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Am Samstag spielt der VfB Stuttgart im Süd-Klassiker beim FC Bayern München. Für VfB-Legende Hansi Müller (am Sonntag ab 21:45 Uhr Studiogast bei SWR Sport BW) bleibt sein erstes Duell mit dem Rekordmeister 1977 für immer unvergessen.

Hansi Müller bekommt noch immer dieses Gänsehaut-Gefühl, wenn man ihn darauf anspricht: Auf sein erstes Bundesligaspiel am 6. August 1977. Denn der Gegner im ausverkauften Neckarstadion war kein Geringerer als der FC Bayern München.

"Mit 17 Jahren, bei der WM 1974, da hab' ich mit meinem Papa vor dem frisch gekauften Farbfernseher noch den Heroes Maier, Müller und Hoeneß zugejubelt", erinnert sich Hansi Müller im Gespräch mit SWR Sport mit glänzenden Augen, "und drei Jahre später stehst du mit denen an der Mittellinie aufgereiht vor 71.000 und spielst gegen diese Heroes, das war für mich schon ein absolutes Highlight."

Es war eines der emotionalsten Erlebnisse in der glänzenden Karriere des Hansi Müller, später immerhin Europameister und Vize-Weltmeister mit Deutschland. Dieses erste Duell überhaupt mit den großen Bayern, zumal beim ersten Bundesliga-Auftritt, dazu noch zweifacher Torschütze. Die Geschehnisse von damals laufen immer wieder wie ein Kinofilm vor den Augen der VfB-Legende ab, wenn mal wieder - wie am Samstag - das Duell zwischen München und Stuttgart ansteht. Gestochen scharf und in Farbe.

Gelungene Mischung aus Talenten und Routiniers

Damals, als der VfB Stuttgart zwei Jahre nach dem Abstieg in die Zweitklassigkeit mit einer jungen Mannschaft und vielen Eigengewächsen in die Bundesliga zurückgekehrt war. Als die Stuttgarter Top-Talente um Hansi Müller, Karlheinz Förster, Markus Elmer und Dieter Hoeneß mit Unterstützung der Routiniers Ottmar Hitzfeld, Hermann Ohlicher oder Dragan Holczer die Herzen der VfB-Fans im Sturm eroberten, der Zuschauerschnitt auf über 50.000 katapultiert wurde.

Das Duell Müller gegen Müller endete 2:2

Da kamen die Bayern zum Bundesliga-Wiedereinstand an jenem 6. August 1977 gerade recht, um schwäbische Flagge zu zeigen. Und es wurde eine spektakuläre Partie, die nach torreichem Verlauf 3:3 endete. Der Süd-Klassiker geriet dabei kurioserweise auch zum Duell Müller gegen Müller. Hier beim VfB der Jungstar Hansi Müller, der zweimal per Elfmeter gegen Sepp Maier traf. Dort die Torjäger-Legende Gerd Müller, der zweimal in unnachahmlicher Manier einnetzte.

Zwei Elfer Müller gegen Maier

Der Spielfilm bot beste Unterhaltung: Der VfB startete furios und ging schon nach 17 Minuten durch einen Elfer von Hansi Müller in Führung. Ausgerechnet der erst 20-Jährige hatte die Verantwortung auf seinem linken Fuß. "Die erfahreneren Hermann Ohlicher und Ottmar Hitzfeld sagten zu mir: Hansi komm, das machst du schon", und Hansi machte: "Ich hab' nicht lange überlegt und das Ding reingeschossen." Rechts halbhoch neben den Pfosten. Der legendäre Sepp Maier war unter den Augen von Bundestrainer Helmut Schön chancenlos. Als Markus Elmer das 2:0 schoss, wähnte sich der VfB schon als Überraschungssieger, aber Norbert Janzon und der 'Bomber der Nation' Gerd Müller stellten noch vor der Pause auf 2:2.

Und dann staubte Gerd Müller doch noch ab...

Danach weiter Drama im Neckarstadion. Nach einer knappen Stunde wieder Elfer für Stuttgart, wieder Hansi Müller im Duell mit Sepp Maier. Und wieder traf der VfB-Jungstar eiskalt, diesmal links unten ins Eck zum 3:2.

Aber der andere Müller, der Bayern-Müller, verhinderte den Sieg der Stuttgarter. Kurz vor Spielende war Gerd Müller seinem Bewacher Karlheinz Förster nach einem Pfostenschuss von Rummenigge noch einmal entwischt, sorgte für den 3:3-Endstand: "Ein Abstauber, typisch Gerd Müller, kein Vorwurf an Karlheinz", erinnert sich Hansi Müller an den Schlusspunkt einer auch nach mehr als 43 Jahren noch immer unvergessenen Partie.

Hansi Müller drückt Sasa Kalajdzic die Daumen

Umso gespannter verfolgt Hansi Müller auf den Auftritt seiner VfB-Nachfahren am Samstag in der Münchner Arena. Einem Stuttgarter drückt er dabei ganz besonders die Daumen: "Ich würde mich riesig freuen, wenn der sympathische Sasa Kalajdzic durch ein weiteres Tor seinen Rekord ausbauen könnte", sagt der Europameister von 1980 gegenüber SWR Sport.

Aktuell hat der Österreicher in sieben Spielen in Serie getroffen und damit die alte VfB-Bestmarke von Fredi Bobic eingestellt. Bundesliga-Rekordhalter ist übrigens - na wer wohl? Gerd Müller. Er war in der Saison 1969/70 in 16 Spielen hintereinander Torschütze.

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