Bruno Labbadias Bilanz: zwei Remis aus zwei Spielen mit dem VfB Stuttgart (Foto: IMAGO, IMAGO / imagebroker)

Fußball | Bundesliga

Auch ohne Sieg: Die VfB-Mutmacher unter Bruno Labbadia

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Michael Bollenbacher

Zwei Spiele, kein Sieg: Auch unter Rückkehrer Bruno Labbadia fehlt dem VfB Stuttgart bislang der Befreiungsschlag im Abstiegskampf. Und doch gibt es unter dem 56-Jährigen einige Mutmacher zu beobachten.

VfB-Pessimisten würden jetzt sagen: das alte Lied, die alte Leier, die altbekannten Probleme. Schon wieder! Wie etwa in Bremen oder beim VfL Wolfsburg späte Gegentore, die wichtige Punkte kosten. Der VfB hat nichts gelernt.

Seit 410 Tagen ohne Auswärtssieg

Und ja: Quälend lange 18 Gastspiele, oder drastischer ausgedrückt, 410 (!) Tage, warten die Stuttgarter inzwischen auf einen Bundesliga-Auswärtssieg. Schon wieder eine Führung nicht über die Zeit gebracht. Egal, ob der Trainer Labbadia oder Matarazzo heißt - es geht nicht vorwärts, mag sich der ein oder andere VfB-Fan denken. Und doch gibt es nach dem Last-Minute-Schock in Hoffenheim (2:2) inklusive kuriosem Ahamada-Platzverweis ein paar Erkenntnisse, aus denen der VfB Stuttgart für die kommenden Partien Mut schöpfen dürfte.

Fitness und Kampf scheinen zu stimmen

Ein Blick auf die nackten Zahlen zeigt: Labbadias Fokus auf Fitness und Laufwerte schlägt sich in diesen bislang nicht nieder. Gegen Mainz lief der VfB sechs Kilometer weniger, in Hoffenheim spulten die Schwaben fünf Kilometer weniger ab als der Gegner. Und dennoch verwischt die blanke Statistik zumindest den subjektiven Eindruck. Der zeigt eine Mannschaft, die in beiden Partien unter Labbadia bis zum Ende Gas gab. War es gegen Mainz die Großchance von Josha Vagnoman, waren es in Hoffenheim womöglich die Unterzahl und ein Geniestreich, die Stuttgart den Sieg raubten.

Und dennoch: Waldemar Anton spulte 36 Sprints auf seiner rechten Seite ab - Bestwert auf dem Platz. Zudem überzeugte Dinos Mavropanos trotz blutender Wunde als Turban-Turbo mit schnellen Läufen, unermüdlichem Einsatz und 70 Prozent Zweikampfquote. Auch in Sachen Körperlichkeit hatte der VfB in den ersten beiden Partien unter Labbadia einiges entgegenzusetzen. Gegen Mainz entschieden die Schwaben 55 Prozent der Zweikämpfe für sich, gegen Hoffenheim 56.

Endo und Guirassy als Lebensversicherung

Zweifellos ein starkes Spiel mit kleinen Konzentrationsschwächen gegen Spielende zeigte in Hoffenheim mal wieder Kapitän Wataru Endo. Der unermüdliche Antreiber des VfB-Spiels gewann fast 80 Prozent seiner Zweikämpfe, erzielte gegen Hoffenheim den 2:1-Führungstreffer und legte gegen Mainz Serhou Guirassy im Fallen das 1:0 auf. Endo ist trotz Mammutprogramm samt WM in starker Form, fungiert weiter als Herzstück und Lebensversicherung des VfB-Spiels.

Die zweite Lebensversicherung heißt Serhou Guirassy. Der Mann aus Guinea, von Ex-Sportdirektor Sven Mislintat auf den letzten Drücker im Sommertransferfenster verpflichtet, benötigte null Anlaufzeit und hat inzwischen sechs Tore auf seinem Konto. Guirassy traf in vier der letzten sechs Bundesligaspiele und beeindruckt mit großer Nervenstärke: Gegen Mainz spitzelte er den Ball elegant per Außenrist ins Netz, gegen Hoffenheim drosch er den Ball kompromisslos unters Tordach.

Auch die Einwechslung von Stürmer Juan Perea macht (endlich) Lust auf mehr. Trotz einiger falscher Entscheidungen samt haarsträubenden Fehlpass beschäftigte der Kolumbianer Hoffenheims Defensive, rieb sich auf und empfahl sich für die Jokerrolle.

Moral und Wille: Die Köpfe bleiben oben

Was ebenfalls auffällt in den beiden Partien unter Labbadia als VfB-Coach: Die Stuttgarter lassen sich durch Rückschläge nicht schocken. Die Köpfe bleiben oben, die Moral ist intakt. Nach dem prompten Rückschlag nach verschenkter Führung gegen Mainz spielten die Schwaben in der zweiten Hälfte auf Sieg, waren die aktivere Mannschaft. Auch gegen Hoffenheim pressten die Schwaben hoch, ließen der TSG dadurch wenig Luft zum Atmen. Ein 0:1 drehten die VfB-Akteure inklusive sehenswerter Angriffe in ein 2:1, der Wille und die Lust das Spiel für sich zu entscheiden, war deutlich zu erkennen. Einzig das Ergebnis ließ - wie so oft in der Vergangenheit - zu wünschen übrig.

Die Krux: Die Gegner werden nicht leichter, die Partien nicht weniger bedeutend. Nach der Hinrunde steht Stuttgart mit einem Punkt weniger als letzte Saison da. Auf die Reise zu formstarken Leipzigern am Freitag (20:30 Uhr) folgt in der Bundesliga zuhause die eigentliche Pflichtaufgabe Bremen, dann heißen die Gegner Freiburg (A), Köln (H) und Schalke (A). Zwischendurch könnte der VfB kommenden Dienstag in Paderborn den DFB-Pokal-Viertelfinaleinzug klarmachen, um sich so frisches Selbstvertrauen holen. Denn das braucht es zweifellos - positive Ansätze hin oder her.

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