Filip Kostić trägt eine rote Sportjacke der serbischen Fußballnationlmannschaft und schaut nach vorne. (Foto: IMAGO, Bildbyran)

Fußball | WM in Katar

Filip Kostic: Vom Absteiger zum Held

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Joel Lischka

Für Serbien beginnt im Duell mit Brasilien die Weltmeisterschaft in Katar. Die Serben setzen dabei auf Filip Kostic, der einst beim VfB Stuttgart spielte und als Absteiger ging.

Es läuft die 52. Minute – es ist eine typische Szene in einem Spiel mit Filip Kostic: Im Derby d'Italia zwischen Juventus Turin und Inter Mailand trickst er zunächst seinen Gegenspieler aus, zündet den Turbo, hängt alle ab und bedient Adrien Rabiot mustergültig. Der Franzose muss nur noch einschieben. 1:0 Juventus. Am Ende siegen die Turiner an diesem 6. November 2022 mit 2:0.

Auf diese dynamischen Läufe ihres Stars hoffen auch die Serben bei der Weltmeisterschaft in Katar. Am besten gleich im ersten Spiel gegen Mitfavorit Brasilien am Donnerstag in Lusail. In der Gruppe E trifft das Team von Trainer Dragan Stojković neben dem fünfmaligen Weltmeister auf die Schweiz und Kamerun.

Aus Groningen nach Stuttgart

Seit dieser Saison steht Kostic bei Juventus Turin unter Vertrag. Zuvor schnürte er in 249 Bundesliga-Partien die Kickschuhe. Viele kannten den schüchternen Serben nicht, als er im Sommer 2014 beim VfB Stuttgart seine ersten fußballerischen Gehversuche in Deutschland wagte.

Der VfB-Stuttgart-Spieler Filip Kostić trägt ein weißes Trikot mit rotem Brustring und nimmt den Ball mit der Brust an. Dabei pustet er die Backen auf. (Foto: IMAGO, Sven Simon)
Filip Kostić spielte von 2014 bis 2016 für den VfB Stuttgart und war Leistungsträger des Teams. Sven Simon

Der damalige Sportvorstand des VfB und Ex-Stürmer Fredi Bobic lotste Kostic an den Neckar – für viel Geld. Für den damals 21-Jährigen legten die Schwaben sechs Millionen Euro auf den Tisch. Dort reifte er zum Nationalspieler und gab im Juni 2015 sein Debüt für die A-Nationalmannschaft Serbiens. In zwei Jahren beim VfB absolvierte der in Kragujevac geborene Kostic 63 Pflichtspiele. 59 Mal kam er in der Bundesliga zum Einsatz und weitere vier Male im DFB-Pokal. Acht Tore und 14 Assists ließen damals nicht erahnen, zu welchem Höhenflug er noch ansetzen sollte. Auch körperlich hatte Kostic in seinen ersten Bundesliga-Jahren noch Aufholbedarf. Dennoch war er in der Zeit beim VfB ein Leistungsträger und stach heraus.

Zwei Abstiege in zwei Jahren

Den ersten Abstieg des VfB seit 1975 konnte Kostic 2016 aber nicht verhindern. Im Sommer wechselte er für eine Ablösesumme von 14 Millionen Euro zum Hamburger SV. Ein gutes Geschäft für die Stuttgarter, die auf Transfererlöse nach dem Abstieg angewiesen waren.

Für Kostic war die Zeit beim HSV ebenfalls erfolglos. Nachdem sich der Dino in den Jahren zuvor mehrmals knapp vor dem Abstieg in die 2. Bundesliga retten konnte, erwischte es den Traditionsklub 2018. Es war der zweite Abstieg für Kostić binnen zwei Jahren. In Hamburg stempelte man ihn als einen der Sündenböcke ab und wollte ihn loswerden.

Goldene Zeit bei Eintracht Frankfurt

Wohl kaum jemand dachte im Sommer 2018, dass dieser Transfer funktionieren würde. Fredi Bobic, mittlerweile Sportvorstand beim damaligen DFB-Pokalsieger Eintracht Frankfurt, erinnerte sich an seinen Spieler aus Stuttgarter Zeiten und holte den "Gescheiterten" an den Main. 300.000 Euro Leihgebühr und eine Kaufoption in Höhe von sechs Millionen Euro genügten dem klammen HSV, um ihn abzugeben. Rückblickend lässt sich sagen: Einer der besten Deals in Bobics Managerkarriere.

Kostic explodierte bei der Eintracht. In 172 Pflichtspielen traf er 33 Mal und bereitete 64 Tore vor. Mit seiner Dynamik, seinem unbändigen Willen und seinem starken linken Fuß eroberte er die Herzen der Fans.

Zu Beginn der Saison 2021 bröckelte die Liebe der Fans allerdings. Kostic wollte sich nach den Abgängen von Bobic, Trainer Adi Hütter, Stürmer André Silva sowie Kumpel Luka Jovic zu Lazio Rom weg streiken. Doch der neue Sportvorstand Markus Krösche gab nicht nach. Kostic blieb und traf im ersten Spiel nach seiner Suspendierung – ausgerechnet gegen Ex-Klub Stuttgart.

Krönung mit Europa-League-Sieg

Das "beste Spiel meiner Karriere", wie er im klubeigenen TV sagte, bestritt Kostic im April 2022. Beim Viertelfinalrückspiel gegen den FC Barcelona in der Europa League erzielte er zwei Treffer und bereite einen weiteren beim 3:2-Sieg vor. Am Ende hielt er vor den zirka 30.000 mitgereisten Eintracht-Fans sein Trikot mit der Nummer 10 hoch – wie einst Barca-Legende Lionel Messi beim Erzrivalen Real Madrid.

Filip Kostić hält sein weißes Trikot mit der Rückennummer zehn vor den Frankfurter Fans im Camp Nou hoch. (Foto: IMAGO, Jan Huebner)
Nach seiner Gala in der Europa League gegen den FC Barcelona hält Kostić sein Trikot vor den Frankfurter Fans hoch. Jan Huebner

Die Reise und der Traum vom Titel ging weiter. Nach dem erfolgreichen Halbfinale stand Frankfurt im Endspiel gegen die Glasgow Rangers. Und der Serbe hatte großen Anteil am Triumph der Eintracht. Er bereitete das 1:1 von Rafael Borré vor und verwandelte im Elfmeterschießen seinen Versuch souverän. Es war der erste Titel auf Profi-Ebene für Kostic, den die UEFA als besten Spieler der Europa-League-Saison auszeichnete.

Den Wechsel zu Juventus Turin im August 2022 und einem Top-Klub Europas hat sich der schnelle Linksaußen nach vier starken Jahren in Frankfurt verdient. Für die serbische Nationalmannschaft bestritt er insgesamt 50 Länderspiele. Das Turnier in Katar ist die zweite Weltmeisterschaft für den Linksfuß. Bereits 2018 nahm Kostic bei der Endrunde in Russland teil, dort verloren die Serben ihr Gruppenspiel mit 0:2 gegen Brasilien.

Am Donnerstag haben sie die Chance auf Revanche. Viele Hoffnungen liegen dabei auf Filip Kostic und seinen zugellösen Flügelläufen, die er über Jahre in Stuttgart, Hamburg und Frankfurt auf den Rasen warf.

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Joel Lischka

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