Tim Walter inmitten seiner Spieler.  (Foto: Imago, imago)

Fußball | 2. Bundesliga Wo steht der neuformierte VfB Stuttgart?

Nach dem Abstieg aus der Bundesliga hat sich der VfB Stuttgart personell neu aufgestellt. Viele Spieler sind gekommen, viele Spieler sind gegangen. Wie sind aktuell die Perspektiven?

Auch wenn`s zäh und unrund lief. Der 1:3-Niederlage beim Schweizer Zweitligisten FC Winterthur zum Trotze, der neue VfB-Trainer sieht sein neuformiertes Team auf gutem Weg. "Wir brauchen frischen Wind, frisches Blut", so Tim Walter in der Schweiz gegenüber SWR Sport, "alle, die Negativerlebnisse mitgemacht haben, wissen, wie schwer es ist die abzuschütteln". Aber, so Walter: "Wir sind auf dem Weg wieder positiv zu denken, das ist harte Arbeit, aber ich bin guter Dinge".

In Winterthur hatte Tim Walter die Rotationsmaschine angeworfen, wechselte zur Pause seine Mannschaft komplett durch. Auch deshalb zeichnet sich nach dem sechsten Testspiel noch kein konkretes Bild einer möglichen Startelf für den Zweitliga-Saisonauftakt in gut zwei Wochen (Freitag, 26. Juli) gegen Hannover 96 ab.

Dauer

Die Torhüterfrage beim VfB Stuttgart

Als relativ offen darf man momentan das Rennen um die Nummer eins im Tor des VfB bezeichnen. Gregor Kobel oder Fabian Bredlow? Einer der beiden jungen Neuzugänge wird gegen Hannover im Kasten stehen. Für Kobel (21) spricht die Erfahrung einer stabilen Rückrunde beim FC Augsburg vergangene Saison. Für Bredlow (24) der Bundesliga-Aufstieg als Stammkeeper vor einem Jahr beim 1.FC Nürnberg. In Winterthur spielten beide jeweils 45 Minuten.

Routinier Jens Grahl (30), dessen Knieverletzung im Trainingslager als harmlos herausstellte, bleibt der Backup für alle Fälle.

Rechtsverteidiger gesetzt - Innenverteidigung top

Als Rechtsverteidiger ist, auch mangels Konkurrenz, Neuzugang Pascal Stenzel (23) gesetzt. Mit der schnellen und offensivstarken Leihgabe vom SC Freiburg sind die Stuttgarter auf dieser Position gut aufgestellt. Gesucht wird nach dem Weggang von Beck und Maffeo aber noch nach einer Alternative.

In der Innenverteidigung besitzt der VfB bekannte Namen und dürfte zumindest nominell für Zweitliga-Verhältnisse top aufgestellt sein. Ex-Nationalspieler Holger Badstuber (30) könnte nach einer enttäuschenden Saison mit seiner Routine zum Abwehrchef werden. Dicke Patzer wie vor dem Tor zum 1:3 in Winterthur aber stellen eine stabile Form des früheren Münchners erneut in Frage. Daneben besitzt Stuttgart mit Marc Oliver Kempf (24) und Timo Baumgartl (23, noch in Urlaub nach der U21-EM) zwei hochtalentierte Spieler, deren Zukunft noch nicht endgültig geklärt scheint. Bleiben sie beim VfB und finden zur Normalform, geht an beiden kein Weg vorbei.

