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Der Machtkampf beim VfB Stuttgart wirft viele Fragen auf. In der Fernsehsendung SWR Sport in Baden-Württemberg haben zwei Journalisten und ein Blogger die Situation analysiert und bewertet. Hier ihre wichtigsten Aussagen.

SWR-Sportreporter Jens Ottmann über den offenen Brief von Thomas Hitzlsperger

"Der große Fehler von Thomas Hitzlsperger war es, diesen Brief so zu schreiben, wie er geschrieben worden ist. Er war viel zu persönlich, zu kritisch. Er hat den Präsidenten zu stark angegriffen. Ich glaube, dass Thomas Hitzlsperger in den letzten Wochen einfach der Kragen geplatzt ist. Er hat mit dem Präsidenten so viel negative Dinge erlebt. Das passiert in vielen anderen Unternehmen auch. Eine Alpha-Person sitzt da und dann kommt eine neue dazu und die vertragen sich nicht. Und dann hat Thomas Hitzlsperger irgendwann gesagt, mir reicht es, ich kann es nicht mehr, so wie es läuft, und deswegen dieser Brief. Der, und das will ich ganz stark betonen, in seiner Art und in seiner Form völlig ungerechtfertigt war.

Ich glaube, dass Thomas Hitzlsperger mittlerweile genau weiß, was er für einen Fehler gemacht hat. Er würde diesen Brief wahrscheinlich so nie wieder schreiben. Was mich wundert: Über den Inhalt dieses Briefes, über die Vorwürfe, wird kaum gesprochen. Es wird nur über die Schärfe gesprochen, aber wenig über die Inhalte."

Jens Ottmann über die Beweggründe von Hitzlsperger, für das Amt des Präsidenten zu kandidieren

"Das ist jetzt der Versuch, der weitere Versuch von Thomas Hitzlsperger - wenn man böse sein möchte, kann man sagen -, den Herrn Vogt mehr oder weniger aus dem Verein zu drängen. Ich glaube, es waren viele Kleinigkeiten, in die er sich eingemischt hat, und Thomas Hitzlsperger der Meinung ist, dass es nicht sein Beritt ist, sondern ‚das ist unser Ding‘. Das waren, glaube ich, die Hauptgründe."

Oliver Trust, freier Sportjournalist, über den offenen Brief von Hitzlsperger

"Die Geschichte wirkt von langer Hand vorbereitet. Thomas Hitzlsperger hat seine Unterlagen schon Mitte Dezember eingereicht. Er hat wohl auch irgendwann damit gerechnet, dass die Sache rauskommt, aber nicht, dass sie so früh rauskommt. Dass die Sache von langer Hand geplant und vorbereitet war, mache ich daran fest, dass im Grunde zwei Stunden, nachdem der SWR gemeldet hat, dass Thomas Hitzlsperger seinen Hut bei der Präsidentschaftswahl in den Ring wirft, dieser Brief da war. Hitzlsperger ist ein erfahrener Fußballprofi gewesen, der Länderspiele hatte, der im Ausland gespielt hat und der auch einen großen Beraterkreis um sich hat. Deswegen fällt es mir ein bisschen schwer zu glauben, dass er nicht wusste, was er da tut."

Oliver Trust über die Schlammschlacht in der VfB-Klubführung

"Was mich bei der ganzen Sache wundert, ist, wie fahrlässig der Verein mit dem Vertrauen seiner Mitglieder umgeht. Wie er sein massives Glaubwürdigkeitsproblem ignoriert, dass man mit so einem Ding durch die kalte Küche kommt. Zuerst haben ja viele gedacht, der Cannstatter Kindergarten macht eine Aufführung. Dann kam immer mehr das Gefühl auf, da ist die 'Sektion Neckar der Illuminati‘ mit ihrer Hinterzimmer-Politik am Werk, inklusive der üblichen Drohungen, die so ein bisschen eine erpresserische Note im Abgang haben. Das heißt, zu sagen: ‚Der Verein steht vor dem Zerfall.‘ Wie oft haben wir das schon gehört in den letzten Jahren - immer wieder."

Oliver Trust über die Rolle von Claus Vogt

"Der Mann ist ja gewählt als Präsident des VfB Stuttgart. In diesem Amt hat er eine Kontrollfunktion. Ich weiß nicht, ob man ihn falsch eingeschätzt hat von VfB-Seite, dass man dachte, man kann ihn vielleicht leichter beeinflussen. Es gibt auch viele Geschichten, dass die Ausübung dieser Kontrollfunktion, dieses ständige Nachfragen bei bestimmten Dingen, einige Herren doch etwas geärgert hat."

Ron Merz, Blogger und Vorsitzender des VfB-Fanclubs "OFC1893", über den Machtkampf beim VfB Stuttgart

"Ich glaube, Thomas Hitzlsperger hat mit dem, was er da angestoßen hat, dem VfB tatsächlich geschadet. Ich könnte mir aber durchaus auch vorstellen, dass es noch einen Weg raus gibt. Ein Punkt dabei muss auf jeden Fall sein, dass er seine Kandidatur zurückziehen muss. Für mich kommt dazu auch noch, dass das Verhältnis zu Claus Vogt definitiv geradegerückt werden muss. Zum Beispiel durch eine Entschuldigung. Alles andere, die fachlichen Themen, sollen sie intern besprechen, aber diese zwei Punkte wären schon notwendig, um wieder ein gewisses Vertrauen herzustellen."

Ron Merz über seinen Antrag auf Satzungsänderung, den er beim VfB hinterlegt hat:

"Mir geht es in der Hauptsache eigentlich darum, dass ein Defizit behoben wird, eines von mehreren Defiziten, die damals während der Ausgliederung nicht wirklich definiert wurden. Und zwar, dass jemand ein Amt im e.V., genauer gesagt im Präsidium oder Vereinsbeirat haben kann, und gleichzeitig parallel in der AG eine Tätigkeit ausführt. Weil wir damit zum einen Interessenskonflikte vorprogrammiert haben. Zum anderen würden wir mit dem Antrag auch eine saubere Trennung zwischen e.V. und AG hinbekommen. Nicht zuletzt ist es auch so, dass natürlich die Stellung von uns Mitgliedern damit auch gestärkt wird, weil natürlich ein Präsidium, das völlig unabhängig entscheiden kann, auch uns Mitglieder gegenüber der AG bestmöglichst vertreten kann."

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