Sami Khedira, Philipp Lahm und Christian Gentner (Foto: IMAGO, Imago Beautiful Sports)

Fußball | Meinung

Khedira, Lahm und Gentner - beginnt beim VfB das "Gebruddel"?

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Günther Schroth

Die Stimmung beim VfB Stuttgart könnte kippen, die Expertenrunde auch gegen Sven Mislintat instrumentalisiert werden, meint SWR-Sportreporter Günther Schroth.

Stell Dir vor, es ist Mitgliederversammlung beim VfB und keiner mault. Oder "bruddelt", wie das im Schwäbischen heißt. Man muss eine Mitgliederversammlung erstmal so hinkriegen, wie Alexander Wehrle das hingekriegt hat: Annähernd geräuschlos nämlich. Da geht er hin, der Vorstandsvorsitzende des VfB Stuttgart, verpflichtet ziemlich eigenmächtig und völlig überraschend zwei Weltmeister, dazu einen zweifachen deutschen Meister, und es gibt keinerlei Gemecker. Beim VfB Stuttgart wurde eine kleine Revolution verkündet - und die 575 versammelten Mitglieder nahmen das ohne große Aufregung zur Kenntnis.

Enorm große Fußball-Expertise

Mit Sami Khedira, Philipp Lahm und Christian Gentner kommt jetzt ohne Frage enorme zusätzliche Fußball-Expertise in den Verein. Man kann das als großartige Verstärkung betrachten - und so will man das beim VfB auch verstanden wissen. Es stellt sich aber auch die Frage: was, wenn die Herren Experten jetzt zu unterschiedlichen Meinungen kommen? Und was, wenn sich diese Meinungen nicht mit denen von Trainer Pellegrino Matarazzo und Sportdirektor Sven Mislintat decken? Deswegen macht auch die Vermutung Sinn, dass sich der Vorstandsvorsitzende Alexander Wehrle, der beim VfB mit wachsendem Machtbewusstsein auftritt, für eventuelle Auseinandersetzungen mit Mislintat wappnet. Schließlich muss er mit dem jetzt über dessen Vertragsverlängerung verhandeln. Und das ist nicht so einfach, denn Mislintat gilt in der Öffentlichkeit als Garant für das fußballerische Überleben des VfB - vor allem durch eine gelungene Kaderplanung. Er kauft gut ein - und wenn plötzlich einer geht, wie zuletzt Sasa Kalajdzic, hat er eine schnelle Antwort, wie jetzt mit Serhou Guirassy.

Zu viel Raum für Spekulationen

Dennoch scheint Mislintat offensichtlich in keiner Weise in die Verpflichtung der Expertenrunde einbezogen worden zu sein. Auch bei der Pressekonferenz der drei Neuen war er nicht auf dem Podium zu sehen. Zu sehen waren da Präsident Claus Vogt und Alexander Wehrle, in den Fan-Foren auch gerne mit "VW" abgekürzt. Dieser gemeinsame Auftritt von Vogt und Wehrle lässt für mich aber viel zu viel Raum für Spekulationen.

Denn deswegen fängt unter den Fans jetzt das Nachdenken an. Wird da die Absetzung von Sven Mislintat vorbereitet? Will Alexander Wehrle Druck machen in den Vertragsgesprächen mit Sven Mislintat? Der Zeitpunkt, die Verpflichtung der Dreierrunde zu verkünden, war von "VW" ja eigentlich schlau gewählt: Gleich nach dem Bayern-Spiel und der zu erwartenden Niederlage hätte man die "rettende" Nachricht verkündet. Bloß blöd, dass die Stuttgarter mit dem 2:2 mit einem Erfolgserlebnis zurückkehren aus München, unter den Anhängern derzeit also große Zufriedenheit herrscht.

Die Stimmung aber, so fürchte ich, könnte jetzt wieder kippen, auch wenn Wehrle ("Entspannt euch") ostentativ zur Gelassenheit aufruft. "Das ist deren Show, nicht meine" wird Sven Mislintat in der "Bild"-Zeitung aus den hinteren Reihen der Pressekonferenz zitiert. Sportlich läuft es gerade gar nicht mal schlecht für die Stuttgarter - dafür fängt jetzt das Vereins-typische schwäbische Gebruddel wieder an. Und das hat dem VfB noch nie gutgetan.

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Günther Schroth

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