Sportdirektor Sven Mislintat zu Gast in der TV-Sendung SWR Sport BW (Foto: SWR)

Fußball | Bundesliga

Sven Mislintat: "Der VfB Stuttgart, mit dem man sich wieder identifizieren kann"

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Mutig, motiviert, Mislintat: Sven Mislintat ist seit eineinhalb Jahren Sportdirektor beim VfB Stuttgart. In der Fernsehsendung SWR Sport BW sprach er über seine Karriere, die Entwicklung der jungen Talente und die Verteilung der TV-Gelder.   

Sie sind jung. Sie sind heiß. Und sie sind topmotiviert: Die Spieler des VfB Stuttgart. Derzeit auf Tabellenplatz 10 mit den viertmeisten Torschüssen der Liga hinter Leipzig, Bayern und Dortmund. Eine neue Generation der "jungen Wilden" - aktuell die jüngste Mannschaft der Fußball-Bundesliga. Zwar sei im Spiel am vergangenen Samstag gegen den FCB (1:3) zu sehen gewesen, "dass die Bayern im Schnitt vier Jahre älter sind", so Sven Mislintat in SWR Sport BW. Doch "die Leistung hat gestimmt", findet der Sportdirektor der Schwaben. Er ist stolz auf seine Jungs. Vor der starken Leistung im Spiel gegen die Bayern war sein Team sieben Partien in Serie ungeschlagen gewesen.   

Das magische Dreieck als Vorbild 

"Wir werden immer wieder Schritte nach vorne machen, auch mal ein, zwei zurück", äußert sich Mislintat zur aktuellen Situation in Stuttgart. Er sieht "jedes einzelne Spiel dieser Saison als Entwicklungszeit." Wichtig sind dem Sportdirektor "ein klarer Plan, ein klarer Weg und eine klare Strategie“, nach der Verpflichtungen und Vertragsverlängerungen vorgenommen werden. "Wichtig ist, dass man dem Ganzen die Zeit gibt, sich weiterzuentwickeln und dass Qualität irgendwann auf dem Platz sichtbar wird“.  

Zusammen mit dem Vorstandsvorsitzenden Thomas Hitzlsperger, Trainer Pellegrino Matarazzo und Markus Rüdt (Direktor Sportorganisation) ist sich Sven Mislintat einig, dass das Ziel sein solle, den VfB so zu entwickeln, dass "man sich auch wieder mit dem Verein identifizieren kann“. Als Vorbild sollen zwei Perioden gelten: "Das magische Dreieck und das der jungen Wilden. Wenn heute jemand sagt, dass beides irgendwie zusammen auf dem Platz zu erkennen ist, dann ist es ein sehr großes Kompliment für uns."  

Mislintats Vertragsverlängerung hängt auch an der Vergütung

Nicht umsonst wird Mislintat gerne auch "Diamantenauge" genannt. Seine Fähigkeit, junge Talente frühzeitig zu erkennen, hat er in seiner BVB-Vergangenheit bereits unter Beweis gestellt: Die Transfers von Robert Lewandowski, Pierre-Emerick Aubameyang und Ousmane Dembélé gehen auf sein Konto. "Ich versuche, den Menschen zu verstehen, auf unterschiedliche Arten", spricht Mislintat über seine Arbeit als Scout. Die wichtigste Entdeckung seiner Karriere? "Shinji Kagawa" (ehemaliger BVB-Spieler).  

Auch in Stuttgart wird seine Arbeit sehr geschätzt. Immer wieder kommt die Frage auf, wann sein Vertrag verlängert werde. Im Gespräch mit Moderatorin Lea Wagner will der 48-Jährige "nicht groß um die Sache rumreden". Konkrete Gespräche seien im Gange, es hänge momentan noch an klassischen Inhalten: "Es geht um Kompetenzen und die Verantwortungsbereiche, die man behalten möchte. Und es geht tatsächlich auch um Finanzen." Sprich seine Vergütung. Mislintat ist sich sicher, dass ein guter Kompromiss gefunden werde.  

"Richtig PS" in der Mannschaft - "Bodyguard" Endo 

Verlängert hat Mislintat in der letzten Woche bereits die Verträge von gleich drei wichtigen Leistungsträgern: Top-Stürmer Nicolas Gonzalez, Borna Sosa und Wataru Endo bleiben dem VfB womöglich für ein paar weitere Jahre erhalten. Letzterer laut Statistik aktuell der zweikampfstärkste Spieler der Bundesliga. Der Sportdirektor des VfB hatte sich bereits in seiner Zeit bei Dortmund und Arsenal überlegt, den Japaner als Backup zu verpflichten. In Stuttgart hat es nun geklappt, der 27-Jährige ist inzwischen eine feste Größe im Team: "Der Junge ist unser Bodyguard. Mit Orel Mangala das Herz im zentralen Mittelfeld", findet Mislintat. Die beiden seien "ein ganz wichtiger Faktor für das, was bei uns gerade passiert." Auch Silas Wamangituka ist in Topform. Gegen die Bayern war er mit 35 km/h der schnellste Spieler auf dem Platz. Seine Spieler hätten "richtig PS", findet der Sportdirektor.  

Sollte es aufgrund der Corona-Pandemie mal finanzielle Engpässe geben, ist der Sportdirektor überzeugt: "Da würde die Mannschaft mithelfen. Von daher waren die Vertragsverlängerungen möglich." Viele junge Spieler hat Mislintat an den Neckar geholt, doch er will auch auf die eigene Jugend setzen: Mit Luca Mack, Lilian Egloff und Antonis Aidonis stehen aktuell drei Nachwuchs-Spieler im Kader. Laut Mislintat gebe es auch einige Kandidaten in der zweiten Mannschaft und in der U19, die den Sprung in erste Mannschaft schaffen könnten.  

Sven Mislintat zu TV-Gelder-Verteilung: Premier League als Vorbild nehmen

Auch zum Treffen der Bundesligaklubs, zu dem Karl-Heinz Rummenigge bis auf Augsburg, Mainz, Bielefeld und Stuttgart alle Vereine eingeladen hatte, hat Mislintat eine klare Meinung: "Ich denke, zu einem demokratischen Prinzip gehört, alle beteiligten Positionen an einen Tisch zu bringen." Die Verteilung der TV-Gelder sorgt derzeit unter Fans deutschlandweit für Diskussionen. Der Sportdirektor glaubt, dass ein Austausch auf "einer Sachebene" sehr wichtig wäre, statt "in emotionalen Ebenen".  

Seiner Meinung nach könnte man sich etwa die Premier League zum Vorbild nehmen als "wirtschaftlich erfolgreichste und ausgeglichenste Liga der Welt." Der Verteilungsschlüssel dort "unterscheidet sich extrem von dem unseren. Das ist ein Ansatz für die Diskussion, meines Erachtens", so Mislintat. "Es sollte eine vernünftige Diskussion stattfinden."

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