Atakan Karazor, Bundesligaspieler vom VfB Stuttgart (Foto: IMAGO, IMAGO / Sportfoto Rudel)

Fußball | Bundesliga

Der Fall Karazor: Kein Lohnanspruch während der U-Haft – Kündigung denkbar

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Julius Richter

Atakan Karazor sitzt seit mehr als zwei Wochen auf Ibiza in Untersuchungshaft und kann seinem Beruf als Profi-Fußballer nicht nachgehen. Was dieser Fall juristisch für das Verhältnis zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber, also zwischen Karazor und dem VfB Stuttgart bedeutet, darüber hat SWR Sport mit dem Rechtsanwalt Maximilian Wüterich gesprochen.

Zuletzt befand sich Atakan Karazor im Urlaub. Für diesen hat er einen Lohnanspruch, auch wenn er währenddessen inhaftiert wurde. Sollte Karazor jedoch noch länger im Gefängnis sitzen und deswegen Wochen oder gar Monate nicht beim VfB Stuttgart erscheinen – offizieller Trainingsauftakt ist am kommenden Montag (27. Juni) – hat er keinen Anspruch auf Gehaltszahlungen.

"Im Grundsatz gilt: 'Kein Lohn ohne Arbeit', der Arbeitnehmer muss – sofern keine abweichende Vereinbarung vorliegt – vorleisten und bekommt erst dann den Lohn. Kann der Arbeitnehmer aufgrund der Haft nicht leisten, ergibt sich daraus für den Arbeitgeber die Möglichkeit, die Lohnzahlung zurückzubehalten“, sagt Maximilian Wüterich, Rechtsanwalt in der Stuttgarter Kanzlei Wüterich Breucker.

Kann der VfB Stuttgart Karazor außerordentlich kündigen?

"Denkbar ist eine sogenannte Verdachtskündigung", so Wüterich. Dies bedeute, dass schon der Verdacht einer strafbaren Handlung oder einer sonstigen Verfehlung ein wichtiger Grund zur außerordentlichen Kündigung gegenüber dem verdächtigten Arbeitnehmer sein kann. Und Wüterich weiter: "Eine Verdachtskündigung liegt vor, wenn der Arbeitgeber eine Kündigung damit begründet, schon der Verdacht eines (nicht erwiesenen) strafbaren Verhaltens habe das erforderliche Vertrauen für die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses derart zerrüttet, dass das Arbeitsverhältnis nicht fortgesetzt werden kann."

Dazu merkt Wüterich an, dass die Unschuldsvermutung zwar den Richter im Strafverfahren bindet, nicht jedoch den Arbeitgeber im Arbeitsverhältnis.

Voraussetzungen für eine Verdachtskündigung

Um eine solche Verdachtskündigung geltend zu machen, bedarf es bestimmter Voraussetzungen. Grundsätzlich muss der Arbeitgeber darlegen, warum das Vertrauen in den Arbeitnehmer derart zerstört ist, dass die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses unzumutbar ist. Des Weiteren muss es eine Anhörung des Arbeitnehmers geben. Außerdem gilt es, eine Frist einzuhalten. Der Arbeitgeber muss innerhalb von zwei Wochen nach Kenntnis der Tatsachen, die nach seiner Ansicht zur Zerrüttung des Verhältnisses geführt haben, entscheiden, ob er eine Verdachtskündigung ausspricht oder nicht.

Atakan Karazor hat seinen Vertrag beim VfB Stuttgart erst kürzlich bis Juni 2026 verlängert. Seit mehr als zwei Wochen sitzt er auf der spanischen Mittelmeer-Insel Ibiza in U-Haft. Im Raum stehen Vergewaltigungsvorwürfe. Die Ermittlungen zu dem Fall dauern an.

Ob der VfB Stuttgart das Gehalt von Karazor einbehalten wird, sollte dieser weiterhin inhaftiert bleiben, und ob eine außerordentliche Kündigung in Betracht gezogen wird, ist offen. Der Verein gibt auf Anfrage aktuell keine Auskünfte zum Fall Karazor.

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