Der VfB-Stuttgart-Profi Atakan Karazan gestekuliert fragend und enttäuscht während eines Fußball-Spiels. (Foto: IMAGO, IMAGO / Pressefoto Baumann)

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Der VfB Stuttgart ohne inhaftierten Karazor: "Wir denken täglich an ihn"

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Michael Bollenbacher
Andreas Köstler
Johannes Seemüller

Seit fünf Wochen sitzt Atakan Karazor auf Ibiza in Untersuchungshaft. Die Situation belastet den VfB Stuttgart. Der Umgang damit fällt schwer.

Die Profis, Trainer und Funktionäre des VfB Stuttgart sind es gewohnt, Interviews zu geben. Fragen zur Stimmung im Trainingslager oder zur anstehenden Saison werden von ihnen souverän aus der Hüfte beantwortet. In diesen Tagen gibt es allerdings ein Thema, bei dem sie sich schwer tun - verständlicherweise. Wer hat auch schon Erfahrung damit, dass ein junger Spieler, ein sympathischer Teamkollege nicht zum Training kommt, weil er in Untersuchungshaft sitzt?

VfB-Mittelfeldspieler Atakan Karazor war am 9. Juni während seines Urlaubs auf Ibiza gemeinsam mit einem Freund festgenommen worden. Es geht um den Vorwurf der Vergewaltigung. Der 25-Jährige bestreitet jede strafbare Handlung.

"Es ist einfach schwierig"

VfB-Torwart Florian Müller ringt um die richtigen Worte, als der Name Karazor fällt: "Es ist einfach schwierig. Wir machen uns natürlich unsere Gedanken, aber wir haben nicht viele Informationen. Deshalb bringt es auch nichts, jeden Tag darüber zu reden."

Alexander Wehrle, der Vorstandsvorsitzende, betont die Unschuldsvermutung und ergänzt: "Er ist unser Spieler, und wir denken täglich an ihn. Natürlich reden wir über das Thema. Wir sind sehr intensiv im Austausch mit seinem Berater." Dann sucht Wehrle bewusst die verbale Defensive. Schließlich handelt es sich um ein laufendes Ermittlungsverfahren. Folglich lautet die Maxime des VfB Stuttgart: "Alles, was wir öffentlich über diese Verfahren sagen würden, könnte es beeinflussen." Deshalb sei man gut beraten, sich mit Äußerungen zurückzuhalten. Der Verein hoffe, zeitnah neue Erkenntnisse zu bekommen.

Mislintat fühlt sich "wie ein Passagier"

Dem Verein sind in dieser Angelegenheit mehr oder weniger die Hände gebunden. Man fühle sich "wie ein Passagier", sagte Sportdirektor Sven Mislintat zu Sport1. Die Richtung im Fall Karazor geben andere vor: Ermittler, Behörden, Richter. "Man muss abwarten, wie die Sache entschieden wird." Er wisse sehr wohl, dass dies Wochen oder Monate dauern könne. Er sei kein Jurist, und was er an Informationen habe, "möchte ich nicht erzählen. Das gehört sich einfach jetzt nicht".

Dann betont er noch einmal ausdrücklich, dass der Verein seinen Mittelfeldakteur behandle "wie einen verletzten Spieler, bei dem wir nicht wissen, wann er zurückkommt". Der Ausfall Karazors werde von den Spielern, die aktuell im Kader seien, aufgefangen.

Der Mensch Karazor

Dem Verein scheint es wichtig zu sein, vor allem den Menschen Atakan Karazor in den Mittelpunkt zu stellen - und nicht den Arbeitnehmer. Obwohl der VfB Stuttgart die Möglichkeit hätte, das Gehalt Karazors während seiner U-Haft einzubehalten, ist dies zum aktuellen Zeitpunkt nach SWR-Informationen kein Thema bei den Schwaben.

Allerdings ist nicht abzusehen, wie lange der VfB-Profi noch in U-Haft bleiben muss. Die Beweisaufnahme der spanischen Ermittlungsbehörden ist noch nicht beendet. "Die gerichtliche Untersuchung geht weiter," teilt Agnès Antich Andreau, Pressesprecherin des Oberlandesgerichts der Balearen, auf SWR-Anfrage mit. Dies kann dauern. "In Spanien bestimmt das Gesetz, dass ein Inhaftierter bis zu einem Maximum von zwei Jahren in Untersuchungshaft sitzen kann." Eine Freilassung auf Kaution ist nach aktuellem Stand nicht möglich.

Die Hoffnung des Trainers

Trainer Pellegrino Matarazzo fasst den Wunsch des gesamten Vereins zusammen: "Wir hoffen, dass Ata zurückkommt. Und wenn er wieder zurückkommt, wird er seine Stärken einbringen, so wie wir ihn kennen."

Der letzte Eintrag auf Karazors Instagram-Account ist fünf Wochen alt. Damals postete er den Text: "Danke für die Einladung zur Show." Dazu stellte er ein Foto, dass ihn entspannt lachend zeigt. Die Zeiten haben sich geändert.

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