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Aufsteiger gegen Rekordmeister: Am Samstag empfängt der VfB Stuttgart den FC Bayern München zum "Südgipfel". Die Voraussetzungen sind ähnlich wie in der Saison 1977/78. SWR Sport blickt zurück.

Elf Punkte aus acht Spielen bedeuten aktuell Rang acht für den VfB Stuttgart. Die Bilanz des Aufsteigers kann sich durchaus sehen lassen, doch nun kommt der Tabellenführer aus München in die Stuttgarter Arena. Ein echter Härtetest für die junge VfB-Mannschaft.

Unter ähnlichen Voraussetzungen empfingen die Schwaben die Bayern auch in der Saison 1977/78. Damals war der VfB mit einer jungen Mannschaft soeben in die Bundesliga aufgestiegen. Am ersten Spieltag kam der große FC Bayern ins Neckarstadion. Doch anders als heute durchlebten die erfolgsverwöhnten Münchner damals eine kleinere Schwächephase. Die Saison 1976/77 schlossen sie lediglich auf Rang sieben ab.

Für Hansi Müller war es "ein absolutes Highlight"

Für den damals 20-jährigen Hansi Müller war das Spiel gegen die Bayern trotzdem ein großartiges Erlebnis: "Drei Jahre zuvor, 1974, sind wir (Deutschland, Anm. d. Red.) Weltmeister geworden und ich saß gemeinsam mit meinem Vater vor dem frisch gekauften Farbfernseher und jubelte meinen 'Heroes' zu: Sepp Maier, Gerd Müller, Uli Hoeneß. Und drei Jahre später stehst du an der Mittellinie aufgereiht vor 71.000 Zuschauern mit diesen 'Heroes' und spielst gegen die. Also das war damals schon ein absolutes Highlight für mich."

Hansi Müller und Markus Elmer bringen den VfB in Führung

Es war das erste Bundesligaspiel für den jungen Hansi Müller - und was für eins. Nach 17 Minuten wurde VfB-Stürmer Dieter Hoeneß von Bayerns Peter Gruber im Strafraum gefoult. Der Schiedsrichter pfiff, es gab Elfmeter für Stuttgart. Hansi Müller schnappte sich den Ball und platzierte ihn auf dem weißen Punkt, elf Meter entfernt von seinem "Hero" Sepp Maier. Ottmar Hitzfeld und Hermann Ohlicher waren zu diesem Zeitpunkt schon deutlich erfahrener, überließen Müller aber den Ball mit den Worten: "Hansi, du machst das schon." Entschlossen nagelte er das Leder in die rechte Ecke des Tores - keine Abwehrchance für Maier im Kasten der Bayern. "Ich habe nicht lange überlegt und das Ding einfach reingehauen", sagt der heute 63-jährige Müller rückblickend über sein erstes Bundesligator.

Der VfB dominierte das Spiel und konnte die Führung in der 33. Minute sogar ausbauen. Linksverteidiger Markus Elmer zog aus rund 25 Metern ab, der Ball rutschte unter Torhüter Sepp Maier hindurch ins Tor. Ein Schuss, der durchaus haltbar gewesen sei, denkt Hansi Müller. Trotzdem war er froh über die Zwei-Tore-Führung: "Das war natürlich ein Glücksfall für uns, dass wir 2:0 führen gegen die Bayern, weil wir wussten, dass die noch einiges zu bieten haben", so Müller.

Zu bieten hatten die Bayern unter anderem Gerd Müller. Der damals 32-Jährige hält bis heute den Rekord von 365 erzielten Bundesligatoren. Auch im Spiel gegen den VfB Stuttgart stellte er seine Torjägerqualitäten unter Beweis. Auf das 2:1 in der 36. Minute durch Norbert Janzon ließ Gerd Müller in der 43. Minute das 2:2 folgen. Nach einem Zuspiel von Peter Gruber drehte sich Gerd Müller geschickt um VfB-Verteidiger Karlheinz Förster und ließ dann auch Helmut Roleder im Tor der Schwaben keine Möglichkeit, an den Ball zu kommen. "Das war mein erstes Bundesligaspiel und ich habe nie wieder gegen so einen Stürmer gespielt, der aus dem Nichts ein Tor machen kann", sagte Karlheinz Förster zuletzt bei SWR Sport über den "Bomber der Nation".

