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Es sah lange nach einem Abschied aus, jetzt stehen die Zeichen bei Daniel Didavi auf Vertragverlängerung. Der 31-Jährige ist einer der letzten seiner Art, das weiß auch der VfB Stuttgart.

Die 61. Spielminute in der Mercedes-Benz Arena. Es ist ein hitziges Fußballspiel. Die Ränge des Stadions sind zwar leer, doch der Geräuschpegel auf dem Rasen ist laut, die Kommandos der Spieler sind deutlich zu hören.

Die Nummer zehn der Heimmannschaft wird eingewechselt. Weiße Schuhe, Stutzen knapp über dem Schienbeinschoner, entschlossener Gesichtsausdruck. Daniel Didavi. In den folgenden 29 Minuten ist er an allen Offensivaktionen des VfB beteiligt. Technisch anspruchsvoll verarbeitet er schwierige Anspiele, kreiert mit überlegten Pässen Torraumszenen für seine Mitspieler und erzielt beinahe per Fallrückzieher ein Traumtor.

In der 78. Minute krönt er seine Leistung und schließt einen Konter abgeklärt zum zwischenzeitlichen 2:2 Ausgleich ab. Technik, Passsicherheit und Abschlussstärke kombiniert mit Spielintelligenz. Der Auftritt am vergangenen Wochenende gegen Borussia Dortmund ist eine Demonstration seiner fußballerischen Qualität.

Ein Künstler, auf und neben dem Platz

Der 31-Jährige ist einer der letzten seiner Art. Einer, der seinen Instinkten vertraut. Ein Künstler eben, auf und neben dem Platz. Extravaganter Haarschnitt, ausgefallenener Modegeschmack, sichtbare Kreuzkette um den Hals.

Die vielen Verletzungen und das zunehmende Alter sind nicht spurlos an ihm vorbeigegangen. In dieser Saison stand er lediglich am ersten Spieltag über die kompletten 90 Minuten auf dem Platz, in den letzten zehn Spielen zudem nur einmal in der Startelf. Vier Tore sowie vier Vorlagen sind trotz der überschaubaren Spielzeiten zwar ein ordentliches Arbeitszeugnis, aber eine dünne Bewerbung für eine Verlängerung des am Saisonende auslaufenden Vertrags.

Vertragsverlängerung steht bevor

Doch durch den Abgang von Kapitän Gonzalo Castro könnte es jetzt zu einer solchen Vertragsverlängerung kommen. VfB-Sportdirektor Sven Mislintat hatte keinen Hehl daraus gemacht, nur mit einem der beiden Routiniers am Ende der laufenden Spielzeit verlängern zu wollen.

Zuerst sprach die Tendenz jedoch klar für Gonzalo Castro. Der Mittelfeldmann wurde vor der Saison zum Kapitän bestimmt und ist eine feste Größe in der laufenden Spielzeit. Doch der Verein verzichtete auf ein Angebot, wohl auch weil in einem Vorgespräch die finanziellen Rahmenbedingungen nicht geklärt werden konnten.

"Dida ist mit Sicherheit einer, der dieses Jahr seine Rolle erfüllt hat, auch wenn er nicht immer auf dem Platz steht".

VfB-Trainer Matarazzo mit Didavi zufrieden

Jetzt spricht viel für eine Verlängerung von Didavi. Doch ein klares Bekenntnis konnte man aus den Aussagen von VfB-Trainer Pellegrino Matarrazo vor dem anstehenden Bundesligaspiel bei Union Berlin nicht erkennen. Für ihn sei die Entscheidung rund um die beiden Personalien keine Frage von "entweder, oder", sondern es sei wichtig, Spieler im Kader zu haben, die gewisse Situationen im Profifußball einordnen können.

Weiter sagte er: "Wer das bei uns sein kann wird sich zeigen, aber Dida ist mit Sicherheit einer, der dieses Jahr seine Rolle erfüllt, auch wenn er nicht immer auf dem Platz steht. Wir sind mit ihm weiterhin im Gespräch".

Didavi wohl bereit zu finanziellen Abstrichen

Der aktuelle Vertrag von Didavi hätte sich in dieser Saison automatisch zu gleichen Konditionen um ein Jahr verlängert, wenn er in mindestens 25 Saisonspielen auf dem Platz gestanden hätte. Allerdings kann Didavi die vereinbarte Mindestanzahl an Spielen nicht mehr erfüllen, mittlerweile ist die Klausel verstrichen, dadurch sah eigentlich alles nach Abschied aus.

Doch laut einem Bericht der "Stuttgarter Zeitung" sei der 31-Jährige bereit, in dem möglichen neuen Kontrakt finanzielle Abstriche zu machen. Aufgrund der großen Verletzungsanfälligkeit des Spielmachers wird das neue Arbeitspapier wohl deutlich leistungsbezogener werden, damit scheint Didavi einverstanden zu sein.

Einer der letzten "klassischen Zehner"

Dennoch, rein sportlich, könnte der VfB einen Abgang von Didavi verkraften. In zu vielen Spielen in dieser Saison konnte der Mittelfeldmann dem Spiel keinen entscheidenden Impuls geben. Zudem ist Didavi einer der letzten "klassischen Zehner". Sein Spielstil ist in der Bundesliga mittlerweile überholt.

Auch sein Körper streikt immer wieder. Seit seiner Rückkehr 2018 hat er noch in keiner Saison in der Liga mehr als 20 Spiele absolviert. In dieser Saison stand er lediglich am ersten Spieltag über die kompletten 90 Minuten auf dem Platz, in den letzten zehn Spielen zudem nur einmal in der Startelf.

Identifikationfigur auf und neben dem Platz

Didavi kommt aus Nürtingen, wechselte bereits in seinem siebten Lebensjahr zum VfB. Er durchlief die Jugend, schaffte den Sprung zu den Profis und verließ die Schwaben in seiner gesamten Karriere nur für kurze Zeit (Leihe nach Nürnberg, zwei Jahre in Wolfsburg).

Der 31-Jährige ist eine Identifikationsfigur auf und neben dem Platz. Im aktuellen Kader ist er der Einzige mit regelmäßigen Einsatzzeiten, der aus der eigenen Jugend stammt. Das dürfte ihm im Vergleich zu Gonzalo Castro den entscheidenden Vorteil gebracht haben.

VfB-Sportdirektor Sven Mislintat äußerte sich in einer digitalen Medienrunde im Vergleich zu Pellegrino Matarazzo wesentlich optimistischer: "Daniel ist unser Junge, unser Akademiespieler. Ich bin da wirklich zuversichtlich, dass wir das hinbekommen".

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