Jürgen Klinsmann vor der VfB Fan-Kurve (Montage) (Foto: Imago, Franke Hoemann/ Sven Simon)

Fußball | 2. Bundesliga Warum Klinsmann für den VfB immer ein offenes Ohr hat

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Nach dem Rücktritt von Präsident Wolfgang Dietrich ist der VfB Stuttgart auf der Suche nach neuem Führungspersonal. Könnte Jürgen Klinsmann für ein Comeback in seiner Heimat in Frage kommen?

Zwischen dem kalifornischen Huntington Beach, dem Wohnort von Jürgen Klinsmann, und seiner Heimatstadt Stuttgart liegen rund 9.500 Kilometer. Eine riesige Distanz, die möglicherweise mit einem einzigen Anruf auf Null gestellt werden könnte: "Wenn ihn jemand vom VfB anruft, geht er immer ans Telefon", sagt sein Berater Roland Eitel gegenüber SWR Sport, "genauso war das in der Vergangenheit auch immer der Fall".

"Der VfB ist für Jürgen ein besonderer Verein"

Der VfB Stuttgart, so Eitel, sei "für Jürgen immer ein besonderer Verein und wird das auch bleiben". Der rote Brustring hat bekanntermaßen für Klinsmann große Bedeutung. 1984 war er als junger Stürmer vom Lokalrivalen Stuttgarter Kickers zu den "Roten" gewechselt, startete beim VfB eine Weltkarriere mit unzähligen Erfolgen. Die Krönung: Der WM-Titel mit Deutschland 1990 in Italien. Mailand, Monaco, Tottenham, München, Genua, später ging`s in die USA. Jürgen Klinsmann wurde als Spieler zum Weltenbummler, zum Ende seiner Spielerkarriere ließ er sich dann mit seiner Familie bei Los Angeles nieder.

Inzwischen sind seine Kinder erwachsen. Und nach seinem Ausscheiden als US-Nationalcoach 2016 ist der 54-Jährige zeitlich völlig unabhängig. Er hat schon in der jüngeren Vergangenheit immer wieder betont, dass er sich auch eine Rückkehr und einen Job in Europa, in Deutschland, in der Bundesliga vorstellen könnte. "Seine Lebenssituation hat sich nicht verändert", betont Berater Eitel. Und wenn es um Stuttgart, um den VfB gehe, sollte auch die 2. Bundesliga kein Problem sein. Nicht nur wegen der räumlichen Nähe zu Mama Klinsmann, die in Stuttgart-Botnang lebt, und zu seinem Sohn Jonathan, der als Torhüter jetzt beim FC St.Gallen spielt.

Schon im Frühjahr, als der VfB Stuttgart vor dem erneuten Abstieg aus der Bundesliga stand, galt Klinsmann als möglicher Kandidat für eine wie auch immer geartete Aufgabe bei den Schwaben. Schon damals hieß es aus seinem Umfeld: "Für den VfB hat Jürgen Klinsmann immer ein offenes Ohr".

Buchwald spricht sich für Klinsmann aus

Auch Guido Buchwald, langjähriger Mannschaftskamerad Klinsmanns, würde eine Rückkehr begrüßen. Der 58-Jährige, der im Februar nach einem Streit aus dem Aufsichtsrat der Schwaben zurückgetreten war, hält sogar eine Zusammenarbeit mit Klinsmann in Stuttgart für möglich. "Mit Jürgen kann ich mir im Fußball alles vorstellen. Wir kennen uns seit Jahren und liegen in ganz vielen Bereichen auf einer Wellenlänge", sagte der VfB-Ehrenspielführer der "Bild".

Klinsmann als Präsident oder Vorstands-Boss?

Bleibt die Frage, für welche Aufgabe ein Jürgen Klinsmann beim VfB Stuttgart im Idealfall in Frage käme. Schließlich ist nach dem Rücktritt von Wolfgang Dietrich am Montag nicht nur die Position des Präsidenten vakant, sondern auch die des Aufsichtsratsvorsitzenden (es sein denn, beide Ämter werden weiter in Personalunion ausgeführt). (Lesen Sie auch: Ämter & Positionen: So geht es nach dem Rücktritt von Wolfgang Dietrich beim VfB Stuttgart weiter)

Daneben ist der Verein seit Wochen auch intensiv auf der Suche nach einem Vorstandsvorsitzenden, den es nach der Ausgliederung und Gründung der AG bisher noch nicht gab. Der aktuelle Vorstand besteht aus Thomas Hitzlsperger (Sport), Stefan Heim (Finanzen) und Jochen Röttgermann (Marketing).

Kretschmann: "Klinsmann als Führungsfigur"

Wer Jürgen Klinsmann kennt, der weiß, dass er, der frühere Bundestrainer, eher ein Gestalter als ein reiner Repräsentant ist. Die Aufgabe als Vorstands-Boss beim VfB Stuttgart würde so gesehen viel besser zum agilen und kreativen Klinsmann passen. Schon gleich nach Wolfgang Dietrichs Rücktritt hatte der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann den Ex-Bundestrainer als künftige Führungsfigur des VfB vorgeschlagen. Der Zweitligist brauche jetzt eine Persönlichkeit mit Fußballkompetenz, schrieb der "Landesvater" auf Facebook. Jemand der von hier kommt, der zusammenführt und hinter dem sich die ganze VfB-Familie versammeln kann." Als VfB-Fan würde ihm da schon jemand einfallen, "den ich letztes Jahr in Kalifornien getroffen habe und der den Brustring im Herzen trägt". Kretschmann spielte dabei auf eine Begegnung mit Klinsmann bei seiner Nordamerika-Reise 2018 an.

9.500 Kilometer sind es von Stuttgart nach Huntington Beach. Spannend bleibt, ob in Stuttgart tatsächlich jemand den Telefonhörer in die Hand nimmt und Klinsmanns Nummer wählt...?

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