Fußball | 2. Bundesliga VfB Stuttgart: Neuzugänge der Saison 2019/2020

VfB-Neuzugänge 20192020 (Foto: Imago, Imago)
VfB-Neuzugänge 2019/2020 (v.l.n.r.): Atakan Karazor, Leih-Rückkehrer Roberto Massimo, Pascal Stenzel, Trainer Tim Walter, Philipp Klement und Mateo Klimowicz. Es fehlen: Fabian Brelow, Gregor Kobel, Hamadi Al Ghaddioui, Maxime Awoudja, Sasa Kalajdzic und Tanguy Coulibaly Imago Imago Bild in Detailansicht öffnen
Gregor Kobel (21), Torwart, wird von der TSG Hoffenheim bis 2021 ausgeliehen Imago Imago Bild in Detailansicht öffnen
Fabian Bredlow (24), Torwart, kommt für 300.000 Euro vom 1. FC Nürnberg nach Stuttgart und erhält einen Vertrag bis 2022 Imago Imago Bild in Detailansicht öffnen
Pascal Stenzel (23), Rechter Verteidiger, wird bis 2021 vom SC Freiburg ausgeliehen Imago Imago Bild in Detailansicht öffnen
Atakan Karazor (22), Defensives Mittelfeld, kommt für 800.000 Euro von Holstein Kiel und unterzeichnet einen Vertrag bis 2023 Imago Imago Bild in Detailansicht öffnen
Mateo Klimowicz (18), Offensives Mittelfeld, kommt für eine Ablöse von 1,5 Millionen Euro von Instituto AC aus Argentinien und hat den Vertrag bis 2024 unterschrieben Imago Imago Bild in Detailansicht öffnen
Philipp Klement (26), Offensives Mittelfeld, wechselt für 2,5 Millionen Euro vom SC Paderborn bis 2023 nach Stuttgart Imago Imago Bild in Detailansicht öffnen
Hamadi Al Ghaddioui (28), Mittelstürmer, kommt für 300.000 Euro vom SSV Jahn Regensburg und hat einen Vertrag bis 2021 Imago Imago Bild in Detailansicht öffnen
Sasa Kalajdzic wechselte von Admira Wacker Mödling zum VfB und unterschrieb einen Vertrag bis 2023. Der Stürmer soll rund 2,5 Millionen Euro gekostet haben. Leider verletzte sich der Angreifer im Test gegen den SC Freiburg schwer im Knie und fehlt den Schwaben jetzt für sechs bis acht Monate. Imago DeFodi Bild in Detailansicht öffnen
Maxime Awoudja ist Innenverteidiger. Der 21-Jährige wechselt aus der U23 des FC Bayern zum Bundesliga-Absteiger und bekommt dort einen Vertrag bis Sommer 2022 Imago Pressefoto Baumann Bild in Detailansicht öffnen
Tanguy Coulibaly (18), Linksaußen, kommt ablösefrei aus der U19 von Paris Saint-Germain und unterschreibt einen Vertrag bis 2023 Imago Imago Bild in Detailansicht öffnen

Ein stabiler Innenverteidiger ist auch der zuletzt an Düsseldorf ausgeliehene Pole Marcin Kaminski (27), den die Fortuna nach den gezeigten Leistungen gerne weiter am Rhein beschäftigen würde. Bislang aber haben beide Vereine noch keinen Konsens gefunden.

Mit Neuzugang Maxime Awoudja (21, vom FC Bayern II) bietet sich dem VfB in der Abwehr eine ebenso hochtalentierte wie interessante Alternative. Das gilt auch für den U19-Kapitän Luca Mack, der mit Passsicherheit überzeugt und in der Vorbereitung viel Spielzeit erhielt. Mack ist aber auch auf anderen Defensivpositionen denkbar. Dasselbe gilt für den U19-Kollegen Antonis Aidonis (18).

Als Linksverteidiger bieten sich Trainer Tim Walter gleich mehrere Alternative. Mit dem etablierten Argentinier Emiliano Insua (30) konkurrieren David Grözinger (20, aus der U23), der in der Vorbereitung erstaunlich gut mitspielte, und der letztjährige Millioneneinkauf Borna Sosa (21). Der Kroate will endlich durchstarten, wurde zuletzt im Trainingslager aber von einer Knöchelverletzung ausgebremst.

