Wolfgang Dietrich (Foto: Imago, imago)

Fußball | Kommentar Ohne Dietrich, aber mit Berthold – das ist beim VfB Stuttgart jetzt die Frage

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An diesem Sonntag findet beim VfB Stuttgart die turnusmäßige Mitgliederversammlung statt. Auf der Tagesordnung unter anderem: Der Antrag auf Abwahl des Präsidenten. SWR-Sportreporter Günther Schroth würde am Sonntag zugunsten Wolfgang Dietrichs stimmen. Ein Kommentar.

Es kann keinen großen Spaß machen, derzeit Mitglied beim VfB Stuttgart zu sein. Und trotzdem werden es immer mehr.

Seit dem Abstieg Ende Mai hat der VfB 1.300 Mitglieder dazu gewonnen. An die 70.000 Vereinsangehörige hat der Verein für Bewegungsspiele jetzt. Das ist schon mehr als bemerkenswert, es zeigt, wie sehr man in Stuttgart und Umgebung an diesem Verein hängt.

Aber auch diese 1300 Neuen haben zur Zeit mit einem deutlich begrenzten Spaßfaktor zu leben. Das liegt neben dem Abstieg vor allem an der am Sonntag anstehenden Mitgliederversammlung. Da hat das Präsidium einen zusätzlichen Tagesordnungspunkt aufgenommen: den Antrag auf Abwahl des Präsidenten.

Der Verein hätte den Antrag nicht auf die Tagesordnung setzen müssen

Erstaunlich ist: das hätte man gar nicht tun müssen. Es liegt im Ermessen des Präsidiums, zu entscheiden, was auf die Tagesordnung kommt. Und Wolfgang Dietrich und sein Präsidiumskollege Bernd Gaiser hätten auch die Möglichkeit gehabt, diesen Tagesordnungspunkt schlichtweg nicht zuzulassen. Das hätte zwar schlecht ausgesehen, kommt aber in den besten Vereinen vor.

Dass Wolfgang Dietrich den demokratischen Impuls auf seine Abwahl dennoch ermöglicht, zeigt schon mal, dass er Kritik zulassen kann. Auch wenn er sie nicht teilt, wie man seiner Stellungnahme vor der Mitgliederversammlung entnehmen kann.

Er wehrt sich da gegen die bekannten Vorwürfe: seine früheren geschäftlichen Unternehmungen mit Quattrex, die Vorhaltungen wegen der Entlassung des früheren Sportvorstandes Schindelmeisers und der Verpflichtung Michael Reschkes. Ich persönlich halte das alles für längst vergossene Milch, die eh keiner mehr in die Flasche zurück kriegt. Wäre ich einer der derzeit spaßbefreiten VfB Mitglieder, würde ich am Sonntag zugunsten Dietrichs stimmen.

Keine ernsthafte Alternative steht zur Verfügung

Warum? Weil derzeit keine ernsthafte Alternative zur Verfügung steht, auch wenn sich jetzt kurz vor Toreschluss noch Thomas Berthold für eine Führungsposition ins Gespräch gebracht hat. Weil Dietrich das Rückgrat besitzt, sich ohne Verpflichtung dieser Abstimmung zu stellen. Und weil er als Präsident bereits die Fehler gemacht hat, aus denen andere erst wieder lernen müssten.

Wenn der VfB mit dem Wiederaufstieg wieder zum Spaßverein werden möchte, sollte er sich jetzt keine Führungsquerelen leisten. Die kann man sich aufheben für das Ende der regulären Amtszeit Dietrichs – das ist übrigens schon 2020 so weit. Bis dahin kann auch Thomas Berthold noch an Profil gewinnen.

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