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Union Berlin ist Schlagzeilen-Spitzenreiter der Bundesliga der letzten Tage. Die "Eisernen" wollen mit Corona-Tests für Jedermann das Stadion gleich zu Saisonbeginn voll bekommen. Beim VfB-Fanclub RWS Berkheim überwiegt die Skepsis.

In der Reportersprache würde der Vorschlag von Union Berlin wohl als "überraschender Vorstoß" bezeichnet werden. Die Idee klingt einfach. Rein ins Stadion darf nur, wer neben Ticket auch einen negativen Corona-Test, der nicht älter als 24 Stunden ist, aufzuweisen hat. Union will für die Tests aufkommen.

Joachim Schmid, der Vorsitzende des VfB-Fanclubs RWS Berkheim, steht dem Vorschlag skeptisch gegenüber. "Ob das logistisch umzusetzen ist, an einem Wochenende 22.000 Menschen zu testen, halte ich schon für kritisch. Und nachher auch die Einlasskontrolle. Mann muss ja dann auch den Test mit der Person überprüfen. Ich weiß nicht, ob das machbar ist in einem Fußball Stadion."

Die Rot Weißen Schwaben Berkheim haben 1.100 Mitglieder. Ein Live-Erlebnis in der Arena wäre für alle eine schöne Sache. Doch der Chef der Esslinger VfB-Anhänger Joachim Schmid formuliert es vorsichtig: "Ich sehe das schon so, dass in diesem Jahr nicht mehr viele Fußballspiele in vollen Stadien stattfinden."

Sicherheitsabstand im Stadion

Egal wie viele Zuschauer bald wieder in die deutschen Stadien dürfen. Wahrscheinlich ist, dass hier ein Sicherheitsabstand eingehalten werden muss. "Sicherheitsabstände kann man vielleicht schon irgendwie halten," glaubt Schmid. "Aber sobald die Emotionen aufkommen, ist der Abstand wahrscheinlich vergessen," gibt der Fanclub-Boss zu bedenken. Außerdem sei die Anfeuerung und das Singen mit Maske natürlich sehr schwierig.

Massentests bei 60.000 Zuschauern

Ob Union Berlin es wirklich schafft über 22.000 Zuschauer in kurzer Zeit auf Corona zu testen, bleibt abzuwarten. Beim VfB Stuttgart müssten für ein volles Stadion schon knapp 60.500 Besucher in 24 Stunden vor dem Anpfiff getestet werden. Das wäre eine organisatorische Meisterleistung. Daran zu glauben würde dann unter die Rubrik "die Hoffnung stirbt zuletzt" fallen. Das letzte Wort hätte am Ende sowieso das Gesundheitsamt - in Berlin genauso wie in Stuttgart.

Warten auf den DFL-Leitfaden

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hat immerhin schon das Hygienekonzept zur Fortführung der gerade abgeschlossenen Saison gestemmt. Jetzt muss ein Leitfaden über die Rückkehr von Zuschauern ins Fußball-Stadion her. Das fordert Stefan Hofmann, der Vorstandschef von Mainz 05. Darin müssen Eckpfeiler festgelegt werden, die dann auch mit den Bundesbehörden abgestimmt sind," so der 57-Jährige gegenüber der "Bild". Erst danach könne Mainz 05 in die detailliertere Planung gehen. Hofmanns Wunsch: Rund 13.500 Zuschauer sollen das erste Heimspiel der neuen Saison live im Stadion erleben. "Ich gehe davon aus, dass wir den Kreis der Fans aus unseren Dauerkarten-Inhabern rekrutieren."

Der VfB Stuttgart verweist gegenüber SWR Sport darauf, dass alles noch gar nicht spruchreif sei und man sich momentan in einer dynamischen Situation befinde. Bleibt abzuwarten, wie dynamisch Union Berlin in den nächsten Wochen seinen Plan des ausverkauften Stadions vorantreibt.

Joachim Schmid, der Vorsitzende des VfB Fanclubs RWS Berkheim, gibt sich jedenfalls auf die Frage, wann er wieder ein Stadion von innen sehen wird, sehr zurückhaltend:"Ich glaube, dass es eher im Laufe des nächsten Jahres ist!"

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