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Der Unternehmer Volker Zeh wurde vom Vereinsbeirat des VfB Stuttgart nicht für die Präsidentenwahl zugelassen. Einziger Kandidat ist der aktuelle Amtsinhaber Claus Vogt. Zeh fordert im SWR-Interview, dass die Mitglieder eine echte Wahl haben sollten.

SWR Sport: Herr Zeh, wann sind Sie darüber informiert worden, dass Sie nicht als Präsidentschaftskandidat des VfB Stuttgart nominiert werden?

Zeh: Ich wurde am Sonntag Abend gegen 20:30 Uhr vom Vereinsbeirat per Email informiert, dass es eine Absage zu meiner Person gibt und dass Claus Vogt allein zur Wahl aufgestellt wird. Eine Begründung gab es nicht.

Wie sehr hat Sie das überrascht?

Am Anfang war ich leicht enttäuscht. Denn von Anfang an wurde von Seiten des Beirats kommuniziert, dass zwei Bewerber zur Wahl zugelassen werden.

Jetzt kam es anders. Haben Sie eine Erklärung für diese neue Entwicklung?

Ich wüsste nicht, welche Erklärung es geben könnte. Ich erfülle die gleichen Anforderungen durch meine Vita wie Herr Vogt. Ich weiß nicht, welche Gründe es geben sollte, mich nicht zu nominieren. Ich frage mich schon, warum sich die Meinungsbildung in dem Gremium plötzlich verändert hat in den vergangenen Tagen. Ich finde das Verfahren stillos. Die Mitglieder des Beirats sollten sich an demokratische Regeln halten. Meiner Meinung nach wurden diese missachtet. Die Fans und Mitglieder des VfB Stuttgart haben einen Anspruch auf einen faire und demokratische Wahl.

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Welche Schritte wollen Sie jetzt gehen?

Herr Vogt müsste eigentlich Interesse daran haben, dass zwei Kandidaten für die Wahl aufgestellt werden. Er hat immer für demokratische Prinzipien plädiert. Dazu gehört, sich einem Mitbewerber zu stellen.

Gab es schon Kontakt zwischen Ihnen und Claus Vogt?

Nein, den gab es nicht.

Warum wollten Sie eigentlich Präsident eines Vereins werden, der sich in der Führungsriege in den vergangenen Wochen so desaströs dargestellt hat?

Der VfB hat in der Tat zuletzt ein desaströses Bild abgegeben. Ich denke aber, die Verwerfungen lassen sich glätten und friedlich lösen. Das steht auf meiner Prioritätenliste ganz oben. Ich würde versuchen, wirklich alle mitzunehmen - Fans, Mitglieder, Dauerkartenbesitzer, VIPs und Sponsoren. Mein Motto ist: "Das WIR schließt alle ein".

Mal angenommen, Sie würden doch noch als Kandidat nominiert und dann tatsächlich zum Präsidenten gewählt werden: Könnten Sie sich dann eine Zusammenarbeit mit Thomas Hitzlsperger vorstellen, der den aktuellen Präsidenten Claus Vogt öffentlich an den Pranger gestellt hat?

Selbstverständlich kann ich mir das sehr gut vorstellen. Ich würde mich darüber freuen. Thomas Hitzlsperger macht einen großartigen Job, er ist menschlich ein sympathischer und guter Typ mit Substanz.

Die Mitgliederversammlung soll am 28. März in digitaler Form stattfinden. Eine gute Entscheidung?

Die beste Lösung wäre in meinen Augen eine Kombination aus Präsenz- und digitaler Veranstaltung. Diejenigen der 72.000 Mitglieder, die nicht in der Nähe von Stuttgart wohnen, krankheitsbedingt oder aus anderen Gründen nicht vor Ort sein können, sollten die Chance bekommen, demokratisch abzustimmen. Wir leben in einer digitalisierten Welt. Da muss es doch möglich sein, dass es auf diese Art stattfinden kann.

Es gibt Überlegungen, den künftigen Präsidenten mit einem sehr ordentlichen Gehalt auszustatten. Ist das in Ihrem Sinne?

Bei meiner Vorstellung am 11. Januar 2021 habe ich dem Beirat klar gesagt, dass der VfB Stuttgart in der jetzigen Situation andere Probleme hat, als Gehälter an den Präsidenten zu zahlen. Das Geld wäre an anderer Stelle besser angelegt. Ich stehe ehrenamtlich zur Verfügung. Ein VfB-Präsident sollte unabhängig sein.

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