STAND
REDAKTEUR/IN

Hinter Claus Vogt liegen harte Wochen. Im Machtkampf des VfB Stuttgart steht der Präsident vorerst als einziger Gewinner da. Nun legt auch einer seiner wohl größten Widersacher sein Amt nieder. Aber wie geht es mit Vogt und Thomas Hitzlsperger weiter?

Seinen Humor hat Claus Vogt trotz aller Turbulenzen beim VfB Stuttgart nicht verloren. Ob sich denn schon jemand die Filmrechte am Drama beim VfB in den vergangenen Monaten gesichert habe, fragte sich ein Sky-Journalist am Sonntagabend auf Twitter. Eine Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Sie kam von VfB-Präsident Vogt selbst, kurz und trocken: "Ja, ich", reagierte der 51-Jährige. Das nicht ganz ernst gemeinte Statement sagt viel über den aktuellen Gemütszustand des Unternehmers aus.

Der standhafte Vogt

Kurz zuvor war Vogt als einziger Kandidat für die Präsidentschaftswahlen des VfB zugelassen worden. Im beispiellosen Machtkampf steht er nun als Gewinner da. Was in den vergangenen Tagen beim VfB passiert ist, dürfte Vogt bestätigt haben. Nachdem vor Monaten der "kicker" erstmals über die mutmaßliche Weitergabe etlicher Mitgliederdaten an Dritte von 2016 bis 2018 berichtet hatte, machte Vogt die Aufklärung der Datenaffäre allen vereinsinternen Widerständen zum Trotz zur Chefsache.

Stuttgart

Fußball | Bundesliga Chronik: So entwickelte sich der Machtkampf beim VfB Stuttgart

Seit Monaten gibt es im Datenskandal und im Machtkampf auf der Führungsebene des VfB Stuttgart fast täglich neue Nachrichten. In der Chronik fassen wir die neuesten Entwicklungen rund um das Chaos zusammen.  mehr...

Kurz vor dem Jahreswechsel griff Vorstandschef Thomas Hitzlsperger ihn auf massive Art und Weise an, mit einer eigenen Kandidatur für das Präsidentenamt wollte er den aus seiner Sicht unfähigen Vogt sogar aus dem Verein drängen. Trotzdem blieb Vogt standhaft, während Hitzlsperger sich nach rund zwei Wochen plötzlich für seinen Angriff entschuldigte und wenig später auch seine Bewerbung ums Präsidentenamt zurückzog.

Aderlass bei der alten Führungsriege

In dieser Zeit wurde durch die Ermittlungen einer von Vogt beauftragten Kanzlei immer deutlicher, dass noch heute im Klub tätige Führungskräfte wohl maßgeblich an der Datenaffäre beteiligt gewesen waren. Mit der Abberufung der beiden Vorstände Stefan Heim und Jochen Röttgermann folgten am Samstag die ersten personellen Konsequenzen. Am Montag trat dann auch der mit Vogt zerstrittene Rainer Mutschler als Vizepräsident zurück. Mutschler begründete seinen Schritt unter anderem mit der Nominierung Vogts für das Präsidentenamt. Weitere personelle Konsequenzen werden folgen, wie der Aufsichtsrat bereits am Wochenende angekündigt hatte.

Stuttgart

Fußball | Bundesliga Erste Konsequenzen im VfB-Theater - Wer muss noch gehen?

Wer dachte, es ginge nach dem 1:1 des VfB Stuttgart gegen Hertha BSC mal hauptsächlich um das Sportliche, sah sich getäuscht. Mit der Trennung von gleich zwei Vorstandsmitgliedern spitzt sich die Führungskrise weiter zu. Wer muss als Nächstes gehen?  mehr...

Ohlicher legt Aufsichtsratsmandat nieder

Am Montag hatten außerdem die "Stuttgarter Nachrichten" und die "Stuttgarter Zeitung" den Rückzug eines weiteren Führungsmitgliedes gemeldet. Am Abend bestätigte der Verein dann den Rückzug von Hermann Ohlicher aus dem Aufsichtsrat der VfB Stuttgart 1893 AG. Dieser ließ mitteilen: "Diese Entscheidung ist mir nicht leichtgefallen, aber meine Gesundheit und die Geschehnisse der letzten Monate veranlassen mich zu diesem Schritt. Für mich stand der VfB immer über allen persönlichen Ambitionen. Mein Fußballerherz gehört dem VfB. Ich verdanke dem VfB sehr viel und wünsche der Mannschaft weiterhin sportlichen Erfolg."

Der 71-Jährige, der auch Ehrenmitglied beim VfB ist und als Spieler wettbewerbsübergreifend die meisten Einsätze im Trikot der Schwaben absolviert hat, gehörte dem Aufsichtsrat seit 2016 an.

Vogt und Hitzlsperger - geht das zusammen?

Vogt dagegen bleibt. Genau wie sein Widersacher Hitzlsperger. Wie wollen die beiden Protagonisten des Machtkampfs im Sinne des VfB wieder zusammenfinden? Als einziger vom Vereinsbeirat nominierter Kandidat dürfte Vogt auf der für den 28. März geplanten Mitgliederversammlung für vier Jahre wiedergewählt werden. Vorstandschef Hitzlsperger bekam schon jetzt einstimmig das Vertrauen des Aufsichtsrats, dem Vogt vorsteht, ausgesprochen. Es liegt nun an den beiden führenden Köpfen des Traditionsklubs, nach einigen Mediationsrunden in den vergangenen Wochen erneut das Gespräch zu suchen.

Vor allem dürfte es an Hitzlsperger liegen, sich verloren gegangenes Vertrauen zurückzuholen. Weitere Personalentscheidungen könnten die Grundlage dafür sein. Obwohl Vogt nach persönlich schwierigen Monaten die aktuellen Entwicklungen mit Erleichterung verfolgt, könnten auch die nächsten Tage beim VfB brisant werden. Lange Zeit galt der Präsident im Führungszirkel der Schwaben als isoliert. Mittlerweile dürfte auch Hitzlsperger einsehen, dass Vogt in manchen Dingen nicht ganz so falsch lag.

Mehr zum Thema:

Stuttgart

Fußball | Bundesliga VfB Stuttgart: Rainer Mutschler legt Amt im Präsidium nieder

Präsidiumsmitglied Rainer Mutschler hat sein Amt im Präsidium des VfB Stuttgart am Montag mit sofortiger Wirkung niedergelegt. Als Grund nannte er unter anderem eine fehlende "Basis" bei der Zusammenarbeit im VfB-Präsidium.  mehr...

Stuttgart

Fußball | Bundesliga Vereinsbeirat des VfB Stuttgart nominiert Claus Vogt als Präsidentschaftskandidat

Paukenschlag im Machtkampf: Wie der Vereinsbeirat des VfB Stuttgart am Sonntag mitteilt, wird der amtierende Präsident Claus Vogt alleiniger Präsidentschaftskandidat.  mehr...

Fußball | Bundesliga Aufsichtsrat des VfB Stuttgart: Vorstände müssen gehen

Wie der Aufsichtsrat der VfB Stuttgart 1893 AG mitteilt, hat er in einer außerordentlichen Sitzung am Samstag entschieden, den Vorstand für Marketing und Vertrieb sowie den Finanz-Vorstand mit sofortiger Wirkung abzuberufen.  mehr...

STAND
REDAKTEUR/IN