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Volker Zeh (56) beobachtet von Kitzbühel aus, wie beim VfB Stuttgart der Machtkampf zwischen Präsident Claus Vogt und Vorstandschef Thomas Hitzlsperger eskaliert. Der Unternehmer aus dem Remstal könnte der Nutznießer werden.

"Volker Zeh ist in meinen Augen ein Präsident, wie ihn der VfB jetzt braucht. Ich werde ihn wählen und gehe davon aus, dass er die Fronten beruhigt und für positive Ruhe sorgen wird." Diese Zeilen schreibt Zvonimir Soldo, langjähriger Kapitän des VfB Stuttgart (1996-2006) und Freund des Unternehmers. Zu finden ist dieser Unterstützungs-Post des Kroaten auf der Facebook-Seite von Volker Zeh (auf dem Foto oben in der Mitte). Soldo ist nicht der einzige ehemalige VfB-Akteur, der den 56-jährigen aus Urbach/Remstal gern als Präsidenten des zerstrittenen Vereins sehen würde. Auch Kevin Kuranyi und Zdravko Kuzmanovic zählen sich zum "Freundeskreis Volker Zeh" und finden wohlwollende Worte.

Zvonimir Soldo (301 Spiele für den VfB, DFB Pokalsieger, VfB-Kapitän, Defensiv-Genie, VfB-Legende) über Volker Zeh: "...Posted by Freundeskreis Volker Zeh on Tuesday, January 26, 2021

Nur die Ruhe bewahren

Dabei ist Zeh vom Vereinsbeirat des VfB Stuttgart noch gar nicht als Präsidentschafts-Kandidat auserkoren. Klar ist nur, dass der "Visionär und Hansdampf in allen Gassen" (Tiroler Tageszeitung) im Dezember fristgerecht seine Bewerbung eingereicht hatte und diese angenommen wurde. Das geschah, ehe die öffentliche Schlammschlacht zwischen Hitzlsperger und Vogt losgetreten wurde.

Solange der Vereinsbeirat ihn noch nicht offiziell als Kandidaten ernannt hat, will sich Zeh zur aktuellen Situation und zu seiner Bewerbung öffentlich nicht äußern. Dies sagte er dem SWR am Telefon. Seine Zurückhaltung ist gut nachvollziehbar, wird doch momentan täglich eine andere Sau über die Stuttgarter Mercedesstraße gejagt. Der Bewerber schaut sich dies genüsslich im 370 Kilometer entfernten Tirol an - und wartet einfach ab. Nur die Ruhe bewahren. Seine Zeit könnte schon bald kommen.

Da sich sowohl Hitzlsperger als auch Vogt durch ihr Verhalten in den vergangenen Tagen und Wochen zunehmend disqualifiziert haben, wäre es inzwischen nicht verwunderlich, wenn der Vereinsbeirat keinen der beiden Streithähne als Kandidaten für die Präsidentschaftswahl (wann auch immer sie stattfinden wird) nominieren würde. Auf genau diesen Moment wartet Volker Zeh.

Volker Zeh - wer ist das?

Dabei ist Warten nicht unbedingt seine stärkste Eigenschaft. "Er galoppiert vorneweg wie ein Rennpferd", hat ihn im vergangenen Sommer Kitzbühels Bürgermeister Klaus Winkler beschrieben. Der Schwabe Zeh ist seit Sommer 2017 Präsident des österreichischen Eishockeyclubs EC Kitzbühel. Wenn es sportlich nicht gut läuft, wie in den vergangenen Wochen, spricht der Klubchef auch mal Tacheles. Als er kürzlich auf eine lange Niederlagenserie angesprochen wurde, antwortete Zeh, es sei "eine Riesenscheiße." Und in Richtung Mannschaft drohte er: "So eine Leistung (...) will ich nie mehr sehen, das weiß die Mannschaft."

Auch Trainer müssen unter Zehs Führung immer wieder mal mit Überraschungen rechnen. Kaum ein halbes Jahr im Amt, entließ Zeh den damaligen langjährigen Coach des EC Kitzbühel, Joe West. Per Anruf aus dem Mallorca-Urlaub feuerte Zeh seinen Trainer. "Das ist nicht die feine Art," sagte West über die Art und Weise der Kündigung.

Umgang mit Todesfall in der Mannschaft

Zeh kann hart durchgreifen und unbequeme Entscheidungen treffen. Der Vater von vier Kindern hat aber auch eine empathische Ader. Als im Oktober 2019 einer seiner Spieler, der 26-jährige Torhüter Florian Janny, Opfer eines Fünffachmordes wurde, der die Stadt Kitzbühel erschütterte, fand Zeh in einem TV-Interview die richtigen Worte. Er sorgte für eine psychologische Betreuung der Mannschaft und nahm jeglichen Druck vom Team: "Die Mannschaft wird entscheiden, wie wir weiter verfahren," sagte er dem Online-Portal OE24. "Wir werden das tun, was die Mannschaft möchte. Wir als Vereinsführung werden nichts vorgeben."

Guter Draht zu Mercedes

Zeh gilt als kreativer, pragmatischer und umtriebiger Macher. 1990 hatte der gelernte Kaufmann in Schorndorf eine Metalltechnikfirma gegründet, 1999 wurde er Motorsport-Manager. Zunächst kümmerte er sich mit seiner Agentur "in summa sportconsulting" um DTM-Werksfahrer Bernd Mayländer (heute noch Safety-Car-Fahrer in der Formel 1), später auch noch um den ehemaligen Formel 1-Piloten Markus Winkelhock. Nicht nur durch die intensive Zusammenarbeit mit den beiden Rennfahrern hat Zeh bis heute einen guten Draht zu Mercedes. Es gibt sicherlich schlechtere Voraussetzungen für ein Amt beim VfB Stuttgart, als mit Mercedes bzw. der Daimler AG gut klar zu kommen.

2007 zog Zeh aus persönlichen Gründen an den Starnberger See ("Ich wollte einfach weg, etwas anderes machen.") Als er 2010 mit seiner Frau durch Florenz bummelte, kam ihm die Idee, ein eigenes, streng geheim gehaltenes Florentiner-Rezept zu entwickeln. Gedacht, getan. Er gründete eine Florentiner-Manufaktur, seine Leidenschaft für erlesene Backwaren hatte er zum Beruf gemacht. Danach zog es ihn nach Tirol, wo er Präsident des EC Kitzbühel wurde.

Diplomat und Brückenbauer?

Damit ihm nicht langweilig wird, engagiert sich Zeh auch noch im diplomatischen Bereich. Vom Auswärtigen Amt der Bundesrepublik wurde er im vergangenen Jahr zum Honorarkonsul der Republik Montenegro für den Konsularbezirk Baden-Württemberg ernannt. Ein Ehrenamt, das der Manager wegen seiner wirtschaftlichen Stellung und langjährigen "Vernetzung in Wirtschaft und Politik" bekommen hat.

In der Tat ist Zeh hervorragend vernetzt. Er ist eines von etwa 500 Mitgliedern des Vereins "Atlantik-Brücke". Dieser Verein (Vorsitzender ist Ex-SPD-Chef Sigmar Gabriel) will in vielerlei Hinsicht eine Brücke zwischen den USA und Deutschland schlagen. Ein Präsident, der Brücken baut und Gräben zuschüttet. Den könnten sie beim VfB Stuttgart in diesen Tagen gut brauchen.

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