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Am Samstag (15.30 Uhr / live in SWR1 Stadion) trifft der VfB Stuttgart im Süd-Klassiker auf den FC Bayern München. Einer, der bei beiden Vereinen erfolgreich war, ist Dieter Hoeneß. SWR Sport hat mit dem früheren Torjäger und Manager des VfB vor dem Duell gesprochen.

Dieter Hoeneß, wie geht es Ihnen persönlich in diesen Corona-Zeiten, und wie sehr vermissen Sie das Stadion-Erlebnis?

Mir geht es gut. Ich und meine Familie sind verschont geblieben und nicht erkrankt. Natürlich sind alle ein bisschen Corona-müde, aber da müssen wir jetzt durch. Und klar fehlt mir der Fußball im Stadion sehr.

Gerade ein Spiel wir der VfB Stuttgart gegen Bayern München mobilisierte immer die Massen. An diesem Samstag ist die Arena leer. Ein Jammer?

Es ist wirklich ein Jammer. Solche Spiele sind Highlights. Der Süd-Gipfel war immer gut für eine Riesen-Stimmung und tolle Atmosphäre im Stadion. Aber wie gesagt, da müssen wir jetzt durch. Ich bin doch optimistisch, dass wir ab dem Sommer wieder etwas anders auch in die Fußball-Zukunft blicken können.

Sie waren vier Jahre als Spieler beim VfB, acht Jahre im Bayern-Trikot, danach Manager beim VfB. Wie sehr sorgten die Duelle der beiden Klubs damals schon für Gänsehaut-Feeling?

Für mich war es auch deshalb etwas ganz Besonderes, weil ich am Anfang noch gegen meinen Bruder gespielt habe mit dem VfB gegen die Bayern. Das waren immer Spiele auf Augenhöhe. Da stand nicht von vornherein fest, dass sich die Bayern durchsetzen werden. Wir haben die Bayern auch das eine oder andere Mal geschlagen. Es waren immer Spiele, die einen ganz besonderen Reiz ausgemacht haben, und entsprechend war auch die Stimmung im Stadion.

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1979 sind Sie vom VfB zu den Bayern gewechselt. Ihr Bruder Uli war da schon Manager in München, wie schwierig war das unter Brüdern?

Das war sehr, sehr schwierig, weil Uli immer das Gefühl hatte, er müsse mich härter anpacken als andere. Auch bei disziplinarischen Maßnahmen. Damit keiner vermutet, dass da eine Vetternwirtschaft stattfand. Von daher war das okay. Aber es war schon schwer für mich zu akzeptieren, dass mein Bruder der Boss ist, da hat es öfter mal gekracht. Aber wir waren sehr erfolgreich damals, fünfmal Meister, dreimal Pokalsieger. Zweimal standen wir im Europacup-Finale. Es war eine tolle, eine phantastische Zeit. Uli und ich haben nach wie vor ein gutes Verhältnis, das hat uns also nicht geschadet.

Zwei Jahre davor, 1977, waren Sie mit einer ganz jungen Stuttgarter Mannschaft in die Bundesliga aufgestiegen. Welche Parallelen gibt es zum jetzigen Aufstiegsteam des VfB mit ähnlich jungen und stürmischen Spielern?

Ja, die gibt es durchaus, ich verfolge das mit Interesse. Da ist schon ein gewisses Potenzial da. Wir hatten damals Hansi Müller, die Förster-Brüder, Bernd Martin, ein paar richtig gute Junge. Ich war auch noch recht jung, wir hatten eine ganz besondere Mannschaft, die nach dem Aufstieg gleich Vierter und danach sogar Vizemeister in der Bundesliga wurde. Wenn jetzt die Entwicklung beim VfB so weiter geht, dann kann es durchaus sein, dass die Mannschaft auch Potenzial hat.

Inzwischen ist die Augenhöhe mit den Bayern verloren gegangen. Ist das irgendwann mal wieder machbar in den nächsten Jahren?

Ich kann da wenig Mut machen. Ganz einfach deshalb, weil die Bayern allen enteilt sind. Natürlich hat Dortmund die Qualität, immer mal wieder eine Weile mitzuhalten. Aber acht Mal Deutscher Meister hintereinander, die Bayern haben sich zu einer Macht entwickelt, die ganz schwer einzuholen ist. Für Dortmund, für Leipzig. Und umso schwerer ist es auch für einen Verein, der die letzten Jahre immer wieder mal gebeutelt wurde, diesen Abstand wett zumachen. Da ist auch eine unglaubliche ökonomische Kraft beim FC Bayern, eine Riesen-Substanz, also das wird sehr schwer. Aber für den VfB gibt es zunächst auch andere Ziele. Zunächst sich in der Bundesliga nachhaltig zu etablieren und dann ein Stück nach oben zu wachsen. Im Moment sieht es ganz gut aus. Da sind schon ein paar Pflänzchen, die gegossen werden müssen und sich zu richtig kräftigen Bäumen entwickeln können.

Gibt es für Sie einen Hoffnungsmacher für den VfB, dass er am Samstag eine Chance hat gegen die großen Bayern?

Die Hoffenheimer haben ja gezeigt, dass man sie auch in dieser unglaublichen Phase schlagen kann. Aber da muss schon viel zusammenkommen. Da muss die Mannschaft über sich hinauswachsen, und die Bayern müssen auch einen Tag haben, wo sie nicht diesen Fokus haben, wie sie es seit über einem Jahr zeigen. Das ist unglaublich. Die Chancen auf einen VfB-Sieg stehen bestenfalls bei 20 Prozent. Mein Tipp ist schon, dass die Bayern gewinnen werden. Sie sind einfach die beste Mannschaft der Welt.

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