Trainer Pellegrino Matarazzo (Mitte) und der VfB Stuttgart sind aktuell das beste Auswärtsteam der Bundesliga (Foto: imago images, Eibner)

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Bestes Auswärtsteam der Liga: Die zwei Gesichter des VfB Stuttgart

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Nach dem 4:1 beim FC Augsburg ist der VfB Stuttgart das beste Auswärtsteam der Liga und sorgt mit den "neuen Jungen Wilden" weiter für Furore. Kaum zu glauben, dass der Aufsteiger dabei noch auf den ersten Heimsieg wartet. Trainer Pellegrino Matarazzo macht einen ungewöhnlichen Vorschlag.

17 Punkte aus acht Auswärtsspielen, sensationelle 21:9 Tore - der VfB Stuttgart ist als Aufsteiger auf fremden Plätzen in dieser Saison bisher besser als Topklubs wie Leverkusen, Dortmund oder die Bayern. Auch in Augsburg zeigten die Schwaben eine nahezu perfekte Auswärtsvorstellung. Am Ende hieß es 4:1 für die "neuen Jungen Wilden'" um Silas Wamangituka, Mateo Klimowicz und Co. - ein Ergebnis, das sich einreiht in Resultate wie das 5:1 beim BVB oder das 4:1 bei Mainz 05.

In der Stuttgarter Arena noch ohne Sieg

Die Kehrseite der Medaille allerdings: Zuhause ist Stuttgart das drittschlechteste Team. In sieben Heimspielen gelangen vier Remis, drei Mal verlor man. Nur im DFB-Pokal gelang im baden-württembergischen Duell mit dem SC Freiburg ein Erfolg (1:0). Doch wie lässt sich diese Diskrepanz erklären?

"Vielleicht sollten wir auch einen Tag vor den Heimspielen ins Hotel gehen"

Das weiß auch Pellegrino Matarazzo nicht. Nach dem Spiel in Augsburg wurde der US-Amerikaner darauf angesprochen. In Ermangelung einer Erklärung scherzte der Trainer, möglicherweise liege es an den Übernachtungsgewohnheiten seiner Mannschaft. Der einzige Unterschied bestehe darin, so der 43-Jährige, dass man auswärts im Hotel übernachte. "Vielleicht sollten wir überlegen, ob wir auch einen Tag vor den Heimspielen ins Hotel gehen. Vielleicht tut uns das gut", sagte er schmunzelnd, um dann wieder ernster zu werden: "Aktuell habe ich keine Erklärung dafür."

Aufgrund der Corona-Pandemie finden die Spiele aktuell ohne Fans statt, hier könnte man eine Kausalität vermuten. Die Zuschauer fehlen sowohl als Einpeitscher im eigenen Stadion als auch zur Einschüchterung der Gegner. Statistisch gibt es seitdem mehr Auswärtssiege in der Bundesliga. Doch auch das überzeugt Matarazzo nicht als Argument. Darauf angesprochen antwortete er: "Falls es einen Zusammenhang gibt, kenne ich ihn noch nicht."

Eine Erklärung für den Stuttgarter Auswärtssieg fällt indes leicht. Zielstrebigkeit, Tempo und Umschaltspiel waren auf Top-Niveau. Bei diesen Komponenten gehört der VfB zur erweiterten Bundesliga-Spitze, während es ihm gegen tiefer stehende Gegner in der heimischen Arena oft schwerer fällt, Räume zu bekommen und dadurch Chancen zu kreieren. Das könnte ein Erklärungsansatz sein. Auswärts sehen sich die Stuttgarter nicht dazu verpflichtet, das Spiel zu machen, sie können abwarten. Und kontern.

Doch das war für Matarazzo nebensächlich. Wichtig war ihm der Sieg in Augsburg, nachdem der VfB zuletzt zwei Pleiten in Serie kassierte und dabei kein Tor erzielen konnte (gegen Wolfsburg und Leipzig).

Nicolas Gonzalez trumpft groß auf

Auch für einzelne Spieler war das Augsburg-Spiel wichtig, so zum Beispiel Nicolas Gonzalez. Der argentinische Angreifer hatte zuletzt gewirkt, als wolle er mit dem Kopf durch die Wand und Erfolgserlebnisse erzwingen. Nun zeigte er eine Gala-Vorstellung inklusive Elfmetertor und traumhaften Assist.

"Man hat schon das Gefühl gehabt, dass er sich befreien konnte", sagte Matarazzo über den 22-jährigen Nationalspieler. Der bei Strafstößen traumwandlerisch sichere Gonzalez erzielte mit einem Foulelfmeter (Klimowicz war gefoult worden) die Führung für die Schwaben, bereitete das 3:1 durch Gonzalo Castro vor und machte zwischendrin auch mit einem Lupfer und einem Fallrückzieher auf sich aufmerksam. Der "kicker" kürte ihn anschließend zum "Spieler des Spiels". "Ich bin zufrieden mit seiner Leistung", resümierte Matarazzo.

Gregor Kobel: "Ein geiles Spiel"

Zufrieden waren auch die Teamkollegen von Gonzalez. "Wir haben ein gutes Spiel gezeigt, das Spaß gemacht hat", sagte Verteidiger Waldemar Anton: "Wir haben die Räume gut gefunden, haben gut kombiniert und waren giftig sowie bissig in den Zweikämpfen, so dass wir verdient gewonnen haben, wenn wir vielleicht auch noch ein Tor hätten mehr machen können." Keeper Gregor Kobel pflichtete ihm bei: "Es war ein geiler Auftritt von der Mannschaft, eine solide Leistung. Es war ein wichtiges Spiel, auch für die nächste Zeit."

Denn der VfB darf den Blick wieder nach oben richten. Zehnter mit 21 Punkten und 30 Toren aus 15 Spielen - das ist aller Ehren wert. Dann spielt es auch nur eine untergeordnete Rolle, wo die Punkte geholt werden. Denn die Gründe für die Auswärtsstärke können Matarazzo im Endeffekt auch egal sein.

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Wichtiger dürfte für ihn sein, dass die Mannschaft trotz des Machtkampfs zwischen Vorstandschef Thomas Hitzlsperger und Präsident Claus Vogt zu Topleistungen imstande ist. "Mein Fokus liegt auf meinem Team und dem Sport", betonte Matarazzo nach der Partie in Augsburg. Der Sieg tue gut und verleihe weiter eine "breite Brust".

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