STAND
AUTOR/IN

Er war der überragende Spieler und bewahrte den VfB Stuttgart in Leipzig vor einem Debakel. Torhüter Gregor Kobel zeigte bei der 0:2-Niederlage der Schwaben unglaubliche Paraden.

Er war Verlierer und doch der große Gewinner. Ein Widerspruch? Nicht ganz. Einerseits kassierte Gregor Kobel mit seinem VfB-Team in Leipzig mit dem 0:2 zwar die vierte Bundesliga-Niederlage in Serie. Andererseits aber zeigte der 23-Jährige eine so außergewöhnliche Torhüterleistung, dass er am Ende der Partie zum meist diskutierten Akteur wurde.

Prädikat: Weltklasse?

Experten attestierten ihm sogar das Prädikat Weltklasse: "Danke, danke", wehrte Gregor Kobel nach dem Abpfiff die Lobeshymnen der Reporter bescheiden ab, "ich versuche natürlich immer meinem Team zu helfen, so gut ich kann. Es kamen gute Bälle für mich, so dass ich gut ins Spiel rein kam." Aber auch dem Keeper tat es furchtbar weh, am Ende trotzdem mit null Punkten nach Hause zu kommen: "Es ist sehr bitter, aber uns fehlen einige Leistungsträger und dann noch 75 Minuten in Unterzahl, da wird es gegen einen starken Gegner wie Leipzig sehr schwer."

Ärgerlich für Gregor Kobel war aber vor allem der schnelle 0:1-Rückstand nur Sekunden nach dem Wiederanpfiff durch Haidara: "Da haben wir 45 Minuten so gut verteidigt, und dann schlafen wir ein bisschen". Keinerlei Vorwürfe gab es übrigens in Bezug auf den frühen Platzverweis von Mitspieler Ahamada (12. Minute): "Er wird daraus lernen, und von uns bekommt er jede Rückendeckung".

Überragend immer gegen Leipzig

Acht starke Paraden zeigte der Schweizer in den einseitigen 90 Minuten und hielt den Stuttgartern immerhin ein achtbares Ergebnis. Sensationell vor allem ein Doppel-Reflex nach einer guten Stunde, als er zuerst gegen Angelino und dann noch gegen Sörloth parierte. "Gregor hat eine ausgezeichnetes Spiel gemacht", zog auch VfB-Coach Pellegrino Matarazzo den Hut vor dem makellosen Arbeitsnachweis seines Keepers, "er hat viele Bälle gehalten, das war gut".

Bereits im Hinspiel am 2. Januar in Stuttgart hatte sich Gregor Kobel als famoser Rückhalt der Schwaben präsentiert, zeigte damals schon im Heim-Duell gegen die Leipziger acht starke Paraden und wehrte sogar einen Elfmeter von Emil Forsberg ab. Wie am Sonntag aber konnte "Könner-Kobel" die VfB-Niederlage nicht verhindern. In Stuttgart hieß es 0:1, in Leipzig 0:2. Diesmal war er gegen Forsbergs 0:2 vom Elfmeterpunkt machtlos (67.).

Kobel im Fokus anderer Vereine?

Gregor Kobel hat sich in Stuttgart als absoluter Leistungsträger etabliert. Er war nach dem Bundesliga-Abstieg des VfB 2019 von Hoffenheim zunächst ausgeliehen und letzten Sommer dann endgültig verpflichtet worden. Kostenpunkt: Rund vier Millionen Euro. Stand jetzt eine glänzende Investition von Sportdirektor Sven Mislintat. Längst machen Gerüchte die Runde, finanziell besser gestellte Großklubs wie Borussia Dortmund würden sich mit einem Engagement Kobels beschäftigen.

Pellegrino Matarazzo und sein "Monster im Tor"

Das kann man gut nachvollziehen, denn der lange Keeper (1,94 Meter) ist in dieser Saison der Dauerbrenner unter den VfB-Spielern, stand in allen 30 Bundesliga-Partien im Tor und leistete sämtliche 2700 Spielminuten ab. Schon seit Wochen schwärmt VfB-Trainer Matarazzo von der starken Entwicklung seines Keepers in allen Bereichen. Vor allem die körperliche Wucht des Torhüters hat es ihm angetan. Groß, kräftig, reaktionsschnell: "Er ist ein extrem ehrgeiziger Athlet, ein Monster im Tor".

Kobel ist die Zukunft für das Schweizer Nationalteam

Auch für die Schweizer Nationalmannschaft ist Gregor Kobel inzwischen eine echte Alternative, trotz starker Bundesliga-Konkurrenz von Sommer, Bürki oder Hitz. Zuletzt war er Ende März für die WM-Qualifikation nachnominiert worden. Und mit seinem Alter von erst 23 gehört Kobel auch in der "Nati" der Schweiz die Zukunft auf der Torhüter-Position.

Vater Kobel war Eishockey-Profi

Begonnen hatte die Torhüter-Karriere des Gregor Kobel mit sieben Jahren beim FC Zürich-Seefeld. Zunächst gefördert von seinem Vater Peter, einem früheren Eishockey-Profi, wechselte er mit 16 in die Nachwuchs-Akademie der TSG Hoffenheim. Dort erhielt er in Konkurrenz zu Stammkeeper Oliver Baumann seinen Feinschliff, ehe er über Augsburg nach Stuttgart wechselte.

Längst ist Vater Peter Kobel zurecht mega-stolz auf die Karriere seines Sohns. Nur eins konnte er vor einiger Zeit im Gespräch mit SWR Sport nicht nachvollziehen: "Dass er unbedingt Torhüter werden wollte. Das wäre mir als Eishockey-Stürmer nie in den Sinn gekommen..."

Stuttgart

Fußball | Bundesliga VfB-Boss Hitzlsperger über Top-Talente: "Niemand ist unverkäuflich"

Verkäufe ja, Ausverkauf nein: Vorstandschef Thomas Hitzlsperger vom VfB Stuttgart hofft trotz der Coronakrise darauf, die meisten seiner Toptalente nach Saisonende halten zu können.  mehr...

Fußball | Bundesliga Fast 80 Minuten in Unterzahl: VfB Stuttgart verliert bei RB Leipzig

Dem VfB Stuttgart scheint im Saison-Endspurt die Puste auszugehen. Am 31. Bundesliga-Spieltag unterlagen die Schwaben bei RB Leipzig mit 0:2 (0:0). Es war für die Mannschaft von Trainer Pellegrino Matarazzo die vierte Pleite in Serie.  mehr...

Fußball | Bundesliga Schwabenpfeil Dieter Hoeneß: "Hansi Flick hat das nicht gut überlegt"

Der angekündigte Rücktritt von Bayern-Coach Hansi Flick wurde am Wochenende kontrovers diskutiert. Der ehemalige VfB-Spieler und Ex-Manager Dieter Hoeneß zeigte sich im SWR-Sport-Gespräch nicht begeistert von der Entscheidung. Flick habe die Bayern brüskiert - sein Vorpreschen kann Hoeneß nicht gutheißen.  mehr...

STAND
AUTOR/IN