Offene Fragen im Mittelfeld des VfB Stuttgart

Nach den ersten Eindrücken der Vorbereitung und aufgrund ihres Könnens sollten die erfahrenen Gonzalo Castro (32, Interimskapitän) als Aufbauspieler und Daniel Didavi (29) als Mann für den finalen Pass entscheidende Rollen spielen. Dasselbe gilt für den jungen "Abräumer" Santiago Ascacibar (22) auf der Sechser-Position...falls nicht doch noch ein anderer Club viel Geld für den Argentinier auf den Tisch legt. Daneben darf man auf die Entwicklung des von Tim Walter aus Kiel hochgeschätzten Neuzugangs Atakan Karazor (22) und des Belgiers Orel Mangala (21, zurück vom HSV) gespannt sein.

Noch keine Akzente konnte bislang Philipp Klement (26) setzen. Der 16-fache Zweitliga-Torschütze vom SC Paderborn ärgert sich seit Wochen über eine hartnäckige Muskelverletzung.

Der aus Bielefeld zurückgekehrte Roberto Massimo (18) könnte zur Alternative auf den offensiven Außenpositionen werden. Chadrac Akolo (24), könnte den VfB wie zuletzt schon Erik Thommy (nach Düsseldorf) noch verlassen.

Viele Alternativen im Sturm beim VfB Stuttgart

Im Angriff besitzt der neuformierte VfB die meisten Alternativen. Alle Augen richten sich zunächst auf Mario Gomez (34). Der Top-Star im VfB-Kader signalisierte nach dem Abstieg als Erster, dass er für die Mission Wiederaufstieg zur Verfügung steht. In seinem womöglich letzten VfB-Jahr könnte Gomez mit seiner Wucht zum entscheidenden Spieler im gegnerischen Sechzehner und auch zum "Lehrmeister" für die Jungstürmer der Stuttgarter werden. Dass er seinen Torinstinkt noch nicht verloren hat, zeigte der frühere Nationalstürmer auch mit seinen Treffern in Winterthur und gegen den FC Zürich.

Neben Gomez könnte der hochtalentierte Nicolas Gonzalez (21) zum Trumpf-Ass in der 2. Bundesliga werden. Aber nur, wenn er endlich auch in den Punktspielen so regelmässig trifft wie in der Vorbereitung. Ähnliches gilt für Anastasios Donis (22), für Zweitliga-Verhältnisse ein Ausnahmestürmer. Falls der schnelle Grieche sein Können endlich konstant umsetzt. Und falls er in dieser Transferperiode nicht doch noch zu einem anderen Verein wechselt.

Abwarten muss man, wie schnell sich der neue und baumlange Hoffnungsträger Sasa Kalajdzic (22) in der neuen Umgebung zurechtfindet. Der heißumworbene Wunschstürmer aus Mödling bei Wien spielte zuletzt noch für Österreich bei der U21-EM und soll mittelfristig in die Fußstapfen von Mario Gomez treten. In Winterthur gab er seinen Einstand für den VfB.

Aufgrund seiner Zweitliga-Erfahrung und seiner Torgefährlichkeit könnte auch Neuzugang Hamadi Al Ghaddioui (28, unter anderem zwei Treffer gegen den FC Zürich) zum stabilen Faktor in der Offensive werden. Der Ex-Regensburger (letzte Saison elf Tore) ist mit seiner Größe ein echter Zielspieler.

Daneben zeigen die hochbegabten Mateo Klimowicz (19) aus Argentinien und Tanguy Coulibaly (18 , traf gegen den FC Zürich) aus Frankreich vor allem über außen gute Ansätze. Auch Leon Dajaku (18) aus der Stuttgarter U19 ist ein großes Talent, das den Konkurrenzkampf in der Offensive anheizen möchte.

Stand jetzt bieten sich Tim Walter zahlreiche Alternativen für ein schlagkräftiges Team. Bis zum Wochenende will der VfB-Coach im Schweizer Trainingslager noch hart arbeiten: "Nächste Woche gibt`s zwei freie Tage, bis dahin wollen wir das noch durchziehen", so Stuttgarts Trainer zu SWR Sport. Am Samstag (20.15 Uhr) wird die Trainingslager-Woche mit dem hochkarätigen Test beim vielfachen Schweizer Meister FC Basel abgeschlossen.

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