Chris Führich, VfB Stuttgart  (Foto: imago images, IMAGO / HMB-Media)

Fußball | Meinung

Abstiegskampf beim VfB Stuttgart - Hoffnung macht nur die Konkurrenz

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Seit drei Spieltagen ist der VfB ohne Sieg. Die Bilanz der bisherigen Saison ist schlecht. Es wird eng - und SWR-Sportreporter Jens Ottmann fragt sich: Kann der VfB im Abstiegskampf bestehen?

Ganz ehrlich? Langsam aber sehr sicher habe ich da so meine Zweifel. Platz 15 - nur ein Punkt vor einem Abstiegsplatz. Der dritte Abstieg innerhalb von fünf Jahren nimmt in meinen Augen langsam Züge an. Am meisten Sorgen bereiten mir die Spiele gegen die Tabellennachbarn. Eine Nullnummer gegen den Achtzehnten Fürth, das gleiche Ergebnis beim Aufsteiger Bochum. In Augsburg 1:4 unter die Räder gekommen, Zuhause gegen Bielefeld verloren. Da frag ich mich schon: Gegen wen sollen denn die Punkte für den Klassenerhalt geholt werden?

Mislintat betont Harmonie und Teamgeist

Viele Verletzte, Corona wütet nach wie vor: Es gibt einige Gründe, warum der Erfolg ausbleibt. Bislang wird das junge Team mit Samthandschuhen angepackt. Von Harmonie und tollem Teamgeist ist immer wieder die Rede. Sportdirektor Sven Mislintat will nichts von fehlender Einstellung oder mangelnder Motivation wissen. Gegen Fürth waren einige auf dem Platz bei denen ich den Eindruck hatte, dass der unbedingte Wille nur leicht ausgeprägt war. Die rechte Seite blieb nahezu unbespielt. Wäre Fürths Linksverteidiger Luca Itter in Quarantäne gewesen, es hätte wohl kaum einen Unterschied gemacht.

Bisherige VfB-Bilanz absolut ungenügend

Der VfB-Kader ist jung, die meisten Spieler sicher auch hochtalentiert. Nur ist aktuell davon leider nichts zu sehen. Viele Fehler - die oft zitierten individuellen. 31 Gegentore in 18 Spielen, dabei haben sie selbst nur 22 Tore geschossen. Zahlen, die wenig Hoffnung machen. Sich jetzt auf die Rückkehrer Silas und Kalajdzic zu verlassen, wäre grob fahrlässig. Beide brauchen noch Zeit. Und wer gibt die Garantie, dass die beiden jungen Männer noch rechtzeitig in Bestform kommen?

Matarazzo unzufrieden

Auch VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo ist unzufrieden. Das habe ich so auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Leipzig (Samstag, 15:30 Uhr) zum ersten Mal wahrgenommen. Die Antworten auf kritische Fragen dauerten etwas, aber sie waren ehrlich. "Es gibt Spieler in der Mannschaft, die können mit dem Druck nicht umgehen. Wer mit dem Druck nicht umgehen kann, darf nicht auf den Platz. Sie müssen alle marschieren, es war bei einigen nicht leidenschaftlich genug."

Leidenschaft fehlt bei einigen

Ob Trainer Matarazzo das den Betroffenen ähnlich impulsiv mitgeteilt hat, ist nur zu vermuten. Aber ich denke, dass es der einzig richtige Weg ist, um vielleicht doch noch die Wende zu schaffen. Die Spieler müssen raus aus der Watte, rein in die Realität. Die Unbekümmertheit der Jugend, der Spaß am eigenen Talent sowie eine professionelle Einstellung zum Beruf werden in den nächsten Wochen von Nöten sein - und ein Trainer, der zum ersten Mal in seiner Profi-Laufbahn einen Verein vor dem Abstieg retten muss. Pellegrino Matarazzo hat eine schwierige Aufgabe vor sich. Die ich ihm, seit der oben erwähnten Pressekonferenz, durchaus zutraue. Vor allem, weil er die Schönrederei beendet hat.

Schönrederei ist beendet

Aber: Leipzig, Freiburg, Frankfurt, Leverkusen - die nächsten Gegner klingen nicht unbedingt nach vielen Punkten. Ganz im Gegenteil. Und das bringt mich zurück zur Anfangsfrage: Kann der VfB Stuttgart Abstiegskampf? Ich glaube nicht! Es sei denn, sie haben Glück - und drei oder zumindest zwei andere Clubs können es noch weniger.

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