Polizeipräsenz vor dem Stadion des VfB Stuttgart (Foto: Imago, imago images / Arnulf Hettrich)

Fußball | Sicherheit Weniger Polizei, weniger Straftaten

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Das Land Baden-Württemberg hat die Polizeipräsenz bei Fußballspielen in den vergangenen drei Jahren deutlich heruntergefahren - und das mit Erfolg. 

Laut Innenministerium waren in der Spielzeit 2018/19 knapp 6.000 Polizisten weniger im Einsatz als noch in der Saison 2016/17. Die Einsatzzeit verringerte sich in diesem Zeitraum um gut 35.000 Stunden, das ist ein Rückgang von rund 20 Prozent.

Zahl der Straftaten geht zurück

Trotz des reduzierten Polizeiaufgebots ging die Zahl der Straftaten bei Fußballspielen in Baden-Württemberg zurück. 2016/17 wurden im Rahmen der Polizeieinsätze in den ersten fünf Ligen 679 Straftaten registriert (bei 317 Spielen insgesamt), in der vergangenen Saison noch 554 (334 Spiele). Die Zahl der Verletzten blieb laut Innenministerium in etwa gleich, im Schnitt gab es alle zwei Spiele einen Verletzten. 

„Wir sind zu dem Schluss gekommen: Fußball ist nicht schlimm“, sagt Uwe Stahlmann. Der Beamte ist im Innenministerium für Polizeieinsätze bei Sportveranstaltungen verantwortlich. Zu „Störungen“, so Stahlmann, käme es nur bei etwa ein bis zwei Prozent der Spiele in Baden-Württemberg. Allerdings sei die öffentliche Wahrnehmung eine andere.

Auf dem Cannstatter Wasen mehr Taten als bei Fußballspielen

Zur Veranschaulichung zieht Stahlmann folgenden Vergleich heran: Während in den Medien im Zusammenhang mit dem Cannstatter Wasen meist von einem ruhigen Fest die Rede sei, rückten beim Fußball negative Vorkommnisse viel mehr in den Vordergrund. Dabei käme es rund um das Stuttgarter Volksfest zu deutlich mehr Straftaten als bei allen in einer Saison von der Polizei begleiteten Fußballspielen, so Stahlmann.

Den Cannstatter Wasen besuchten zuletzt rund 3,5 Millionen Menschen, der Fußball in Baden-Württemberg verzeichnete in den ersten fünf Ligen in der vergangenen Saison gut drei Millionen Stadionbesucher. 

Stadionallianzen gegründet

Zum Umdenken in Sachen Polizeipräsenz bei Fußballspielen kam es auf politischer Ebene vor gut zweieinhalb Jahren. Eine Rolle spielte dabei eine Studie der Fachhochschule Potsdam. Diese kam zu dem Schluss, dass die für die Sicherheit relevanten Gruppen rund um ein Fußballspiel nicht optimal zusammenarbeiteten. Außerdem würden Stadionbesucher und Vereine das Polizeiaufgebot in den meisten Fällen als übertrieben empfinden.

Vom Land Baden-Württemberg wurde daher das Konzept der so genannten Stadionallianzen ins Leben gerufen. Am Tisch sitzen Vertreter von Polizei, Kommunen, Vereinen, Fans und Ordnungsdiensten, die sich regelmäßig zu Lagebesprechungen treffen. Die Treffen sind nicht neu, aber die Beteiligten schenken sich mittlerweile mehr Zeit und vor allem mehr Gehör. 

VfB-Fanbeauftragter sieht Entwicklung positiv

Der Fanbeauftragte des VfB Stuttgart Christian Schmidt spricht „von einem anderen Level“, auf dem gemeinsam diskutiert wird. „Es ist die Bereitschaft da, auf die Sichtweise der anderen einzugehen“, so Schmidt, der von Anfang an in das Konzept der Stadionallianzen eingebunden war. Insgesamt sieht er die Entwicklung positiv. Vor allem die massive Reduzierung des Polizeiaufgebots bei Spielen, die „unterm Radar“ laufen, also die nicht als Risikospiel eingestuft sind, begrüßt Schmidt. 

"Kuschelkurs" bringt bei Problemfans wenig

Verbesserungsbedarf sieht die Polizei beim Umgang mit so genannten Problemfans, von denen viele zu den Ultras gehören. Der Vorsitzende der Polizeigewerkschaft Baden-Württemberg Hans-Jürgen Kirstein sagt, der „Kuschelkurs“ habe das Verhalten der Problemfans nicht verbessert. Er habe eher den Eindruck, einige Ultras würden versuchen die Grenzen immer weiter auszureizen, um zu schauen wie hoch die Toleranz der Polizei sei. Insgesamt aber, so Kirstein, sei das Konzept der Stadionallianzen „grundsätzlich gut“.

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