Tim Walter fiebert sichtbar an der Seitenlinie mit (Foto: Imago, sportfoto rudel)

Fußball | 2. Bundesliga Temperamentvoller Typ: VfB-Trainer Tim Walter

Tim Walter ist seit dieser Saison Trainer des VfB Stuttgart. Bei seinem SWR Sport-Studiobesuch spricht er unter anderem über seine Emotionalität und warum er glaubt, dass es für seine Spieler wichtig sei, "einen Verrückten an der Außenlinie" zu sehen.

Wenn man eines über Tim Walter mit Sicherheit sagen kann, dann, dass sein emotionales Coaching an der Seitenlinie authentisch ist. Der VfB-Trainer hat sich das nicht angeeignet - er war schon immer so. Bereits als Amateurfußballer war "Tim immer gelb-gefährdet. Meistens kurz nach Anpfiff, oder schon beim Anlaufen", lacht sein ehemaliger Mitspieler Thomas Kirch.

Tim Walter - mehrfacher Rekordhalter

Und so ist der temperamentvolle Tim gleich mehrfacher Rekordhalter beim FC Olympia Kirrlach. Bis heute ist der mittlerweile 44-Jährige der Rekordtorschütze der Kirrlacher und gleichzeitig der Rekordhalter was das Sammeln an Gelben Karten betrifft. Doch Tim Walter hat aus seiner eigenen Fußballer-Laufbahn gelernt - wovon seine Spieler heute profitieren: "Ich war als Fußballer schon talentiert, aber sehr emotional. Und so versuche ich meinen Spielern zu vermitteln, wie sie nicht sein sollen."

Unterstützung an der Seitenlinie

Als Trainer hat Tim Walter noch keine Gelbe Karte gesehen, obwohl er seine Emotionalität beibehalten hat. "Ich bin sehr emotional und geradeaus, da lass ich mich auch nicht verbiegen", sagt er im Studiogespräch mit SWR-Moderator Tom Bartels. Vor allem während eines Spiels zeigt er seinen Schützlingen dadurch, dass er sie an der Seitenlinie unterstützt: "Ich will, dass sie spüren, dass ich immer für sie da bin, dass ich immer dabei bin. Dass ich das ganze Spiel so erlebe, wie sie es auch auf dem Spielfeld erleben." Dabei sei ihm wichtig, dass es glaubwürdig ist. "Das bin ich. Das will ich den Jungs auch vermitteln. Es ist ganz wichtig, wenn sie rausgucken – im Stadion hört man nicht immer alles – dass sie dann einen Verrückten an der Außenlinie sehen, der für sie einsteht und für sie brennt."

"Schmaler Grad zwischen Arroganz und Überzeugung"

Neben seiner Emotionalität ist für Tim Walter auch sein selbstbewusstes Auftreten charakteristisch. Und genau so selbstbewusst möchte er seine Mannschaft auch auf dem Platz sehen. "Das versuche ich vorzuleben. Genau das ist mein Job. Das ist ein schmaler Grad zwischen Arroganz und Überzeugung. Aber ich glaube, wer überzeugt ist, von dem was er tut; überzeugt ist, von der Qualität und von der Arbeit, die er macht. Da spielt der Spaß dann auch wieder mit einher."

"Es fehlt uns an Überzeugung"

Dennoch fehlt es seinem Team zuletzt häufig an genau dieser Überzeugung. Über 200 Chancen erspielte sich der VfB in den letzten 13 Spielen, doch die Torstatistik weist nur 20 erzielte Treffer auf. Diese Zahlen belegen, was sich Mittelfeldspieler Philipp Förster nach der erneuten Niederlage am Wochenende gegen Osnabrück eingesteht: "Es fehlt uns an Überzeugung, Tore machen zu wollen." Nachdem die Chancenverwertung bereits vor Wochen als Schwachpunkt ausgemacht wurde, spielt eventuell auch der Kopf irgendwann eine Rolle: "Momentan fehlt uns vielleicht nur das kleine Erfolgserlebnis, um da wieder anzuknüpfen", spekuliert Trainer Tim Walter. "Das ist so eine Sache, wenn du irgendwo hinfährst. Du bist der Favorit, hast eine Vielzahl von Chancen, dem auch gerecht zu werden." Da gehe es vor allem darum, sich richtig darauf einzustellen: "Das muss ich von vorne herein annehmen, was da gleich auf mich zukommt. Damit haben wir vielleicht ein Stück weit ein Problem. Aber ich glaube nicht, dass wir ein Mentalitätsproblem haben."

Wenn Mentalität mit Einsatzbereitschaft, Willen und Überzeugung gleichzusetzen ist, kann man noch etwas mit Sicherheit sagen: Tim Walter wird es seiner Mannschaft an der Seitenlinie weiterhin vorleben.

REDAKTION
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