide zu nominieren würde den Verein womöglich auseinander brechen lassen. Beide Lager wären zu groß und zu mächtig.

Bleibt die Alternative, keinen von beiden vorzuschlagen. Das würde den meisten der gut 70.000 Mitgliedern auch nicht gefallen. Vogt wäre weg, Hitzlsperger hätte sein Ziel erreicht.

Ach ja, und dann ist da die Datenaffäre. Sie schwebt auch noch über alldem. Der Datenschutzbeauftragte des Landes Baden-Württemberg, Stefan Brink, hat dem SWR jetzt mitgeteilt, dass die Ermittlungen so gut wie abgeschlossen sind und Anfang Februar mit einem Ergebnis zu rechnen ist. 

Vielleicht wird dann beim VfB Stuttgart vieles klarer. Vielleicht wissen dann endlich auch die Fans und Mitglieder, wer als Präsidentschaftskandidat antreten wird und wann sie ihren Vereinsboss wählen können.

Stuttgart

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