Wolfgang Dietrich. (Foto: Imago, imago)

Fußball | 2. Bundesliga Kann sich VfB-Präsident Wolfgang Dietrich im Amt behaupten?

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Am Sonntag (13 Uhr) lädt der VfB Stuttgart zur turnusmäßigen Mitgliederversammlung. Es könnte aber turbulent werden, weil es zahlreiche Anträge zur Abwahl des umstrittenen Präsidenten Wolfgang Dietrich gibt.

Freitagmorgen auf der B14, eine der großen Einfallstraßen in die Stuttgarter City. Auf einer Brücke vor dem Kappelbergtunnel prangt ein großes Banner, für viele Tausend Autofahrer ersichtlich: "Dietrich raus" ist darauf Schwarz auf Weiß zu lesen. Die Gegner des VfB-Präsidenten Wolfgang Dietrich (70) lassen keine Gelegenheit aus, ihre Meinung und ihren Unmut kurz vor der Mitgliederversammlung publikumswirksam kundzutun. Nicht zuletzt der jüngste Abstieg aus der Bundesliga hat den Groll vieler VfB´ler auf Dietrich offensichtlich weiter angestachelt.

Für Ex-VfB-Präsident Erwin Staudt (2003-2011) sind die Anfeindungen nichts Ungewöhnliches: "Wenn es nicht läuft, werden Verantwortliche gesucht, das sind in der Regel der Manager und der Präsident. Das ist in meinen Augen normal", so Staudt. "Das ist wie der Koch in der Küche. Der darf sich auch nicht beschweren, dass es dort heiß ist", meinte der VfB-Ehrenpräsident in dieser Woche.

65 Mitgliederanträge zur Abwahl

Fakt ist: Wolfgang Dietrich ist bis 2020 gewählt. Fakt ist auch: Frist- und formgerecht sind auf der VfB-Geschäftsstelle gleich 65 Anträge zur Abwahl des in Teilen der Fans und Mitglieder ungeliebten Präsidenten eingegangen. Daraufhin hat der Verein die Tagesordnung für Sonntag um Punkt 6 erweitert: Antrag auf Abwahl des Präsidenten. Die Kritikpunkte in den Anträgen betreffen in erster Linie eine verfehlte Personalpolitik (Stichwort: Michael Reschke), ehemalige Firmenbeteiligungen als Sportinvestor (Stichwort: Quattrex) und nicht eingelöste Wahlversprechen (Stichwort: oberes Tabellendrittel der Bundesliga).

Hohe Hürde für die Abwahl

Damit es tatsächlich zu einer möglichen Abwahl von Wolfgang Dietrich kommen kann, muss bei der Mitgliederversammlung eine hohe formale Hürde genommen werden: 75 Prozent der anwesenden und wahlberechtigten Mitglieder am Sonntag in der Mercedes-Benz-Arena für eine Abwahl stimmen. Mögliche Gegenkandidaten gibt es bis jetzt übrigens nicht.

Wolfgang Dietrich, Präsident seit Oktober 2016, hat am Dienstag im Rahmen der Veranstaltung "VfB im Dialog" vor einer Abwahl seiner Person gewarnt:"Jetzt zu sagen, wir wählen jemanden ab, ohne zu wissen was da kommt: Das kann doch nicht Ziel dieses Vereins sein". Dietrich weiter: "Wir brauchen eine geordnete Struktur, und Ordnung heißt: Eine Abwahl ist keine Wahl".

Haas warnt vor Führungslosigkeit

Jetzt hat sich auch der frühere VfB-Präsident Manfred Haas (2000 - 2003) in einem offenen Brief zur aktuellen Situation des VfB zu Wort gemeldet. Auch ihm "blutet das Herz" und es sei "unglaublich schwer anzunehmen, dass wir schon wieder abgestiegen sind". Natürlich seien Fehler gemacht worden, so der 79-Jährige sinngemäß, aber man könne es sich nicht so einfach machen, alle Schuld dem Präsidenten zuzuschieben. Manfred Haas stellt vielmehr die Frage: "Was gewinnen wir bei einer Abwahl des Präsidenten? Eine monatelange Führungslosigkeit an der Spitze".

Daimler stützt Wolfgang Dietrich

Darauf verweist auch Wilfried Porth, Aufsichtsrat der VfB AG und Personalvorstand von VfB-Investor Daimler. Schon unmittelbar nach dem Abstieg hatte Daimler dem VfB-Präsidenten Dietrich öffentlich das Vertrauen ausgesprochen. Jetzt, unmittelbar vor der Mitgliederversammlung, hat Porth nach Informationen der Stuttgarter Nachrichten die VfB-Mitglieder bei Daimler in einem Schreiben dazu aufgerufen, am Sonntag gegen eine Abwahl von Wolfgang Dietrich zu stimmen.

Dietrich hofft auf viele Unterstützer

Wie letztlich am Sonntag in der Mercedes-Benz-Arena über den Antrag auf Abwahl von Wolfgang Dietrich abgestimmt wird, ist schwer vorauszusehen. Vor allem weil nicht absehbar ist, wie viele stimmberechtigte Mitglieder Dietrichs Gegner mobilisieren werden. Der VfB-Boss jedenfalls glaubt im Gespräch mit der dpa fest daran, "dass nach wie vor viele Mitglieder der Meinung sind, dass ich der richtige Präsident bin." Er könne nur hoffen, dass ein relativ breites Spektrum an Menschen abstimmen werde: "Es kann ja nicht sein, dass nur die Lauten bestimmen, was die Ausrichtung des Vereins betrifft", so Dietrich.

Mit den "Lauten" sind die gemeint, die seit Monaten im und ums Stadion gegen Dietrich protestieren und auch das Banner "Dietrich raus" über der B14 platziert hatten.

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