Thomas Hitzlsperger, Vorstandsvorsitzender des VfB Stuttgart, und Neuverpflichtung Wahid Faghir (Foto: VfB Stuttgart)

Fußball | Meinung

Der VfB Stuttgart geht einen mutigen Weg - der aber auch riskant ist

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Der VfB Stuttgart hat aufgrund seiner enormen Verletzungsprobleme in der Offensive kurz vor Schließung der Transferliste noch einmal personell nachgelegt. Bei den Neuverpflichtungen blieben die Schwaben ihrer Linie treu. Ein mutiger, aber auch riskanter Weg, findet SWR-Sportredakteur Johann Schicklinski.

Dem VfB Stuttgart sind in der Offensive fast alle Stützen aufgrund von Verletzungen weggebrochen. Sasa Kalajdzic fehlt mit einer Schulterverletzung bis zum Jahresende. Silas Katompa Mvumpa muss seit März mit einem Kreuzbandriss zuschauen. Mo Sankoh zog sich gegen Fürth bei einem Zusammenprall eine schwere Knieverletzung zu. Die Nachwuchshoffnung fehlt wohl ein komplettes Jahr. Und schließlich erlitt Neuzugang Chris Führich bei seinem ersten Spiel für den VfB einen Schlüsselbeinbruch und fällt seitdem aus.

Die "üblichen Verdächtigen" wurden gehandelt

Mehr Verletzungspech geht nicht, fast der komplette Angriff ist den Schwaben weggebrochen. In vielen Klubs hätten die Verantwortlichen nach einer solchen Vielzahl an Ausfällen wohl mit Aktionismus reagiert und sich auf dem Transfermarkt nach den "üblichen Verdächtigen" umgeschaut. Auch in Stuttgart waren in der Vergangenheit solche Reflexe oft sichtbar. Es dauerte nach Kalajdzics Ausfall dann auch nicht lange, bis in den Medien mit Leverkusens Joel Pohjanpalo oder Wolfsburgs Daniel Ginczek Spieler gehandelt wurden, die in eine solche Kategorie passen. Das vermeintliche Profil für einen Sturm-Ersatz: erfahren, im aktuellen Klub nicht erste Wahl und per Leihe zu bekommen.

Doch der VfB reagierte ganz anders auf die Misere. Mit dem 22-jährigen Omar Marmoush und dem erst 18-jährigen Wahid Faghir verpflichtete der VfB kurz vor Schließung der Transferliste zwei Spieler, die auf dem Markt heiß begehrt waren. Und perfekt ins Beuteschema von Sportdirektor Sven Mislintat passen: jung, talentiert, noch nicht ausgereift, aber mit viel Potenzial.

Der VfB Stuttgart bleibt seinem Weg treu

Der 48-Jährige ist mit den jüngsten Neuzugängen seinem eingeschlagenen Weg treu geblieben. Das sieht man am Kader: Der VfB Stuttgart hat eine der jüngsten Mannschaften der Bundesliga - gleich 20 Spieler sind 23 Jahre alt oder jünger. Das Durchschnittsalter der acht Sommer-Neuzugänge beträgt 20,3 Jahre. Gleichzeitig bekam etwa der 34-jährige letztjährige Kapitän Gonzalo Castro, der gerne geblieben wäre, nach der abgelaufenen Saison keinen neuen Vertrag mehr.

Ich finde den Weg der Schwaben mutig, aber auch riskant. Spannend ist er allemal! Denn Kalajdzic, Silas und Co. waren Leistungsträger. Ob die Neuen gleich zünden, bleibt abzuwarten. Ihnen sollte man Zeit einräumen. Geduld ist gefragt. Wer Sofort-Verstärkungen erwartet, könnte enttäuscht werden. Gut möglich, dass die Schwaben in den Abstiegskampf geraten, wo der Druck noch einmal deutlich höher ist als im Tabellenmittelfeld.

Hitzlsperger, Mislintat und Matarazzo bilden eine Einheit

Dann wird es spannend sein zu sehen, ob es beim VfB ruhig bleibt. Ich glaube schon. Denn der Klub verfolgt aus meiner Sicht einen klaren und sichtbaren Plan, hinter dem die Verantwortlichen stehen. Vorstandsboss Thomas Hitzlsperger, Mislintat und Trainer Pellegrino Matarazzo bilden eine Einheit, der ich es zutraue, dass sie auch bei sportlichen Tiefschlägen cool bleibt.

Und damit unterscheidet sich der VfB Stuttgart im Jahr 2021 in meinen Augen von dem der letzten Jahre, als in solchen Situationen oft Hektik und Chaos ausbrachen und die Halbwertszeit von Trainern und anderen Verantwortlichen oft sehr gering ausfiel - was schließlich zu zwei Abstiegen führte. Wenn dieser diesmal vermieden würde, mit der jungen Truppe und trotz aller Widrigkeiten, dann wären der Plan des Klubs aufgegangen und das Saisonziel erreicht. Und der Mut der Verantwortlichen hätte sich ausgezahlt.

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