Steht in der Kritik: Wolfgang Dietrich, Präsident des VfB Stuttgart (Foto: Imago, Sportfoto Rudel)

Fußball | 2. Bundesliga Plakat-Aktion gegen VfB-Präsident Dietrich überschreitet eine rote Linie

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Präsident Wolfgang Dietrich vom VfB Stuttgart steht bei vielen Anhängern des schwäbischen Traditionsklubs aus verschiedenen Gründen in der Kritik. Dabei dürfen jedoch Grenzen nicht überschritten werden, kommentiert SWR-Sportredakteur Andreas Wagner.

Wolfgang Dietrich ist gescheitert, keine Frage. Anders als ein Scheitern ist der Wiederabstieg des VfB Stuttgart nicht zu bewerten. Dietrich trägt als Präsident des Mutter-Vereins sowie als Vorsitzender des Aufsichtsrats einen großen Teil der Verantwortung dafür.

Zwei Konsequenzen lassen sich aus diesem Scheitern ziehen: Da ist zum einen der Weg, den Dietrich gehen möchte: Den Klub personell und strukturell neu aufstellen und den Schaden reparieren. Näher gelegen hätte sicher, wenn Dietrich selbst zurückgetreten wäre und den Weg freigemacht hätte für einen kompletten Neuaufbau wie das sein Vorgänger Bernd Wahler vor drei Jahren gemacht hat.

Der Gipfel des Hasses

Absolut nachvollziehbar ist daher, dass es Stimmen gibt, die seinen Rücktritt fordern und auf der Mitgliederversammlung des VfB am Sonntag seine Abwahl herbeiführen wollen. Man mag kritisieren, dass Dietrichs Gegner keine personelle Alternative anzubieten haben. Auch das ist legitim. Was aber gar nicht geht, sind Anfeindungen gegen den Präsidenten, wie sie seit Wochen vor allem im Netz zu lesen sind.

Ein Fall für die Ermittlungsbehörden

Den Gipfel des Hasses erleben wir nun: In der Stadt wurden Plakate aufgehängt, auf denen die Rede davon ist, den VfB-Präsidenten "tieferzulegen". (Anm. d. Red., Text auf dem Plakat: "Den Quattrex-Lügner tieferlegen, Dietrich aus dem Amt entheben") Auch wenn das eine Anspielung auf Dietrichs Tätigkeit beim Bahnprojekt Stuttgart 21 sein soll, nehmen die Macher des Plakats zumindest billigend in Kauf, dass ihr Text als Aufruf zum Mord betrachtet wird. Damit ist die Rote Linie weit überschritten. Die Plakate sind ein Fall für die Ermittlungsbehörden.

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