Rudi Entenmann, VfB Stuttgart (Foto: Imago, imago/Pressefoto Baumann)

Fußball | 2. Bundesliga Fast ins Auge gegangen: Rudi Entenmanns gefährliche Derby-Geschichte

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12. Oktober 1963 - das erste Bundesliga-Derby zwischen dem Karlsruher SC und dem VfB Stuttgart. VfB-Spieler Rudi Entenmann entging dabei nur knapp einer schweren Verletzung.

40.000 Zuschauer sind im Karlsruher Wildparkstadion, schauen das erste Aufeinandertreffen zwischen dem Karlsruher SC und dem VfB Stuttgart in der neu gegründeten Fußball-Bundesliga an. Rudi Entenmann steht mit seinen 23 Jahren in der Startelf, soll über Außen für Furore sorgen.

"Das ganze Trikot war richtig schwarz vorne, von der Explosion."

Rudi Entenmann zu SWR Sport

Heute ist Entenmann etwas älter, genauer gesagt 79. Die Geschichte, die er über dieses Spiel im Herbst 1963 zu erzählen hat, grenzt an Wahnsinn. Er erinnere sich noch genau, versichert er im Gespräch mit SWR Sport. Über Jahre hatte der KSC dominiert. Er und seine Teamkollegen seien immer froh gewesen, wenn man gegen Karlsruhe überhaupt einen Punkt habe mitnehmen können, so Entenmann. Doch im ersten Spiel in der Bundesliga war es anders: "Da waren wir uns sicher, dass wir mindestens ein Unentschieden holen."

Erst die Führung, dann der Knall

Es läuft die 23. Minute. Hans Arnold netzt nach Vorarbeit von Rolf Geiger zum 1:0 für den VfB Stuttgart ein - zentral im Fünfmeterraum der Karlsruher, per Direktabnahme. Auch der zweite Treffer für die Gäste in den weißen Trikots lässt nicht lange auf sich warten. Wieder bereitet Geiger vor und Theodor Hoffmann schießt das 2:0 für die Schwaben.

"Das Spiel lief ganz normal ab. Eins zu null, zwei zu null", sagt Entenmann. Er sei dann kurz vor Wiederanpfiff nach dem zweiten Treffer in Richtung Torschütze Hoffmann gelaufen, um zu gratulieren. Dann raste etwas auf ihn zu. "Das kam urplötzlich aus dem Nichts und zog einen Schweif hinter sich her", verdeutlicht Entenmann. Das ungewisse Etwas traf ihn seitlich links an der Nase. Als das unbekannte Flugobjekt einen Wimpernschlag später auf dem Boden aufkam, explodierte es. "Erst jetzt hatte ich realisiert gehabt, dass es ein Feuerwerkskörper gewesen sein musste", so Entenmann.

Dauer

Der gebürtige Benninger krümmt sich auf dem Boden, hält sich das Gesicht. Schmutzpartikel färben seine weiße Spielkleidung auf der Bauchseite schwarz. Er erhält ein neues Trikot. Nach einer kurzen Unterbrechung wird weitergespielt.

Schmerzen habe er keine gehabt und zu Boden sei er aus "Verwunderung über das was passiert war" gegangen, so Entenmann. Und weiter: "Viel Theater haben wir nicht darum gemacht." Nach 63 Minuten ist das Spiel im Wildparkstadion entschieden, als Dieter Höller das 3:0 für den VfB erzielt. Eine halbe Stunde später ist Schluss.

Von den eigenen Fans beschossen

Entenmann sei es nach dem Raketen-Vorfall egal gewesen, wer das gewesen sein könnte. Erst beim Arzt habe er erfahren, dass das Geschoss von einem VfB-Anhänger von der Tribüne abgefeuert wurde. Wohl aus Freude über die 2:0-Führung, wie er vermutete. "Der hat sich dann beim nächsten Training in Stuttgart persönlich bei mir entschuldigt", verrät Entenmann gegenüber SWR Sport. Von einer Anzeige sah er daher ab. Erst hinterher habe er realisiert, was alles hätte passieren können.

"Das soll eine Warnung an die Leute sein, die Raketen schießen."

Rudi Entenmann im Gespräch mit SWR Sport

Wenn die Rakete eine Zehntelsekunde früher explodiert wäre, hätte das vermutlich schlimme Konsequenzen für Rudi Entenmann gehabt: "Ich hätte mein Augenlicht verlieren können."

Entenmann hat kein Verständnis für Zündler

56 Jahre später hat sich die Diskussion um Pyrotechnik verschärft. "Wie es heute ist, war es früher lange nicht", ist sich Entenmann sicher. Es seien nur ein paar einzelne Fans gewesen, die Raketen schossen, erinnert er sich. Für den ehemaligen VfB-Profi ist es unglaublich, was heute in den Stadien abgeht. "Da meint man ja manchmal, das ganze Stadion brennt."

Was viele der Zündler nicht bedenken, das weiß Rudi Entenmann aus eigener Erfahrung: "Wenn etwas passiert, ist es ganz schlimm. Auch für die eigene Mannschaft, nicht nur für den Gegner."

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