Für Sven Schipplock schließt sich der Kreis beim VfB Suttgart (Foto: Imago, IMAGO / Pressefoto Baumann)

Eine bewegte Karriere

Sven Schipplock: Die Rückkehr zum VfB Stuttgart nach einer langen Reise

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Nach mehr als zwölf Jahren ist Sven Schipplock in diesem Sommer dorthin zurückgekehrt, wo für ihn die Reise im Profifußball begann - zum VfB Stuttgart. Eigentlich ist er Teil der zweiten Mannschaft, doch nun könnte er sogar wieder Bundesliga-Luft schnuppern.

Wenn sich Sven Schipplock an die Anfänge seiner Profikarriere erinnert, sind zwei Lachfalten unter seinem leichten Bartwuchs zu erkennen und seine Augen fangen an zu strahlen. Im Gespräch mit SWR Sport erzählt Sven Schipplock aus der Zeit, in der für den SSV Reutlingen in der Regionalliga spielte. Und das, obwohl der Verein den A-Jugendlichen Schipplock nicht in die erste Mannschaft übernehmen wollte.

Das Leben wird auf den Kopf gestellt

Doch dann ging alles ganz schnell: Ein Stürmer verletzte sich in der Vorbereitung, Schipplock wurde verspätet in den Kader berufen und zeigte von Beginn an starke Leistungen. So stark, dass der VfB Stuttgart dem jungen Stürmer noch in der gleichen Saison einen Profivertrag anbot. Innerhalb von nur einem Jahr wurde das Leben des damals 18-Jährigen auf den Kopf gestellt.

"Ich war Freitags noch mit meinen Kollegen aus Reutlingen beim Italiener zum Mittagessen, dann hat mich mein Papa abgeholt und ich habe den Vertrag in Stuttgart unterschrieben. Am nächsten Tag saß ich dann mit Spielern wie Mario Gomez, Fernando Meira oder Roberto Hilbert in der Kabine, das war wie im Film", erinnert sich Schipplock im Gespräch mit SWR Sport.

Schipplock, der Film - die überraschende Fortsetzung

2021: Wieder sind Spieler verletzt, wieder ist Schipplock da. Eigentlich wurde der 32-Jährige für die zweite Mannschaft verpflichtet (kam im Sommer von Armina Bielefeld). Aber Schipplock ist Stürmer - und so einen kann der VfB gerade jetzt gebrauchen.

VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo holte Schipplock zum Training in die erste Mannschaft und kann sich nun sogar vorstellen, ihn in den Bundesligakader zu nehmen. "Er gibt Vollgas, läuft gut an und bringt seine Mentalität rein ins Training", sagte Pellegrino Matarazzo vor dem Spiel gegen den SC Freiburg.

Die Schattenseiten des Profifußballs

Diese Mentalität hat sich Sven Schipplock hart erarbeitet. Beim VfB Stuttgart lernte der damals 18-Jährige nach seiner Verpflichtung schnell die Schattenseiten des Profifußballs kennen. Im Sommer 2021 blickt Schipplock auf die Anfangszeit seiner Karriere zurück: "Ich habe gleich gemerkt, dass ich auf Dauer eigentlich keine Chance habe. Da hat es bei mir einfach an allem gefehlt: Passspiel, Technik und auch körperlich hat einfach zu vieles gefehlt."

Nach gerade mal drei Monaten beim VfB wurde Schipplock in die zweite Mannschaft versetzt. Und es dauerte mehr als zwei Jahre, bis er in der Europa League im Dezember 2010 gegen Young Boys Bern seinen ersten Einsatz als Profi bekam.

80.000 Zuschauer und ein Tor gegen St. Pauli

Kurze Zeit später wurde er fester Bestandteil der ersten Mannschaft. Der Traum Profifußball ging für "Schippo" nach drei Jahren beim VfB Stuttgart endlich in Erfüllung.

Gegen Dortmund feierte er 2011 vor 80.000 Zuschauern sein Debüt in der Startelf. Sechs Wochen später erzielte er sein erstes Bundesligator gegen St. Pauli. An das Spiel in Dortmund kann sich Schipplock noch genau erinnern: "Ich weiß noch, wie ich mir bei meinem ersten Spiel gewünscht habe, dass Dortmund ein Tor schießt. Damit ich die Stimmung auf dem Platz erleben kann."

Wechsel zur TSG Hoffenheim

Im Sommer 2011 wechselte er zur TSG Hoffenheim. "Die Konkurrenz in Stuttgart war groß und ich habe eine neue Herausforderung gebraucht", sagt Schipplock. Doch der Start in Hoffenheim verlief holprig. Schipplock stand in seiner ersten Saison nicht immer im Kader und erzielte in seiner ersten Saison lediglich zwei Tore. Er habe in einem neuen Verein einfach immer wieder Anlaufschwierigkeiten gehabt, das hätte sich irgendwie durch seine Karriere gezogen und sei auch so in Hoffenheim gewesen, so der 32-Jährige.

