Alexander Wehrle  (Foto: IMAGO, IMAGO / Sportfoto Rudel)

Fußball | Bundesliga

VfB-Boss Alexander Wehrle: "Der Erfolg steht über allem"

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Johannes Holbein
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Michael Bollenbacher

Platz 16 in der Liga, dazu ein neuer Trainer und ein neuer Sportdirektor. Verantwortlich für das neue Gespann beim VfB Stuttgart ist der Vorstandsvorsitzende Alexander Wehrle. Vor dem Rückrundenstart sprach er im Trainingslager über die kritische Lage bei den Schwaben.

SWR Sport: Alexander Wehrle, ich habe gelesen, dass Sie im Alter von 14, 15 Jahren Arzt werden wollten. In welchem Gesundheitszustand befindet sich aktuell der Patient VfB Stuttgart?

Alexander Wehrle: "Naja gut, wir stehen auf Platz 16 und befinden uns im Abstiegskampf. Da ist sicher nicht alles in Ordnung und trotzdem bin ich sehr zuversichtlich, dass wir mit den getroffenen Entscheidungen erfolgreich die Rückrunde bestreiten werden."

Wenn wir in diesem Bild bleiben: Die neuen Chefärzte, Bruno Labbadia und Fabian Wohlgemuth, wie machen die ihre Arbeit bisher?

"Sehr gut! Wir haben die letzten Tage natürlich auch genutzt für viele Gespräche. Es stehen ja auch noch ein paar Entscheidungen an. Von dem her waren das sehr, sehr gute Gespräche und ich bin zuversichtlich, dass wir das erfolgreich hinbekommen."

Warum ist das Gespann Labbadia/Wohlgemuth besser in der aktuellen Situation, als das Gespann Wimmer/Mislintat zum Beispiel?

"Wir haben Sven Mislintat ja ein Angebot gemacht, weiterzuarbeiten. Das wollte er nicht annehmen. Und dann galt es eine Entscheidung zu treffen, wie wir die Zukunft gestalten. Ich kenne Fabian Wohlgemuth schon länger, das waren gute Gespräche und deswegen haben wir die Entscheidung getroffen. Und Bruno Labbadia ist genau der richtige Mann für die Situation jetzt und ist darüber hinaus in der Lage, eine Mannschaft auch zu entwickeln. Das hat er bei anderen Stationen gezeigt und deswegen haben wir die Entscheidung jetzt so getroffen."

Ich glaube, es gibt Fans, die würden dem VfB nicht eine so gute Diagnose stellen: Rückfall in alte Zeiten, Konzeptlosigkeit. Wie können Sie den Anhängern die Sorgen nehmen?

"Durch Erfolg, ganz klar! Deswegen haben wir die Entscheidung auch so getroffen und für uns ist es auch wichtig, dass wir offensiven und leidenschaftlichen Fußball spielen werden, aber natürlich steht der Erfolg über allem und man darf nicht vergessen, dass wir auf dem 16. Tabellenplatz stehen und da kann man nicht einfach so weitermachen."

Viele Fans wünschen sich auch eine Philosophie, also einen Weg, ein klares Ziel. Dafür soll der VfB Stuttgart stehen. Wie könnte die Philosophie des VfB Stuttgart aussehen?

"Es wird wichtig sein, natürlich perspektivisch eigene, junge Spieler in den Kader einzubauen, eine Identität zu schaffen. Aber eben auch einen mutigen, offensiven, leidenschaftlichen Fußball zu spielen. Dafür soll der VfB Stuttgart stehen und natürlich ist auch immer Kontinuität wichtig auf entscheidenden Positionen, um etwas aufbauen zu können, um etwas entwickeln zu können und an all diesen Themen arbeiten wir."

Welche Schritte braucht es denn, um mehr Jugendspieler aus dem eigenen Nachwuchs in den Kader zu bekommen?

"Da geht es um strategische Kaderplanung. Um Mut bei einzelnen Positionen, wenn man dann zwischen Stamm- Ergänzungs- und Perspektivspielern differenziert. Dann eben auch mutig zu sein und es gilt sicherlich auch mehr in eine Planungsphase zu gehen, also detaillierter zu arbeiten. Wir haben einiges verändert, wir werden uns häufiger zusammensetzen, was die Kaderplanung, aber auch die strategische Kaderplanung angeht und deswegen bin ich zuversichtlich, dass wir dann auch die Erfolge feiern können, die wir uns vornehmen."

Das heißt aber auch, vielleicht ein bisschen wegzukommen von dem, was Sven Mislintat gemacht hat: Viele junge Spieler aus dem Ausland holen, die vielleicht den eigenen Spielern aus dem Nachwuchs die Plätze wegnehmen?

"Das will ich jetzt gar nicht so beschreiben. Es geht gar nicht so darum, ob eigene Jugend oder von außen: Der Spieler muss gut sein! Es geht auch nicht um Jung oder Alt, sondern am Ende muss der Spieler gut sein. Und dennoch ist es unsere Aufgabe, weil wir eine sehr erfolgreiche Jugendarbeit haben, auch unseren eigenen Spielern die Möglichkeit zu geben, es in den Kader zu schaffen. Durchsetzen müssen sie sich dann schon selber in der täglichen Trainingsarbeit. Aber wir haben gute Voraussetzungen und deswegen müssen wir das dann in den nächsten Jahren auch hinbekommen. Jetzt gilt es aber auch ganz klar den Fokus auf den Klassenerhalt zu legen.

Würden Sie sagen, Bruno Labbadia ist der richtige Trainer, um junge Spieler ranzuführen an eine Mannschaft?

"Er hat das ja auch schon häufiger gezeigt. Ob das damals beim VfB mit Timo Werner oder Antonio Rüdiger war. Er hat es bei Hertha BSC bewiesen. Man sieht es jetzt auch hier im Trainingslager: Er hat auch Lust, wie er mit den jungen Spielern umgeht, wir haben einige dabei. Von dem her bin ich sehr zuversichtlich, dass er genau diesen Weg, den wir weiter gehen werden mit Fabian Wohlgemuth, unterstützt."

Sie waren während Ihres Studiums mal Bestatter: Sie haben Leichen gewaschen, Sie mussten Trauernde begleiten. Wenn man so einen Job gemacht hat, kann man dann die Arbeit als Vorstandsvorsitzender manchmal ein bisschen gelassener sehen, weil es nur um Fußball geht?

"Nein, es geht gar nicht um Gelassenheit. Man muss als Vorstandsvorsitzender schon eine Ernsthaftigkeit an den Tag legen und bei allen Managementaufgaben genau abwägen, was jetzt im Moment das Richtige für den Klub ist. Die Erfahrungen, die ich während meiner Studienzeit gemacht habe, die haben mich als Menschen geprägt, weil man sieht, wie schnell das Leben vorbei sein kann. Deswegen habe ich da schon ein Motto: Jeden Tag zu genießen, wir haben alle wahrscheinlich nur ein Leben. Deshalb gibt es vielleicht Tage, wo andere dann vielleicht schwierige Phasen haben und mit sich nicht im Reinen sind. Und bei mir ist es vielleicht eher so: Ich habe so viel Leid in der Zeit miterleben dürfen und müssen, das ich jeden Tag genieße und vielleicht das ein- oder andere dann in der Tat ein bisschen gelassener sehe."

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