Karlheinz Förster (links) und Hansi Müller in der Saison 197778, im Trikot des VfB Stuttgart. (Foto: Imago, imago images / Sportfoto Rudel)
Karlheinz Förster (links) und Hansi Müller (beide VfB Stuttgart) in der Saison 1977/78. Imago imago images / Sportfoto Rudel

Müller schlägt erneut zu - auf beiden Seiten

In der zweiten Hälfte stand dann zunächst wieder Stuttgarts Müller im Fokus. Nach einem Foulspiel von Bayerns Jupp Kapellmann an Hermann Ohlicher entschied der Schiedsrichter erneut auf Strafstoß. Wieder trat Hansi Müller an, wieder war Sepp Maier geschlagen.

Den Schlusspunkt in dieser spektakulären Bundesligapartie setze allerdings wieder Münchens Müller. Rummenigges Schuss landete am Stuttgarter Pfosten, Gerd Müller schlich sich an Karlheinz Förster vorbei und staubte in der 89. Minute zum 3:3-Ausgleich ab.

Lehrreiches Spiel für Karlheinz Förster

"Da konnte man dem Karlheinz keine Schuld geben, der hat ein super Spiel gemacht gegen Gerd Müller", sagt Hansi Müller mit Blick auf den späten Ausgleichstreffer. Für Verteidiger Karlheinz Förster war es ein sehr lehrreiches Spiel, das ihm auch im weiteren Verlauf seiner Karriere geholfen hat: "Ich glaube es war ganz wichtig, dass man gleich am Anfang - wenn man nach oben will - eine richtige Reifeprüfung hat. Daraus sollte man dann lernen, weil als junger Spieler machst du immer auch mal Fehler, und ich glaube das ist mir ganz gut gelungen."

Karlheinz Förster und Gerd Müller haben ihre Fußballschuhe schon lange an den Nagel gehängt. Und trotzdem könnte es am Samstag wieder Förster gegen Müller heißen. Nämlich dann, wenn Bayerns Thomas Müller auf Stuttgarts Philipp Förster trifft.

Karlheinz Förster: "Man muss auf den Platz gehen und auch gegen Bayern München gewinnen wollen"

Die 103. Bundesliga-Begegnung zwischen Stuttgart und Bayern ist für die junge Matarazzo-Truppe eine große Herausforderung. Karlheinz Förster sieht die VfB-Mannschaft allerdings nicht ohne Chance: "Es wird sicherlich ein schwieriges Spiel werden. Aber es ist alles möglich im Fußball und natürlich darfst du dir gegen Bayern keine Fehler erlauben. Denn die haben so viele gute Spieler in der Mannschaft, die natürlich Spiele entscheiden können, auch wenn Kimmich nicht spielt."

Wichtig ist aus seiner Sicht vor allem, dass man mit der richtigen Einstellung auf den Platz geht: "Ich meine, wir sind früher ja auch nicht immer Favorit gewesen und man muss auf den Platz gehen und auch gegen Bayern München gewinnen wollen. Man hat ja gesehen: Werder Bremen hat jetzt einen Punkt geholt in München, und die junge Mannschaft ist gut drauf."

Übrigens: Am Ende der Saison 1977/78 stand der VfB Stuttgart sogar vor dem FC Bayern München in der Tabelle. Stuttgart wurde Vierter, während die Bayern nur auf Rang zwölf landeten. Unwahrscheinlich, dass das am Ende dieser Saison wieder so sein wird, doch wie sagte Karlheinz Förster so schön: "Im Fußball ist alles möglich."

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