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Als Claudemir Jerônimo Barreto wurde er groß, als Cacau wurde er ein ganz Großer. Der ehemalige Stürmer des VfB Stuttgart wird am Samstag 40 Jahre alt.

Die Geschichte von Claudemir Jerônimo Barreto, besser bekannt als Cacau, liest sich noch immer wie ein modernes Märchen. Geboren wurde er in Santo André, keine 20 Kilometer von der brasilianischen Millionenstadt Sao Paulo entfernt. Im Jugendalter arbeitete er unter anderem als Maurergehilfe und als Verkäufer von Erfrischungsgetränken an Autofahrer auf einer viel befahrenen Straße.

Als Teil einer Samba-Gruppe kam der Brasilianer 1999 nach Deutschland, kickte in München in der fünften Liga und wurde dort vom 1. FC Nürnberg entdeckt. Cacau arbeitete sich beim FCN von der Amateurmannschaft hoch ins Profi-Team und feierte am 18. November 2001 gegen Hansa Rostock sein Debüt in der Bundesliga. Es sollte der Beginn einer beeindruckenden Karriere sein. Im Sommer 2003 wechselte Cacau zum VfB Stuttgart, für den er insgesamt elf Spielzeiten lang in der Bundesliga auf Torejagd ging. Eine Vereinstreue, die es im Profi-Fußball nur noch selten gibt.

Tor des Monats August 2006

Insgesamt machte Cacau 307 Bundesliga-Spiele für den 1. FC Nürnberg und den VfB Stuttgart, erzielte dabei 88 Tore und bereitete 41 weitere Treffer vor. Sein wohl schönstes Tor schoss der gebürtige Brasilianer am 20. August 2006. Auswärts bei Arminia Bielefeld zog der Angreifer in der 82. Minute aus rund 35 Metern ab und versenkte den Ball im linken Winkel des Bielefelder Tores. Auch heute erinnert sich Cacau noch gerne an diesen Moment. "Wir haben das Spiel 3:2 gewonnen und ich habe das entscheidende Tor geschossen", sagt Cacau knapp 15 Jahre nach seinem sensationellen Treffer, "und die Freude war riesig, als das Tor auch noch zum Tor des Monats gewählt wurde."

Seinen größten Erfolg feierte Cacau 2007, als er mit dem VfB Stuttgart Deutscher Meister wurde. Doch nicht nur auf Vereinsebene waren seine Dienste gefragt. Seit Februar 2009 besitzt Cacau die deutsche Staatsbürgerschaft, nur wenige Monate später wurde er von Bundestrainer Joachim Löw in den Kader der Nationalmannschaft berufen. Am 29. Mai 2009 war es dann soweit: Der ehemalige Maurergehilfe und Samba-Tänzer gab sein Debüt im Trikot der deutschen Nationalmannschaft. Insgesamt sollte der Stürmer 23 Mal für das DFB-Team auflaufen, unter anderem bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika, als Deutschland WM-Dritter wurde.

Intergationsbeauftragter des DFB

Noch während seiner aktiven Laufbahn wurde Cacau Integrationsbotschafter des Deutschen Fußball-Bunds. Nach dem Ende seiner Spielerkarriere im Oktober 2016 stieg der Deutsch-Brasilianer zum Integrationsbeauftragten des DFB auf und bekleidete dieses Amt bis Anfang 2021. Die Zusammenarbeit wurde beendet, da Cacau seit dem vergangenen Jahr als Teilhaber und Geschäftsführer einer Sportagentur arbeitet. Diese Tätigkeit erlaube gemäß der DFB-Satzung nicht die Fortsetzung seines Engagements, teilte der Verband im Januar mit.

Ex-VfB-Spieler Cacau (Foto: Imago, IMAGO / Sportfoto Rudel)
Cacau feiert am 27. März 2021 seinen 40. Geburtstag Imago IMAGO / Sportfoto Rudel

Claudemir - Cacaudemir - Cacau

Am Samstag, 27. März wird Claudemir Jerônimo Barreto 40 Jahre alt. Dass ihn heute alle unter seinem Spitznamen Cacau kennen, geht auf seine Kindheit zurück. Der Spitzname "entstand, weil ich als kleiner Junge meinen Vornamen nicht gut aussprechen konnte. Bei meiner ersten Geburtstagsfeier, als 'Hoch soll er leben' gesungen wurde, sang ich immer wieder 'Cacaudemir' statt 'Claudemir soll hochleben'. Von diesem Tage an nannte mich meine Mutter nur noch liebevoll Cacau", erzählt der ehemalige VfB-Stürmer auf seiner eigenen Webseite.

Die Kindheit hat den gebürtigen Brasilianer geprägt. Er hat sich den Weg nach oben hart erarbeitetet, wurde vom Straßenhändler zum Profi-Fußballer und kann nun mit 40 Jahren stolz auf eine beeindruckende Karriere zurückblicken. Aus dem kleinen Claudemir ist ein ganz Großer geworden. Sein Name: Cacau.

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