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Silas Wamangituka war zwei Jahre lang unter falscher Identität für den VfB Stuttgart aktiv. Sportrechts-Experte Dr. Marius Breucker erklärt dem SWR, was das für den VfB und für Silas bedeutet.

Reporter Günther Schroth: Silas Wamangituka heißt gar nicht Silas Wamangituka, sondern Silas Katompa Mvumpa. Er ist auch nicht 1999 geboren, sondern bereits 1998. Silas hat also eine falsche Identität angegeben. Was heißt das denn für die Auftritte dieses Spielers im Team des VfB Stuttgart? Hätte er eigentlich gar nicht spielen dürfen?

Dr. Marius Breucker: Grundsätzlich ist das so. Denn jeder Spieler, der eingesetzt wird, braucht eine Spielerlaubnis und im konkreten Fall ist davon auszugehen, dass diese Spielerlaubnis unwirksam war, weil sie auf falschen Angaben beruhten.

Reporter: In Bremen etwa, da schoss Silas den Siegtreffer zum 2:1 für den VfB Stuttgart. Wenn man jetzt bei Werder Bremen auf den Gedanken kommt, gegen diesen Treffer Protest einzulegen, dann kommt man damit also zu spät?

Dr. Marius Breucker: In der Tat. In der Regel kann man natürlich Einspruch einlegen, wenn ein nicht spielberechtigter Spieler eingesetzt wird. Das hatten wir in der Vergangenheit ja auch schon - etwa im Fall Jatta wurde das zumindest probiert. Aber es gibt Einspruchsfristen und die laufen 48 Stunden nach dem jeweiligen Spieltag ab, sodass wir jetzt deutlich zu spät sind.

Reporter: Wie würden Sie denn reagieren, wenn Sie Bremen vertreten würden? Würden Sie dennoch versuchen, juristisch gegen die Wertung dieser Spiele vorzugehen? Gibt es da irgendeine Chance?

Dr. Marius Breucker: In solchen Fällen empfehlen wir Anwälte ja immer, das zumindest mal sorgfältig zu prüfen. Das werden sicherlich die betroffenen Vereine, also namentlich Schalke 04, Werder Bremen auch tun. Aber es sieht so aus, dass diese Fristen relativ eindeutig geregelt sind. Selbst im Falle einer Spielmanipulation gelten diese Fristen insoweit, als zwar die Kenntnis maßgeblich ist von den zugrunde liegenden Tatsachen. Aber auch da sieht die Spielordnung vor, dass spätestens am Tag vor dem viertletzten Spieltag - man muss da fast ein bisschen schmunzeln - Einspruch eingelegt werden muss. Man will einfach verhindern, dass eine Saison, die abgeschlossen ist, im Nachgang noch einmal aufgerollt werden muss.

Reporter: Was der VfB Stuttgart jetzt vorgenommen hat, nämlich sehr offen mit dieser Identitätsfälschung umzugehen, ist das das probate Mittel, um solche Spieler juristisch auf gesunde Beine zu stellen.

Dr. Marius Breucker: Soweit mir der Sachverhalt bekannt ist, ist es die Flucht nach vorn, die ergriffen wurde. Und ich denke auch ein Befreiungsschlag für den Spieler, der jetzt reinen Tisch machen kann und mit einer dann hoffentlich zutreffenden Identität unbelastet in die neue Saison starten kann.

Reporter: Er bleibt damit in Zukunft unter diesem Namen Silas Katompa Mvumpa ohne Einschränkungen für den VfB spielberechtigt?

Dr. Marius Breucker: Davon gehe ich aus. Wenn er jetzt unter zutreffenden Angaben eine Spielerlaubnis beantragt, beziehungsweise der Club das macht, dann gehe ich davon aus, dass er für die kommende Saison auch unter diesen dann zutreffenden Angaben eine Spielerlaubnis erhalten wird.

Reporter: Die Veränderung seines Geburtsdatums, das hat er ja auch getan. Er hat sich jünger gemacht als er war. Die hatte ja auch zur Folge, dass er als Jugendlicher mitspielen durfte, obwohl er bereits Erwachsener war. Damit hat er sich ja Wettbewerbsvorteile erschlossen. Er war größer. er war stärker als die nur scheinbar Gleichaltrigen, weil er ja älter war als seine Mitspieler und Konkurrenten. Gilt da die juristische Tatsachenentscheidung, um einen Fußball-Begriff zu benutzen?

Dr. Marius Breucker: So kann man das sagen. Wir haben im Sport immer wieder Ungerechtigkeiten. Die lassen sich leider wie im echten Leben auch nicht vermeiden. Aber die Rechtssicherheit, auch die Bestandskraft von einmal erzielten Ergebnissen, ist eben auch ein hohes Gut. Und dann muss man abwägen. Und diese Abwägung wird eben in den Regularien durch bestimmte Fristen getroffen. Wenn die abgelaufen sind, dann ist das Ding ums Eck.

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