Ralf Rangnick mit dem SSV Ulm im Trainingslager in Serfaus.  (Foto: SWR)

Fußball | Bundesliga

Abenteuer Wintertrainingslager: Als Ralf Rangnick in Serfaus auf die Skier stieg

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Kersten Eichhorn

Zur Vorbereitung auf die Rückrunde fliegen die Bundesliga- und Zweitligateams aus dem Südwesten gerne in den warmen Süden. Dass es dort aber nicht immer sonnig zugeht und dass es auch alternative Wege gibt, zeigt unser Blick ins SWR-Archiv.

Schnee statt Sand - Ulmer Langlauf-Schule in Serfaus

Ein Trainingslager im Süden? Das muss nicht immer sein, dachte sich im Januar 1999 Ralf Rangnick. Der damalige Erfolgstrainer des SSV Ulm, schon immer bekannt für alternative Wege, buchte sich stattdessen mit seinem Zweitliga-Team für vier Tage in einem Wintersport-Hotel im verschneiten Serfaus in Österreich ein.

Langlauf statt Waldlauf hieß es dort auf 1.500 Höhenmetern mitten in den sonnigen Bergen. Die Mannschaft um die Torjäger Dragan Trkulja und Sascha Rösler wurde mit Pudelmützen und Anorak kurzerhand auf die dünnen Skier in die Loipe gestellt. So holten sich die "Spatzen" die Ausdauer für die Rückrunde.

Übrigens: Eine prima Idee von Rangnick, der ein paar Wochen später als neuer Chefcoach zum VfB Stuttgart wechselte. Denn die Ulmer stiegen danach sensationell in die Bundesliga auf. Dem Schnee-Abenteuer in Serfaus sei Dank!

Der SC Freiburg und die "Portugiesische Sintflut"

Warum also im Winter nicht in den Schnee? Schließlich sind Sonne und wärmender Sand beim Winter-Trainingslager im Süden nicht immer garantiert. Ganz im Gegenteil So erlebte der SC Freiburg mit Trainer Volker Finke im Januar 2001 einen "wasserreichen" Aufenthalt an der Algarve. In Portugals Süden schüttete es wie aus Kübeln. Beim Waldlauf war bei knöcheltiefen Pfützen Wassertreten angesagt, das Testspiel gegen Albufeira geriet bei sintflutartigen Regenfällen sogar zur "Wasserschlacht". Ganz ohne Badehosen.

Der SC Freiburg und die Wasserschlacht an der Algarve 2001 (Foto: IMAGO, Imago / Heuberger)
Der SC Freiburg und die Wasserschlacht an der Algarve 2001 Imago / Heuberger

Volker Finke ließ sich von den widrigen Witterungsbedingungen im Wintercamp an der Algarve aber keineswegs die Laune verderben: "Gerade weil schlechtes Wetter ist, werden wir vielleicht eine bessere Rückrunde spielen wie die letzten beiden Jahre", so Finke damals im Gespräch mit SWR Sport. Aber denkste. Die Freiburger rutschten in der Bundesliga bis auf Platz 16 ab.

Karlsruher Odyssee in der Türkei

Dass ein Trainingslager-Flug im Januar in den Süden nicht immer Sonnenschein und Glücksgefühle garantiert, diese leidliche Erfahrung musste im Januar 2013 auch der Karlsruher SC in Belek machen. Schon die Anreise in die Türkei wurde zur wahren Odyssee.
Wegen Schlechtwetter war eine Landung in Antalya nicht möglich, also musste der KSC-Flieger nach Ankara ausweichen. Nach zweistündiger Zwangspause ging es dann von dort doch noch ans gewünschte Ziel im Süden.

Auch vor Ort zunächst Chaos pur: Das Unwetter in der Türkei hatte die Stromversorgung in Belek gekappt, die Karlsruher um Trainer Markus Kauczinski saßen bei ihrer Ankunft die ersten Stunden im dunklen Mannschaftshotel fest. Pech gehabt.

