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Der angekündigte Rücktritt von Bayern-Coach Hansi Flick wurde am Wochenende kontrovers diskutiert. Der ehemalige VfB-Spieler und Ex-Manager Dieter Hoeneß zeigte sich im SWR-Sport-Gespräch nicht begeistert von der Entscheidung. Flick habe die Bayern brüskiert - sein Vorpreschen kann Hoeneß nicht gutheißen.

In der Familie Hoeneß herrscht geballte Fußballkompetenz: Dieter Hoeneß ist der kleine Bruder des langjährigen FC-Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß und Vater von Hoffenheims Cheftrainer Sebastian Hoeneß. Beim VfB Stuttgart wurde der junge Dieter Hoeneß entdeckt (1975 - 1979) und bekam schnell den Spitznamen "Schwabenpfeil", danach ging es direkt zum FC Bayern München. Nach der erfolgreichen Fußballerkarriere kehrte Hoeneß im Jahr 1990 als Manager zurück zum VfB.

Vorschnelle Entscheidung durch Flick

Hoeneß kennt die Fußballwelt in allen Facetten. Mit seinem Bruder Uli Hoeneß hat er nach wie vor einen direkten Draht zum deutschen Rekordmeister. Den aktuell heiß diskutierten Rücktritt von Cheftrainer Hansi Flick sieht er kritisch.

"Es kann nicht in seinem Interesse sein, den Klub zu brüskieren. Das war ein Fauxpas."

Dieter Hoeneß - Manager beim VfB Stuttgart 1990-1995

Es sei zwar Flicks Entscheidung und die müsse man akzeptieren. Aber die Art und Weise sei unglücklich. Denn eigentlich sei ausgemacht gewesen, dass es eine gemeinsame Erklärung mit dem Verein geben sollte. Hoeneß bemängelt die fehlende Loyalität gegenüber dem Klub. Es sei schwierig, wenn man sich nicht an Absprachen halte. Damit hätte Flick den Verein auf dem falschen Fuß erwischt.

Systemimmanentes Konfliktpotenzial

Die öffentliche Meinung über Flicks Entscheidung fällt hingegen positiv aus. Kaum verwunderlich für den Ex-Manager Dieter Hoeneß. Ein erfolgreicher Trainer bekäme schneller die Sympathien der Fans als der "böse" Manager. Aber zu so einem Konflikt gehörten immer zwei.

Der Streit zwischen Trainer und Manager sei systemimmanent. Ein Verein denke langfristig und strategisch, während der Trainer kurzfristige Ziele verfolge. Daraus entstehe ein unausweichlicher Interessenkonflikt. Die Kunst bestehe darin, "die Interessen übereinander zu legen, was den Beiden offensichtlich nicht gelungen ist". Wer daran die Schuld trage, sei nicht auszumachen.

Wir-Gefühl bei Bayern fehlt

Die Situation ist vertrackt, eine Lösung vorerst nicht in Sicht. Die einzige Chance sieht Hoeneß in einem klärenden Gespräch zwischen Trainer, Manager und Klub. "Ich hoffe, dass sie sich zusammensetzen, um einen Weg zu finden, da rauszukommen."

"Es würde sicher gut tun, wenn man da wieder mehr im Wir reden würde und weniger im Ich."

Dieter Hoeneß - Manager beim VfB Stuttgart 1990-1995

Es sei nicht nur der Trainer alleine, der die Bayern erfolgreich gemacht habe. Dazu gehöre immer ein ganzes Team. Auch Sportvorstand Hassan Salihamidzic. Es sei nicht alleine Hansi Flicks Mannschaft.

Flick bereitet den Weg zum Bundestrainer

Es sei offensichtlich, dass Flick den Schritt in Richtung Bundestrainer vorbereite. Hoeneß zeigt Verständnis für Trainer und Klub, da die Themen immer öffentlich ausgetragen würden. Es sei schwierig, die Dinge in Ruhe auszufechten. Dennoch haben laut Honeß beide, Flick und Salihamidzic, Schuld an der Eskalation. Dementsprechend hätten beide auch die Verantwortung, die Sache wieder gerade zu rücken.

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