Mario Gomez beim Gespräch im Trainingslager auf Marbella (Foto: Imago, pressefoto Baumann)

Fußball | 2. Bundesliga VfB-Stürmer Gomez: "Gingen davon aus, dass wir durch die Liga marschieren"

Die Zukunft des 34-jährigen Stürmers hat in den vergangenen Tagen viele beschäftigt: Bleibt Mario Gomez beim VfB Stuttgart? In welcher Funktion? Über diese Fragen, seine Aufstiegsambitionen und den neuen Trainer hat er im Trainingslager exklusiv mit SWR-Sportreporter Andreas Köstler gesprochen.

SWR Sport: Mit welchem Anspruch und welcher Einstellung gehen Sie in die Rückrunde?

Mario Gomez: Mit viel Vorfreude. Weil mir die Hinrunde bei aller Schwierigkeit gezeigt hat, dass an uns kein Weg vorbei geht - wenn wir in der Rückrunde die Dinge anpacken, die wir in der Hinrunde nicht so gut gemacht haben. Wir werden es nicht durch Interviews geben erreichen, sondern wir müssen an den Dingen arbeiten. Und das tun wir.

Gut ist, dass wir jetzt aus Erfahrung sagen können: "Das ist die 2. Liga, das erwartet uns." Das hilft immens, die Liga besser einzuschätzen. Ich will nicht überheblich sein, aber ich kann schon sagen, dass wir natürlich davon ausgingen, dass wir durch die Liga marschieren. Als Mannschaft, der Verein und das Umfeld sowieso.

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Ich glaube die Hinrunde hat uns gezeigt, dass Demut im Sport eines der wichtigsten Dinge ist.  Das ist einer der größten Punkte, den wir mitnehmen müssen. Wir sind Stuttgart - was soll das bedeuten? Wir müssen auch ein Spiel spielen: 90 Minuten, elf gegen elf. Mit extrem viel Gegenwind, mit extrem viel Gier bei den Gegnern uns zu schlagen. Und wenn wir die gleiche Gier haben, dann werden wir aufsteigen. Dann sind wir die Besten. Aber das muss man eben auf dem Platz zeigen.

Was wollen Sie für sich persönlich in der Rückrunde erreichen?

Gomez: Vor allem in den letzten Spielen vor der Winterpause bin ich wieder sehr gut in Fahrt gekommen. Ich hatte leider wahnsinnig viel Pech in einzelnen Situationen. Sonst würde ich heute bei acht Toren stehen. Und bei der Einsatzzeit, die ich hatte, wären acht Tore gut. Das waren alles astrein erzielte Tore. Es war ja nicht so, dass der Torwart zur Seite ging, weil es Abseits war. Es waren vollendete Spielzüge. Das heißt: Ich bin immer noch in den Situationen drin, ich komme immer noch dahin, ich habe die Chancen. Ich habe auch die Tore gemacht, aber meine Nase war einfach ein Stück zu lang oder mein Zeh zu dick. Und dementsprechend gehe ich mit sehr viel Vorfreude und auch Mut in die Rückrunde, dass es besser läuft bei der ganzen Mannschaft.

Ich habe auch die Tore gemacht, aber meine Nase war einfach ein Stück zu lang oder mein Zeh zu dick.

Mario Gomez

Jetzt haben wir es erlebt, wie es ist 2. Liga zu spielen. Und die persönliche Torausbeute ist mit zwei Toren definitiv zu wenig. Wir als Mannschaft haben zu wenig Tore erzielt und zu viele einfache Tore kassiert. Das werden wir besser machen. Ich fühle mich gut und fit und kann der Mannschaft immer noch einiges geben. Das werde ich tun - wie auch immer meine Rolle aussehen wird. Und Mitte Mai werde ich hoffentlich - und davon bin ich sehr überzeugt - auf dem Stuttgarter Schlossplatz stehen und feiern.

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Gutes Stichwort – es gibt viele Spekulationen, was mit Ihnen nach der Saison im Mai sein wird. Gibt es da schon Pläne?

Gomez: Es gibt sehr konkrete Absprachen und die werden bis Sommer Spekulationen bleiben. Weil die Entscheidung wahrscheinlich im Juni nach der Saison mit Thomas (Hitzlsperger, Anm. d. Red.) und Sven (Mislintat, Anm. d. Red.) fallen wird. Bis dahin will und kann ich es nicht entscheiden, der Verein ebenso wenig. Wir lassen es auf uns zukommen und haben überhaupt keinen Stress damit.

Das viel zitierte Gespräch mit Thomas (Hitzlsperger, Anm. d. Red.), über das es jetzt überall ging und in dem es hieß, dass es sportlich zu Ende ist – das haben wir nicht entschieden. Es ist einfach nicht die Wahrheit.

