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Was denkt der "normale" Fußballfan über die Fadenkreuz-Plakate und Transparente mit Schmähungen gegen Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp? SWR-Sport hat mit Joachim Schmid, 1. Vorsitzende des VfB Stuttgart-Fanclubs RWS Berkheim, gesprochen.

Herr Schmid was ist Ihnen denn, angesichts der Vorfälle am vergangenen Wochenende, durch den Kopf gegangen?

"Diese konzertierte Aktion hat mich schon überrascht. Aber das war sicher nicht die richtige Aktion, um sich ins Bewusstsein zu bringen. Um seine Meinung kund zu tun, braucht man keine einzelne Person anzugreifen. Man könnte ja auch Plakate gegen Pauschalstrafen aufhängen."

Wie beurteilen Sie denn den Sachverhalt, dass Dietmar Hopp seit Jahren solchen Angriffen ausgesetzt ist?

"Am Anfang hat mich das auch ein bisschen gestört, dass man da so einen kleinen Verein nach oben bringt mit viel, viel Geld. Aber der Herr Hopp hat sich da zurückgezogen. Er ist halt nur noch der Geldgeber und gleicht das Minus aus. Aber man sieht, es wird ja nicht mehr das große Geld investiert in Hoffenheim, sonst würden sie ja nicht gegen den FC Bayern 0:6 verlieren."

Ist so eine Kollektivstrafe ein sinnvolles Instrument?

"Nein. Aber ich weiß auch nicht, wie man einzelne Täter greifen kann. Aber es sind ja auch in der Regel nicht Einzelne. Man kann ja solche Plakate nicht alleine machen."

Wie ist es mit Stadionverboten, wenn man glasklar einen Einzeltäter identifiziert hat?

"Stadionverbote sind auch so ein Problem. Man kann sehr schnell ein Stadionverbot bekommen: Wenn man sich zum Beispiel mit einem Ordner anlegt oder wenn man außerhalb des Stadions nur einen Fanschal trägt und in eine Situation gerät wie bei uns im Heimspiel gegen den KSC. Aber wenn man exakt Einen hat, der sich nicht an die Regeln hält, dann soll der dabei sein."

Der ein oder andere Fan-Experte hofft auf einen Selbstreinigungsprozess ohne Kollektivstrafen und Stadionverbote. Ist diese Hoffnung berechtigt?

"Bei den großen Vereinen ist das fast nicht möglich. Es wird immer das Beispiel gebracht mit Münster gegen Würzburg. Da hat ein Einzelner rassistische Rufe gemacht und die drum herum haben ihn dann identifiziert. Aber das war wahrscheinlich in einem Bereich, wo keine Gruppendynamik vorhanden war."

Was halten Sie denn vom Drei-Stufen-Plan des DFB?

"Der Drei-Stufen-Plan ist ein Schwachsinn. Wenn man schon so etwas macht, sollte es zweistufig sein, weil man reizt dann das Thema aus. Es war ja eigentlich überall eine zweite Unterbrechung, bei der dritten haben sie dann nicht mehr mitgemacht. Wenn jetzt der FC Bayern trotz 6:0-Führung null Punkte hat und Hoffenheim bekommt die Punkte zugesprochen, dann bin ich skeptisch, ob es dann Ruhe geben wird. Und wenn die ganze Zeit Spiele abgebrochen werden, dann hat man ja auch keine Freude am Fußball."

Es wird auch diskutiert, dass die Vereine ganz genau schauen müssen, wer Karten bekommt ...

"Das kann nicht im Interesse eines Fanclubs sein, wenn die Karten personalisiert werden. Wenn man, so wie unser Fanclub, fast zu jedem Spiel einen Bus einsetzt, da weiß ich zum Zeitpunkt des Kartenkaufs nicht, wer dann letztendlich im Bus mitfährt. Die Leute melden sich nach und nach an. Bei personalisierten Karten müsste ich sechs bis acht Wochen im voraus wissen, wer mit von der Partie ist."

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