Starkregen 2013 auch beim 1.FC Kaiserslautern

Auch der 1.FC Kaiserslautern erlebte im Januar 2013 in Belek sein "Wasser-Abenteuer". Keine Spur von Frühling an der türkischen Riviera.

Dunkle Wolken im Januar 2013 über Belek: Der 1.FC Kaiserslautern (Foto: IMAGO, Imago / GEPA pictures)
Dunkle Wolken im Januar 2013 über Belek: Der 1.FC Kaiserslautern Imago / GEPA pictures

Stattdessen war das Camp der Pfälzer in den ersten Tagen von dunklen Wolken, Starkregen und orkanartigen Stürmen geprägt, dazu donnerten meterhohe Wellen an den Strand und auf den Sand. Und weil draußen nichts ging mit ansprechenden Übungseinheiten, organisierte der damalige FCK-Cheftrainer Franco Foda ausgiebiges Circletraining im Kraftraum des Teamhotels.

Der Rückrunden-Form schadeten das miese Wetter und das Indoor-Training von Belek aber nicht. Der FCK wurde immerhin Zweitliga-Dritter, scheiterte erst in der Bundesliga-Relegation an der TSG Hoffenheim.

"Land unter" 2016 beim VfB Stuttgart

Auch beim VfB Stuttgart hieß es in der Vergangenheit gerne mal "Land unter", wenn es im Winter in den vermeintlich sonnigen und warmen Süden ging. So gesehen im Januar 2016, als die Schwaben auch Belek an der türkischen Riviera als Reiseziel ausgewählt hatten. Die Palmen bogen sich im Wind, die Sonne war nur selten zu Gast.

In warmen Handtüchern: Die pudelnassen VfB-Profis in Belek (Foto: IMAGO, Imago / Baumann)
In warmen Handtüchern: Die pudelnassen VfB-Profis in Belek Imago / Baumann

Sintflutartiger Regen und Sturm wie an der Nordseeküste sorgten einmal sogar für einen Trainingsabbruch. Die Profis um Neuzugang Kevin Großkreutz flüchteten in warme Handtücher gewickelt in die Kabine.

Das überwiegend grauslige Wetter in der Türkei war ein schlechtes Omen für den damaligen Tabellen-15. der Bundesliga mit seinem neuen Cheftrainer Jürgen Kramny. Auch sportlich hieß es "Land unter: Am Ende der Saison stiegen die Stuttgarter in die 2. Liga ab. Übrigens: Das Teamhotel in Belek hieß "Titanic"...

VfB-Trainer Jürgen Kramny 2016 im Regen von Belek (Foto: IMAGO, Pressefoto Baumann)
VfB-Trainer Jürgen Kramny 2016 im Regen von Belek Pressefoto Baumann

Hoffenheimer Trainingslager 2018 "daheim in Zuzenhausen"

Für alternative Wege steht und stand immer auch die TSG Hoffenheim. Weil die Vorbereitungszeit auf die Rückrunde im Januar 2018 für die Kraichgauer nur neun Tage betrug, verzichtete Trainer Julian Nagelsmann damals komplett auf einen zeitraubenden Trip in den Süden. "Damit sparen wir uns den einen oder anderen Reisetag", so der ehemalige TSG-Coach.

Stattdessen schlugen die Kraichgauer im bestens mit Zimmern für die Spieler wie in einem Hotel ausgestatteten Vereinszentrum in Zuzenhausen ihr Wintercamp auf.

Das trübe und kühle Januar-Wetter im Kraichgau kam Nagelsmann dabei durchaus gelegen: "Unser erstes Rückrundenspiel findet in Bremen statt. Dort im Norden ist es auch immer kalt", so Nagelsmann im Gespräch mit SWR Sport.

Mit der Entscheidung für das "Trainingslager daheim" lag der Hoffenheimer Trainer übrigens goldrichtig: Am Ende der Saison 2018 wurde die TSG Bundesliga-Dritter und qualifizierte sich direkt für die Champions League. Bis heute das Highlight der Hoffenheimer Vereinsgeschichte!

Es muss im Winter also nicht immer nur Sonne und Süden sein...

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Kersten Eichhorn

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