VfB-Sportdirektor Sven Mislintat (Foto: Imago, Sportfoto Rudel)

Fußball | 2. Bundesliga So will Sven Mislintat den neuen VfB Stuttgart formen

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Am Freitag (20:30 Uhr) startet der VfB Stuttgart gegen Hannover 96 in die 2. Bundesliga. Auch der neue Sportdirektor Sven Mislintat hofft auf einen gelungenen Auftakt.

Schulterlange blonde Haare, kräftiger Vollbart. Sven Mislintat ist schon rein optisch ein kerniger Bursche. "Ein Surfer-Typ," sagt beispielsweise VfB-Trainer Tim Walter und lacht verschmitzt. Sven Mislintat ist aber auch als Gesprächspartner eine markante Erscheinung: Sympathisch, authentisch, aussagekräftig - so jedenfalls präsentierte sich der 46-jährige Westfale bei seinem ersten Auftritt am Sonntag in der Fernsehsendung "SWR Sport". Der neue Sportdirektor des VfB Stuttgart blieb keine Antwort schuldig.

Am liebsten, das wird schnell klar, spricht Sven Mislintat über seine Kern-Kompetenz, den Sport. In der Fußball-Szene wird er gerne als "Diamantenauge" bezeichnet. Unzählige Top-Transfers hat Mislintat vor allem bei Borussia Dortmund eingeleitet und abgeschlossen. Spieler, die sich beim BVB unglaublich gut entwickelt und letztlich vor allem unter Ex-BVB-Trainer Jürgen Klopp auch als erfolgreiches Team prächtig funktioniert haben.

Hitzlsperger: "Mislintat besitzt ein super Netzwerk"

Ähnliche Entwicklungen im Spieler- und Mannschaftsbereich erhofft man sich jetzt auch in Stuttgart vom Taktgeber Mislintat. "Alles was er in Dortmund oder auch London geleistet hat, das hat mich überzeugt, dass er genau die Unterstützung ist, die ich brauche", sagt VfB-Sportvorstand Thomas Hitzlsperger über seinen neuen Partner, "gerade in so einem Sommer, wo es so viele Transfers gibt. Er hat ein super Netzwerk und ist ein hervorragender Typ". Als "sehr vertraulich" lobt auch der neue Trainer Tim Walter "die super Zusammenarbeit".

Das "Diamantenauge" soll's richten, Sven Mislintat den VfB Stuttgart auf dem Spielfeld runderneuern. Vergleiche mit der Arbeit bei seinen früheren Arbeitgebern in Dortmund und London bieten sich aber nicht zwangsläufig an: "Man muss sich auf das konzentrieren, was uns in der jetzigen Situation hilft. Stuttgart hat eine ganz andere Challenge als Borussia Dortmund, wenn man abgestiegen ist," verweist Sven Mislintat auf die völlig unterschiedlichen Ausgangssituationen.

2. Liga statt Champions League

Statt Bundesliga und Champions League, wie in Dortmund, heißt das Betätigungsfeld jetzt eben 2. Bundesliga: "Ich habe versucht, möglichst viel Zweitligafußball zu kucken, wie früher, als ich in Deutschland gearbeitet habe", erzählt Mislintat, "das ist mir aber relativ schnell gelungen. Auch über systematische Datenanalysen." Eine unglaublich wichtige Expertise, schließlich hat der VfB vor der neuen Saison mit beispielsweise Philipp Klement oder Hamadi Al Ghaddioui auch einige Spieler aus der 2. Bundesliga verpflichtet.

Wo sich der Job zu dem in Dortmund unterscheidet

In der Art und Weise des Jobs unterscheide sich die Arbeit in Stuttgart nicht von der in Dortmund, aber: "Im Budget unterscheidet er sich, in der Konkurrenz und im Portfolio der Spieler, die man verpflichten kann und möchte." Will sagen: "Wir müssen einfach in dem Segment, in dem wir uns bewegen, den besten Job machen." Also Spieler holen, die man als VfB Stuttgart in der 2. Bundesliga holen und die man auch bezahlen kann: "Selbst wenn wir einen Dembele oder Jadon Sancho sehen, das sind nicht die Spieler, die wir auf dem Markt attackieren können, um sie zum VfB Stuttgart zu lotsen."

Mislintat fordert offene Kommunikation

Der Entscheidungsprozess beim VfB Stuttgart müsse so aussehen, dass man "eine offene Kommunikation miteinander pflegt. Die beste Idee muss gewinnen, egal ob die der Sportvorstand, der Sportdirektor, der Trainer oder 'Meuschi', unser Zeugwart, hat," zeigt sich Sven Mislintat als absoluter Teamplayer, "es geht einfach darum, dass wir das Beste zu bestimmten Themen in der Gruppe entscheiden". Auch wenn letztlich Thomas Hitzlsperger als Sportvorstand der Boss sei.

Entsprechend fruchtbar, weil kommunikativ, hat Sven Mislintat auch die einstige Zusammenarbeit mit Jürgen Klopp in Dortmund empfunden: "Was mir unheimlich gefallen hat mit Jürgen und der gesamten Gruppe in Dortmund war, die Streitkultur im positiven Sinne zu entwickeln," erinnert sich Sven Mislintat, "über alles sprechen und debattieren zu können, um zu den besten Entscheidungen zu kommen". Hinzu kam, so Mislintat, "dieser Teamspirit".

"Der VfB Stuttgart geht nicht automatisch nach oben"

Keine Frage, Sven Mislintat will mit dem VfB Stuttgart sofort wieder nach oben in die Bundesliga. "Wir wollen aufsteigen", bestätigt Sven Mislintat in der Sendung SWR Sport, "aber wir müssen nicht." Der Sportdirektor weiß: "Es gibt eine sehr große Gruppe von Mannschaften, die dafür in Frage kommt". Da sind nicht nur Stuttgart, Hamburg, Hannover oder Nürnberg, die das mehr oder weniger offen als Ziel ausgeben: "Da gibt es auch noch Heidenheim, das immer wieder mit da oben rein mischt, St.Pauli oder Bielefeld. Es gibt nicht die natürliche Ableitung, der VfB Stuttgart zu sein, geht automatisch nach oben".

Bleibt die Frage nach dem auffallend langen Haupthaar des neuen VfB-Sportdirektors: "Wird Zeit, dass er sich endlich mal die Haare schneiden lässt", fordert mit einem vergnügten Lächeln im Gesicht Tim Walter, der VfB-Coach. Der Mann wird mit seiner Einlassung aber keine Chance haben: "Da dürfen sich nur drei Personen einmischen. Meine zwei Töchter und meine Frau, maximal," antwortet Sven Mislintat dem Coach klar und deutlich, "und selbst die haben Probleme, damit durchzukommen..."

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