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Seit einem Jahr ist Pellegrino Matarazzo Cheftrainer beim VfB Stuttgart. Nach dem Bundesliga-Aufstieg entwickelte er die Mannschaft weiter und etablierte sie im Oberhaus. Eine beeindruckende Bilanz.

Pellegrino Wer? Als Pellegrino Matarazzo am 30. Dezember 2019 zum neuen VfB-Trainer ernannt wurde, trauten viele Anhänger des Vereins ihren Ohren nicht. Kaum jemand kannte den US-Italiener, der bis dato lediglich in Hoffenheim als Co-Trainer von Julian Nagelsmann Profiluft schnuppern konnte. Ein studierter Mathematiker, der auf der Position des Cheftrainers bislang wenig Erfahrung hatte, sollte den VfB Stuttgart wieder in die Bundesliga zurückführen.

Starker Start: 13 Punkte aus fünf Spielen

Ein großes Risiko, das die Schwaben eingingen, da schon Vorgänger Tim Walter über wenig Erfahrung im Profibereich verfügte und letztlich einen Tag vor Weihnachten entlassen worden war. Sportvorstand Thomas Hitzlsperger aber war angetan von den Fähigkeiten des 43-jährigen Matarazzo: "Wir haben in den Gesprächen mit ihm festgestellt, dass er von außen sehr viel Einblick in unsere Mannschaft hat. Seine Erklärungen und Ansätze haben uns überzeugt."

Bei seinem Amtsantritt erläuterte Matarazzo seine Spielidee: "Wir wollen dominant und spielbestimmend auftreten und einen mutigen, offensiven Fußball spielen." Die Spieler setzten seine Wünsche um. In den ersten fünf Zweitligaspielen unter seiner Regie holte der VfB vier Siege und ein Unentschieden. Die Aufstiegseuphorie bekam allerdings einen Dämpfer, als die Mannschaft in den folgenden vier Spielen lediglich einen Punkt holte.

Der Aufstieg: Ziel erfüllt, wenn auch nicht immer souverän

Am 27. Mai 2020, einen Tag vor dem richtungsweisenden Duell gegen den Hamburger SV, setzten die Schwaben dann ein Zeichen und verlängerten den Vertrag mit ihrem Coach vorzeitig um ein weiteres Jahr bis 2022. Das Vertrauen zahlte sich aus, der VfB gewann das Spiel nach zwischenzeitlichem Rückstand noch mit 3:2. Der Aufstieg schien wieder in greifbarer Nähe. Drei Spieltage später gab es aber den nächsten Rückschlag. Die Stuttgarter verloren das baden-württembergische Duell beim Karlsruher SC mit 1:2 und drohten den Anschluss im Aufstiegsrennen zu verlieren.

In der Folge zeigte sich allerdings die taktische Klasse des Trainers. Er stellte seine Abwehr von einer Vierer- auf eine Dreierkette um und feierte gegen den SV Sandhausen (5:1) und den 1. FC Nürnberg (6:0) zwei Kantersiege mit einer beeindruckenden Offensiv-Power. Auch die 1:3-Niederlage am letzten Spieltag gegen den SV Darmstadt änderte nichts mehr daran, dass der VfB Stuttgart als Tabellenzweiter ins Fußball-Oberhaus zurückkehrte.

Pellegrino Matarazzo (links) jubelt mit Marc-Oliver Kempf (rechts) über den Aufstieg in die Bundesliga (Foto: Imago, imago images / Jan Huebner)
Pellegrino Matarazzo (links) jubelt mit Marc-Oliver Kempf (rechts) über den Aufstieg in die Bundesliga Imago imago images / Jan Huebner

Trotz des erfolgreichen Saisonendspurts ist die Zweitliga-Blianz des US-Italieners durchwachsen. In 16 Spielen erreichte Matarazzo mit acht Siegen, drei Unentschieden und fünf Niederlagen einen Punkteschnitt von 1,69. Vorgänger Tim Walter hatte es in 18 Spielen auf einen Schnitt von 1,72 Punkten pro Spiel gebracht.

Leistung schlägt Erfahrung

Nach dem Aufstieg wappnete sich der VfB Stuttgart für die Bundesliga. Matarazzo formte ein junges und hungriges Team, in dem für den etablierten Holger Badstuber kein Platz mehr war. Der Coach begründete die Entscheidung mit einer einfachen Formel: "Erfahrung ist nicht gleich Leistung." Die Entscheidung hatte rein sportliche Gründe und unterstrich die Autorität Matarazzos.

Auch in der Bundesliga setzte der 43-Jährige wieder auf seine Dreierkette. Im ersten Saisonspiel kassierte der VfB allerdings eine 2:3-Heimniederlage gegen den SC Freiburg. Doch der ehemalige Hoffenheimer blieb seiner Linie treu und wurde schon im nächsten Spiel belohnt. Beim 4:1-Sieg über den 1. FSV Mainz 05 kamen die offensiven Stärken der Schwaben zum Vorschein. Auch in den nächsten Spielen überzeugte der VfB durch einen offensiven Powerfußball. Spieler wie Silas Wamangituka, Tanguy Coulibaly, Orel Mangala oder auch Mateo Klimowicz machten unter Matarazzo den nächsten Entwicklungsschritt.

Erster Ritterschlag: Dortmund verneigt sich

Den vorläufigen Höhepunkt feierte Matarazzo mit seiner Mannschaft beim 5:1-Erfolg bei Borussia Dortmund am 11. Spieltag. Die Stuttgarter spielten die Dortmunder phasenweise an die Wand, wofür sie selbst vom Gegner Lob bekamen. "Wie die Tore gefallen sind, das war kein Zufall", meinte BVB-Kapitän Marco Reus anerkennend. Er geriet nach dem Spiel regelrecht ins Schwärmen, wenn er über den Spielstil der Stuttgarter sprach: "Sie waren aggressiv und standen sehr kompakt. Bei Ballverlust haben sie direkt umgeschaltet. Sie haben vorne super zusammengespielt."

Die Reifeprüfung Bundesliga hat der VfB-Trainer bislang mit Bravour bestanden. Nach 13 Spieltagen steht sein Team mit 18 Punkten auf einem nicht erwartbaren siebten Tabellenplatz. Im DFB-Pokal erreichten die Schwaben zudem durch einen 1:0-Erfolg über den SC Freiburg das Achtelfinale.

Am kommenden Samstag (20:30 Uhr) hat Matarazzo mit seiner Mannschaft die nächste Möglichkeit, diese Erfolgsgeschichte fortzuschreiben. Da trifft es sich gut, dass an diesem Tag sein einstiger Lehrmeister aus Hoffenheim, Julian Nagelsmann, mit RB Leipzig anreist.

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