Der VfB Stuttgart hat mit dem roten Brustring eines der markantesten Trikots im deutschen Profifußball. (Foto: IMAGO, Arnulf Hettrich)

Fußball | Meinung

Wo ist die Identität des VfB Stuttgart?

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AUTOR/IN
Thomas Bareiß

Schon wieder Tabellenkeller. Dem VfB Stuttgart droht der dritte Abstieg in sieben Jahren. Sind die einst schillernden Schwaben nur noch eine graue Maus? Ja, meint SWR Sport-Redakteur Thomas Bareiß, weil kaum ersichtlich ist, wofür der VfB eigentlich steht.

Wofür steht der VfB Stuttgart im Jahr 2022? Können Sie mir da mit einer Idee aushelfen? Denn für mich ist die gewisse VfB-Identität über die Jahre immer mehr verblasst.

Wer sind die zukünftigen Vereins-Legenden?

Die Identität eines Vereins, wird für mich in erster Linie über die handelnden Menschen und ihre Leistung geschaffen. Je länger die Personen im Verein agieren, desto nachhaltiger der Eindruck. Am eindringlichsten geschieht das weniger über die Funktionäre (Ausnahme "MV") als über die Spieler: "Hansi", "Wasen-Karle", "der Treter mit dem Engelsgesicht", "Klinsi" oder "Diego". Jeder VfB-Fan um die 50 weiß, wer zu welchem Spitznamen gehört. Alle sind sie ausnahmslos Vereins-Legenden.

In den folgenden Jahrzehnten gab es immerhin noch "Bala", "Zvoni", "Fredi", "Cacau", die Mitglieder der "jungen Wilden" und nicht zu vergessen: die "Legente". Und sonst so in den letzten zehn Jahren? Die Spieler mit Legenden-Potential sind rar geworden - sehr rar.

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Fußball | Meinung Hohe Identifikation trotz Talfahrt: Der VfB Stuttgart sollte seinen Weg weitergehen

Der VfB Stuttgart steht schon wieder im Tabellenkeller der Bundesliga, der dritte Abstieg in sieben Jahren droht. Sind die Schwaben mittlerweile nur noch eine graue Maus und ein Fahrstuhlteam? Für SWR-Sportredakteur Johann Schicklinski ist eine Entwicklung sichtbar, die für Identifikation sorgt.  mehr...

VfB Stuttgart 2022 - nur eine Durchgangs-Station!

Sasa Kalajdzic hätte für mich das Zeug zu einer VfB-Legende gehabt. Seine Leistung und sein Schmäh - bei dem Österreicher hat, bis auf seine Verletzungsanfälligkeit, vieles gepasst. Aber sein Karriere-Plan sah anderes vor.

Dieses Beispiel veranschaulicht recht deutlich: Der VfB Stuttgart dieser Tage ist mehr oder weniger ein Durchlauferhitzer für Karriere-Kicker. Eine funktionierende, über mehrere Jahre eingespielte und immer wieder punktuell verbesserte Achse wurde nicht etabliert.

Frage an alle "Nicht-Dunkelroten" auf neutralem Boden, zum Beispiel auf der Stuttgarter Königsstraße: Nennen Sie mindestens drei Spieler, die am letzten Spieltag in Wolfsburg in der Anfangsformation des VfB standen. Ich bin mir relativ sicher, dass nur sehr wenige Passanten die Namen zusammengekratzt hätten. Das Fass mit den Spielern aus dem eigenen Stall unter der ersten Elf wollen wir an dieser Stelle gar nicht erst aufmachen.

Kontinuität = bessere Leistung = mehr Erfolg!

Natürlich schafft auch die Art und Weise, wie eine Mannschaft Fußball spielt, Identität. Aber da die meisten Klubs heutzutage, "attraktiv nach vorne spielen" wollen, verschwimmt dieses Alleinstellungsmerkmal ein wenig. Nur beim FC Bayern München nicht. Da wo die sind, ist nämlich meistens ganz vorne. Und Erfolg ist, wenn man so will, sogar der beste "Identitätsstifter".

Um die Wahrscheinlichkeit auf mehr Erfolg dauerhaft zu erhöhen, muss es der VfB Stuttgart schaffen, die berühmten "Unterschiedsspieler" länger als eine oder zwei Spielzeiten an sich zu binden. Und da der Profi-Fußball ein internationales Business ist, ist auch klar, dass diese Spieler nicht zwangsweise aus Walddorfhäslach oder aus Geislingen kommen müssen.

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AUTOR/IN
Thomas Bareiß

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