Mario Gomez

Es fühlt sich wahnsinnig gut an, die Saison zu Ende zu spielen und dann zu entscheiden, wie es für mich weiter geht. Alles, was davor geschrieben oder gesagt wird, ist einfach nicht die Wahrheit. Das viel zitierte Gespräch mit Thomas (Hitzlsperger, Anm. d. Red.), über das es jetzt überall ging und in dem es hieß, dass es sportlich zu Ende ist – das haben wir nicht entschieden. Es ist einfach nicht die Wahrheit. Die Wahrheit ist, dass im Juni entschieden wird, nach der Saison. Hoffentlich Ende Mai.

Wird Mario Gomez seine Karriere denn beim VfB Stuttgart beenden?

Definitiv in Deutschland und wahrscheinlich auch in Europa. Das steht fest. China kommt für mich nicht in Frage und dann gibt es nicht mehr so viele Optionen. Aber auch das habe ich gelernt, die letzten Jahre: Es bringt nichts, davon zu reden, was passiert. Im Juni wird die Situation wieder eine komplett andere sein. Entweder haben wir eine tolle Rückrunde gespielt oder aber wir haben enttäuscht. Ich weiß es nicht. Deswegen will ich diese Entscheidung heute auch nicht treffen.

Für mich ist es etwas Besonderes, dass ich hier nochmal spielen kann. Das ich alles was in mir steckt und was ich in den letzten 16 Jahren gelernt habe nochmal mit einbringen kann. Es muss nicht immer auf dem Platz sein, sondern auch in der Kabine. Das macht mir viel Spaß. Ich weiß, die Leute verbinden immer viele Tore mit mir - am liebsten in der Vorrunde 20 und in der Rückrunde 20. Die Realität sieht jetzt aber so aus, dass ich zwei Tore gemacht habe und versuchen werde, in der Rückrunde viel mehr zu erzielen.

Tim Walter ist schon wieder Geschichte, Pellegrino Matarazzo hat übernommen. Wie gehen Sie mit solchen Situationen um?

Mittlerweile bin ich da total abgebrüht. Allein weil ich die letzten Jahre so viele unterschiedliche Trainer hatte und sich das Geschäft so entwickelt hat, dass die Trainer keine Zeit mehr bekommen. Der Druck wird immer größer und du als Spieler bekommst keine Zeit mehr, du musst dich also anpassen. Ab der ersten Sekunde kann ich mich komplett auf den neuen Trainer einlassen.

Ich höre auf dem Trainingsplatz zu und versuche, es umzusetzen. Wie ein kleines Kind, das etwas lernen darf.

Mario Gomez

Das, was war, ist vorbei und bringt uns nichts mehr, es zählt nichts mehr im Sport. Wir können froh sein, dass wir eine gute Ausgangssituation haben. Keine perfekte, aber für die Rückrunde immer noch eine gute. Darauf müssen wir mit den neuen Ideen des Trainers aufbauen. Ich versuche die Dinge umzusetzen und anzunehmen. Mir macht es wahnsinnig viel Spaß, wieder neue Dinge zu lernen. Viele denken, dass man sich irgendwann zu schade dafür ist. Ganz im Gegenteil, mir macht das viel Spaß. Dem neuen Trainer habe ich auch schon gesagt, dass das mein Charakter ist: Ich bin immer sehr wissbegierig. Ich will wissen, wie seine Idee funktioniert. Ich höre auf dem Trainingsplatz zu und versuche, es umzusetzen. Wie ein kleines Kind, das etwas lernen darf.

Wie funktioniert denn die Idee des Trainers?

In diesem frühen Stadium ist das eher eine Frage für den Trainer. Letztendlich hat er uns klar seine Leitplanken mitgegeben. Die versucht er uns jetzt täglich zu vermitteln. Ich habe nach den ersten Tagen das Gefühl, dass die Mannschaft es annimmt.

Ich finde es gut, was der Trainer von uns will. Es muss jetzt umgesetzt werden, vor allem in die Tiefe zu spielen und nicht mehr so viel in die Breite. Es ist aber nichts dabei, was der Fußball noch nicht gesehen hat. Das müssen wir jetzt verinnerlichen, da unser ehemaliger Trainer schon sehr dominant war und uns seine Idee sehr intensiv mitgeteilt hat. Das heißt, die Eigenschaft, sich so schnell auf den neuen Trainer einzulassen, hat vielleicht nicht jeder Spieler. Das wird vielleicht ein bis zwei Wochen dauern bei dem ein oder anderen Spieler. Aber zum ersten Spiel werden wir seine Idee umsetzen.

Um jetzt auf die Frage zurückzukommen. Wie ist seine Idee?

Seine Idee ist nichts Neues was die Prinzipien angeht, aber im Gegensatz zu unserem letzten Trainer spielt der Umschaltmoment wieder eine größere Rolle. Nach Ballgewinn die Tiefe zu suchen und nicht so sehr in die Breite zu spielen. Es hört sich spektakulär an und wir müssen es umsetzen, es liegt also jetzt an uns was wir daraus machen.

Wie ist Pellegrino Matarazzo denn charakterlich?

Er ist ein sehr angenehmer, ruhiger und eher introvertierter Mensch. Aber doch in seiner Ansage und seinen Aussagen sehr bestimmend. Zwischenmenschlich sehr angenehm.

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