Da war noch alles in Ordnung: Das Präsidum Vogt, Mutschler und Gaiser (Foto: Imago, Sportfoto Rudel)

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Neue Eskalation: Vogt will Mitgliederversammlung verschieben, Präsidium stellt sich dagegen

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Nächste Volte im Machtkampf beim VfB Stuttgart: Präsident Claus Vogt hat in einem offenen Brief angekündigt, die förmlich notwendige Einberufung zur digitalen Mitgliederversammlung am 18. März nicht vorzunehmen. Das Präsidium reagierte und machte die Spaltung öffentlich.

Vogt schrieb auf der VfB-Website an die Mitglieder des Klubs: "Meine Person, als Präsident des VfB Stuttgart 1893 e.V., wird im Interesse des Vereins und seiner Mitglieder die zur Durchführung der digitalen Mitgliederversammlung förmlich notwendige Einberufung zum 18.03.2021 nicht vornehmen." Und weiter: "Es bestehen berechtigte Interessen der Mitglieder, dass die Versammlung weder in der beabsichtigten Form als rein digitale Veranstaltung, noch zu dem beabsichtigten Termin bereits am 18.03.2021 stattfindet."

Stattdessen solle die geplante nächste turnusmäßige Veranstaltung genutzt werden, so Vogt weiter: "Natürlich ist uns allen bewusst, dass im März kein anderes Format als eine digitale Mitgliederversammlung zur Verfügung stünde. Dies kann aber im Spätsommer bereits anders sein. Hierauf hoffen wir alle und Prognosen renommierter Virologen geben Anlass dazu, jedenfalls eine Teilpräsenz als realistisch anzusehen, wenn am 05.09.2021 die bereits angekündigte nächste Mitgliederversammlung stattfindet."

Vogt stellt sich gegen Präsidiumskollegen

Vogt stellt sich damit auch gegen seine Kollegen im Vereinspräsidium, Bernd Gaiser und Rainer Mutschler. Er müsse "hier aber meine Verantwortung als Präsident und meine Aufgabe nach unserer Satzung im Sinne der Vereinsinteressen wahrnehmen und kann deren Interessenlagen dabei nicht berücksichtigen".

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Stellungnahme von Gaiser und Mutschler: Vogt würde gegen Satzung verstoßen

Mittwochabend folgte dann eine Stellungnahme von den Präsidiumsmitgliedern Bernd Gaiser und Rainer Mutschler. Claus könne die Mitgliederversammlung nicht eigenmächtig verschieben, "ohne gegen die Satzung zu verstoßen". Das Präsidium habe "am 2. November 2020 einstimmig einen Beschluss zur Durchführung der nachzuholenden Mitgliederversammlung 2020 am 18. März 2021 gefasst". Zudem sei ein "Fortdauern des aktuellen Zustandes bis September" gegenüber dem Verein nicht zumutbar. Der VfB Stuttgart brauche Klarheit, wer den Verein als Präsident in den nächsten vier Jahren führen soll. "Nur so kann wieder Einigkeit und Befriedung herbeigeführt werden."

Gaiser und Mutschler weisen Vorwürfe zurück

Vogt ging in seinem Schreiben auch auf die "Datenaffäre" ein. Dabei wies er darauf hin, dass "die Überprüfung durch die Esecon-Gruppe sowohl in unserem Verein als auch in unserer Tochtergesellschaft nicht von allen angesprochenen Personen konsequent und schnellstmöglich unterstützt worden sind." Auch darauf reagierten die Präsidiumskollegen. Zwar werde man "auf die Vielzahl der in der persönlichen Erklärung des Präsidenten enthaltenen Unterstellungen und Anschuldigungen nicht weiter eingehen", doch "alles, was im Zusammenhang mit der Aufklärung der Datenschutzaffäre gegen das Präsidium ins Feld geführt wird" weisen Gaiser und Mutschler ausdrücklich zurück. Zudem wurde erstmals ein konkretes Datum genannt, an dem der Abschlussbericht der Aufklärungsarbeit vom beauftragten Gutachter Esecon erscheinen soll. Er soll am 1. Februar 2021 vorgelegt werden.

Aufsichtsratssitzung einberufen

Der amtierende Präsident brachte im Zusammenhang mit dieser Thematik auch die Rolle des Mitgesellschafters, die Daimler AG, ins Spiel. Es sei zu erwarten, schreibt Vogt, dass sich das Unternehmen intern mit der Berichterstattung zum "Umgang mit Daten in seiner Tochtergesellschaft" befassen wolle, "um dort festgestellte mögliche Abweichungen [zu] im Daimler-Konzern gesetzten Verhaltensrichtlinien intern abzugleichen". Über diese Passage soll sich Wilfried Porth, Mitglied des VfB-Aufsichtsrats und Personalvorstand bei der Daimler AG, enorm aufgeregt haben. Spontan wurde deshalb nach SWR-Informationen eine außerordentliche Sitzung des Aufsichtsrats einberufen.

Riss im Präsidium - schon vor Datenaffäre

Am Ende der Mitteilung machten Gaiser und Mutschler noch einmal die Gräben im Präsidium deutlich. "Der mit der heutigen Erklärung des Präsidenten und dieser Stellungnahme erkennbare Riss im Präsidium bezieht sich nicht nur auf die Vorbereitung der nächsten Mitgliederversammlung. Der Dissens zwischen Claus Vogt auf der einen Seite und den beiden Präsidiumsmitgliedern Dr. Bernd Gaiser und Rainer Mutschler auf der anderen Seite besteht zu zahlreichen Themen seit geraumer Zeit – auch schon deutlich vor dem Aufkommen der Datenaffäre im vergangenen Oktober."

Wahl war eigentlich bereits für 2020 geplant

Der VfB-Vorstandsvorsitzende Thomas Hitzlsperger hatte vor wenigen Wochen angekündigt, bei der ursprünglich für den 18. März 2021 geplanten Mitgliederversammlung selbst für das Präsidentschaftsamt kandidieren zu wollen. Der 38-Jährige hatte sich damit offen gegen Vogt gestellt und zudem massive Vorwürfe gegen den aktuellen Präsidenten erhoben. Daraus resultierte in den letzten Wochen ein in der Öffentlichkeit ausgetragener Machtkampf.

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Für die Präsidentschaftswahl hatte sich neben dem aktuellen Amtsinhaber Vogt und Hitzlsperger noch der Unternehmer Volker Zeh beworben. Zudem gab der Vereinsbeirat jüngst bekannt, sich selbst noch nach weiteren potenziellen Kandidaten umzusehen. Die Wahl war eigentlich bereits für letztes Jahr geplant. Wegen der Coronavirus-Pandemie wurde sie dann aber auf den 18. März verschobenen.

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