Borna Sosa wird nach seinem Zusammenprall erstversorgt (Foto: Imago, imago images/Hartenfelser)

Fußball | VfB Stuttgart Blutend und bewusstlos - Die qualvollen Sekunden des Borna Sosa

18 Sekunden lag Borna Sosa (VfB Stuttgart) blutend und bewusstlos auf dem Rasen - nach einem Crash eines Gegenspielers. 50.000 Fans sahen es; nur der Schiedsrichter nicht.

Freitag Abend. Es läuft die 60. Spielminute der Zweitliga-Partie zwischen dem VfB Stuttgart und dem SV Wehen Wiesbaden. Stuttgarts Defensivspieler Borna Sosa geht auf der linken Seite an Aigner vorbei und läuft in vollem Tempo Richtung Straftraum der Gäste. Sosa legt sich den Ball etwas weit vor. Da kommt Wehens eingewechselter Neuzugang Paterson Chato mit seinem Kampfgewicht von 85 Kilo angerannt. Seine linke Schulter rammt im Kampf um den Ball den Kopf des Kroaten mit voller Wucht.

Während Chato sich kurz an die Wange fasst und weiterläuft, geht Sosa direkt zu Boden und signalisiert sofort, dass er schwer getroffen wurde. Der 21-Jährige blutet am Kopf. Aber das Spiel läuft weiter. Schiedsrichter Johann Pfeifer, mit erst 12 Zweitliga-Einsätzen nicht der Erfahrenste seiner Zunft, hat den schweren Zusammenprall offensichtlich nicht bemerkt und lässt die Partie weiterlaufen. Auch Chato, der mitbekommen haben muss, dass es Sosa heftig erwischt hat, trabt gemütlich an dem verzweifelt winkenden Kroaten vorbei.

Quälend lange 18 Sekunden

Die knapp 50 000 Fans im Stadion beginnen zu pfeifen. Sie alle merken, dass der VfB-Spieler mittlerweile regungslos auf dem Rasen liegt. Sosa ist bewusstlos. Der Einzige, der das nicht mitbekommt, ist offensichtlich der 36-jährige Unparteiische. Auch von Video-Assistent Frank Willenborg, der im Keller in Köln sitzt, kommt offenbar keine Mitteilung Richtung Schiedsrichter. Exakt 18 lange, für Borna Sosa quälend lange Sekunden benötigt Schiri Pfeifer, um das Spiel endlich zu unterbrechen. Erst dann werden VfB-Teamarzt Heiko Striegel und Betreuer Gerhard Wörn zur Erstversorgung auf das Spielfeld gelassen. Wären sie eigenmächtig aufs Feld gerannt, hätten sie eine Gelbe Karte riskiert. Aber was wäre das für eine Lappalie gewesen angesichts des ernsthaften Zustands des verletzten Spielers? Sosa wird erstversorgt, zwei Minuten später wird der Kroate mit der Trage vom Platz gebracht.

"Froh, dass nicht mehr passiert ist"

Anschließend wird Sosa mit einer schweren Gehirnerschütterung ins Krankenhaus gebracht. Dort verbringt er die Nacht zur Beobachtung. Am Samstag Nachmittag kann er die Klinik wieder verlassen. Sosa kann von Glück sagen, dass er sich keine Brüche zugezogen hat. "Ich bin froh, bei Borna nicht mehr passiert ist", sagte Coach Tim Walter am Samstagmorgen ins SWR-Mikrofon.

Schwere Kopfverletzungen bei VfB-Spielern

Wie lange Borna Sosa ausfallen wird, ist unklar. In der Vergangenheit hatten schon andere VfB-Spieler wegen Gehirnerschütterungen für einen längeren Zeitraum pausieren müssen. Timo Baumgartl musste 2018 und 2019 nach Kopfverletzungen mehrere Wochen passen; 2017 hatte des den damaligen Kapitän Christian Gentner schwer erwischt. Neben einer Gehirnerschütterung hatte sich Gentner nach einem Zusammenprall mit Wolfsburgs Keeper Koen Casteels den Augenhöhlenboden, das Nasenbein und den Oberkiefer gebrochen. So schlimm hat es Borna Sosa zum Glück nicht erwischt.

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