Auch in der folgenden Saison spielte er kaum. Erst als die Saison langsam zu Ende ging, wurde Schipplock immer öfter eingesetzt. Hoffenheim spielt gegen den Abstieg. 18. Mai 2013. Letztes Spiel, letzte Chance, in Dortmund. 82. Minute. Schipplock wird gefoult - Elfmeter. Salihovic trifft, Hoffenheim gewinnt 3:2. Die Dortmunder "Süd" brodelt, das Stadion: Ein Hexenkessel.

"So laute Pfiffe nach Spielende habe ich in meinem Leben noch nie gehört."

Hoffenheim rettet sich in die Relegation und schafft - auch dank Schipplock - den Klassenerhalt in der Bundesliga.

Die schwierigste Phase

In den nächsten beiden Spielzeiten kämpfte sich Sven Schipplock in die Startelf, erzielte neun Tore und bereitete zudem acht weitere vor. Dennoch entschied sich Hoffenheim, den Stürmer nach der Saison 2014/2015 an den Hamburger SV zu verkaufen. Für Schipplock war der ambitionierte Wechsel gleichzeitig der Beginn der schwierigsten Phase in seiner Laufbahn.

Denn weit weg von Freunden und Familie konnte er den hohen Erwartungen nie gerecht werden und wurde bereits nach nur einer Saison für ein Jahr nach Darmstadt ausgeliehen. "Ich konnte zwar mit Druck umgehen, aber das war zu viel für mich. Für mich war die Rolle des '2,5-Millionen-Euro-Neuzugangs', der in der Saison 15 bis 20 Tore schießen muss, einfach zu viel. Damit bin ich nicht klar gekommen", so Schipplock.

Wieder ein holpriger Start

Doch auch in Darmstadt lief es nur bedingt. Als Hoffnungsträger verpflichtet, stand Schipplock in vielen Spielen wieder nicht im Kader und stieg schlussendlich mit Darmstadt aus der Bundesliga ab. Danach ging es für den gebürtigen Reutlinger wieder zurück zum HSV. Auch dort stieg er in die 2. Liga ab, nachdem er zuvor nur zehn Spiele absolvierte. "Mein alter Trainer hat mich zurückgeholt und ich hatte mich wirklich darauf gefreut. Aber die Vertrauensbasis war einfach nicht mehr gegeben, es war einfach nicht harmonisch", sagt Schipplock.

"Dass ich mit verantwortlich dafür bin, dass der Dino kein Dino mehr ist, das war schon schwierig für mich."

So wichtig wie nie zuvor

Im Sommer 2018 führte der Weg des Stürmers zu Arminia Bielefeld. Doch auch bei den Ostwestfalen stand der Name Schipplock lange für ein Missverständnis. In den ersten eineinhalb Jahren bestritt er aufgrund diverser Verletzungen nur drei Punktspiele.

"Uwe Neuhaus sagte mir damals, dass es für mich in Bielefeld nicht weitergeht - eine Woche später verletzte sich ein Stürmer und ich wurde wieder gebraucht", sagt Schipplock. Plötzlich war er wieder im Kader, wurde öfter als "Joker" gebraucht und stieg mit Bielefeld 2020 in die Bundesliga auf.

Die "Joker-Rolle"

In der vergangenen Saison wurde er so häufig wie nie zuvor in seiner gesamten Profi-Karriere in einer Saison eingesetzt. Er selbst habe sich im Laufe der Karriere mit der "Joker-Rolle" angefreundet. Oder anfreunden müssen, denn Schipplock stand in elf Saisons in der Bundesliga und 2. Liga lediglich zwölfmal über die komplette Spielzeit auf dem Platz.

Er wäre auch gerne noch ein Jahr bei Arminia Bielefeld geblieben, doch der Verein entschied sich dagegen. "Und dann hat sich der VfB Stuttgart bei mir gemeldet und das hat gut gepasst. Durch den Wechsel habe ich wieder mehr Lebensqualität, das hat mir die letzten zehn Jahre gefehlt. Hier hat alles begonnen und es endet womöglich dann auch hier. Darüber bin ich sehr glücklich", so Schipplock.

Versöhnliches Ende

Bei der zweiten Mannschaft des VfB soll Schipplock als Führungsspieler und Kapitän junge Talente an den Profibereich heranführen. Er selbst trägt dabei die Nummer 22 auf dem Rücken, die gleiche Nummer wie damals, als er vor zwölf Jahren selbst ein junges Talent beim VfB Stuttgart war.

Das BW-Duell im Radio und TV:

Baden-Württemberg

SWR Sport BW | Sonntag, 21:45 Uhr SWR Sport BW mit Sven Schipplock (VfB Stuttgart)

Den Fans des VfB Stuttgart wird es nicht langweilig. Erst die Ankündigung von Sportvorstand Thomas Hitzlsperger, den Verein 2022 zu verlassen, dann das Bundesliga-Sonntagsspiel gegen Bayer Leverkusen. Freiburg (in Mainz) und Hoffenheim (in Bielefeld) müssen auswärts ran. Im Studio: Sven Schipplock (VfB Stuttgart).  mehr...

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