Die Spieler des VfB Stuttgart bedanken sich nach der 1:3 Heimniederlage gegen Eintracht Frankfurt für die Unterstützung aus der Fan-Kurve. (Foto: IMAGO, Sportfoto Rudel)

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Ist der VfB Stuttgart schon wieder in einer Murmeltier-Saison?

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AUTOR/IN
Thomas Bareiß

Der Herbst naht und der VfB Stuttgart steckt fast schon traditionsgemäß in der Krise. Kein Sieg in den ersten sieben Saisonspielen. Das ist ein Negativ-Rekord in der Vereinsgeschichte der Schwaben. Eine Spurensuche.

Auf zwei Dinge kann man sich beim VfB Stuttgart eigentlich so gut wie immer verlassen: auf die Treue der Kurve und den Herbst-Blues der Profis. Sieben Spiele, kein Sieg und nur fünf Punkte ist schlicht und ergreifend die Zwischenbilanz eines Abstiegskandidaten. Verdienter Lohn ist der Abstiegs-Relegationsplatz 16. In der vergangenen Saison hatten die Schwaben zu diesem Zeitpunkt acht Zähler auf dem Konto und jeder weiß, wie knapp es am Ende war. Nicht wenige Anhänger des VfB fürchten wieder einen Saisonverlauf analog zur Hollywood-Komödie "Und täglich grüßt das Murmeltier" mit Bill Murray in der Hauptrolle. Warum der VfB aber aktuell da steht wo er gerade steht, hat mehrere Gründe:

Harte Fakten

  • Grünschnabelfaktor: Der VfB hat den mit durchschnittlich knapp 23 Jahren jüngsten Kader der Bundesliga. Sind da Leistungsschwankungen nicht programmiert?
  • Laufleistung: Wieder belegt das Team mit Platz 14 einen der hinteren Plätze.
  • Schlafmützigkeit: In fünf der sieben Partien musste der VfB früh einem Rückstand hinterherlaufen.
  • Abschlussschwäche: Für die sieben Tore waren insgesamt 92 Versuche notwendig. Mit Augsburg und Bochum haben da nur zwei Klubs eine schwächere Quote.

"Wir waren nicht fokussiert genug, um ein Bundesliga-Spiel zu gewinnen."

Hoffnung macht allein die Zweikampf-Bilanz: In dieser Statistik ist der VfB Stuttgart top. Platz zwei hinter den Bayern - ausgerechnet. Und irgendwie passt das nicht so recht ins krisengetrübte Bild.

Weiche Faktoren

"Wir waren nicht fokussiert genug, um ein Bundesliga-Spiel zu gewinnen", sagte Trainer Pellegrino Matarazzo nach der 1:3-Heimniederlage gegen Eintracht Frankfurt. Hausaufgaben nicht gemacht oder Offenbarungseid? Der frustrierte VfB-Fan kann es sich an dieser Stelle aussuchen. Fehlt es da zuweilen etwa an einer gewissen Sieger-Mentalität? 2022 hat der VfB Stuttgart schließlich gerade mal drei (!) Bundesliga-Spiele gewinnen können. Wo sind zudem die markanten Köpfe in der Mannschaft? Seit dem Abgang von Sasa Kalajdzic fehlt nicht nur ein Torjäger, sondern auch das Gesicht des Teams. Und überhaupt: Wann strahlt der Verein neben dem Platz endlich mal dauerhaft souveräne Ruhe aus? Nach dem Streit zwischen Claus Vogt und Thomas Hitzlsperger jüngst diese unnötige Unpässlichkeit in der Kommunikation zwischen Alexander Wehrle und Sven Mislintat wegen der Verpflichtung von Sami Khedira und Philipp Lahm als Berater sowie Christian Gentner als Leiter der Lizenzspieler-Abteilung.

Quo vadis VfB?

Die Mannschaft braucht sehr dringend wieder das Gefühl, wie sich ein souverän herausgespielter Sieg anfühlt. Nächste Chance dafür wäre am 1. Oktober beim Vorletzten VfL Wolfsburg. Dafür ist aber Voraussetzung, dass das Trainer-Team es schafft, dass die Mannschaft an diesem und jedem weiteren Spieltag mit einem absoluten Siegeswillen aufläuft und auch hungrig bleibt, sollte es mal in Führung gehen. Gepaart mit einer gewissen Konzentration von Anpfiff an sollten sich in Zukunft auch die frühen Gegentore vermeiden bzw. reduzieren lassen. Im besten Fall speist sich dann aus einem gesteigerten Fokus auf das Wesentliche eine erhöhte Zielstrebigkeit in der Offensive, um auf Dauer die magere Torquote auszubauen.

"Uns ist bewusst, dass wir mehr Konstanz und Qualität brauchen", sagte unlängst Chefcoach Matarazzo. Es ist noch früh in der Saison. Deshalb bleibt zu hoffen, dass es dem Trainer-Team gelingt, diesen Mangel an Konstanz und Qualität zeitnah aus dem aktuellen Kader heraus zu beheben.

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Thomas Bareiß

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