Dietrich (Foto: Imago, Pressefoto Rudel/Robin Rudel;)

Fußball | 2. Bundesliga VfB-Präsident Wolfgang Dietrich tritt zurück

Nach dem Abbruch der Mitgliederversammlung des VfB Stuttgart aufgrund technischer Probleme am Sonntag hat VfB Präsident Wolfgang Dietrich am Tag darauf seinen Rücktritt erklärt.

"Ich kann und will nicht mehr verantwortlich für alles gemacht werden, was beim VfB Stuttgart berechtigt oder unberechtigt nicht gut funktioniert", schrieb Dietrich. Die Mitgliederversammlung war am Sonntag kurz vor der Abstimmung über eine Abwahl Dietrichs abgebrochen worden, weil das für die Mitglieder eingerichtete WLAN im Stuttgarter Stadion nicht funktionierte.

Mit ihren Handys hätten sich die rund 4500 anwesenden Stimmberechtigten einloggen sollen, um unter anderem über Dietrichs Zukunft abstimmen zu können. Nachdem Dietrich die Veranstaltung unter lautstarken Pfiffen abgebrochen hatte, wurde er von Personenschützern aus dem Innenbereich des Stadions begleitet. (Lesen Sie auch: Ämter & Positionen: So geht es nach dem Rücktritt von Wolfgang Dietrich beim VfB Stuttgart weiter)

Lautstarke Gegenstimmen

Zwar habe ihn "der Vereinsbeirat und der Aufsichtsrat gebeten, in jedem Fall im Amt zu bleiben", er habe sich dennoch dafür entschieden, "mit sofortiger Wirkung vom Amt des Präsidenten des VfB Stuttgart 1893 e.V., sowie vom Vorsitz des Aufsichtsrats der VfB Stuttgart 1893 AG zurückzutreten."

"Ich lasse mir meine Würde und Ehre nicht von denjenigen nehmen, die ihre Macht lautstark und mit verbaler Gewalt demonstrieren. Ebenso wenig wie von denen, die sich schon seit Langem an den gut gefüllten Töpfen unseres Vereins bedienen wollen."

Wolfgang Dietrich auf Facebook

Er hatte sich zuletzt heftigen Anfeindungen vor allem aus der Ultra-Szene ausgesetzt gesehen. Mit seinem Rücktritt wird zudem der Sitz des Aufsichtsratsvorsitzenden frei. Den Ausgang der Mitgliederversammlung am Sonntagabend "hätte ich niemals für möglich gehalten", schrieb Dietrich 15 Stunden später. "Was wir als Verein unseren anwesenden Mitgliedern hier zugemutet haben, ist fürchterlich. Die lückenlose Aufklärung der Umstände, die zu diesem technischen Ausfall geführt haben, und die Sicherstellung, dass sich so etwas niemals wiederholen kann, müssen oberste Priorität haben."

Anfeindungen und Todesdrohungen

Nach wochenlangen Anfeindungen, die teilweise sogar mit Todesdrohungen Teil von polizeilichen Ermittlungen waren, zog Dietrich nun einen Schlussstrich. Das Fass für ihn zum Überlaufen habe die Mitgliederversammlung und die Feindseligkeit seiner Person gegenüber gebracht.

Dauer

"Ich hätte auch den Grad an Feindseligkeit und Häme, wie am gestrigen Tag erlebt, nicht für möglich gehalten. Ich kann und will nicht mehr verantwortlich für alles gemacht werden, was beim VfB Stuttgart berechtigt oder unberechtigt nicht gut funktioniert."

Wolfgang Dietrich auf Facebook

Insbesondere die Beleidigungen und Drohungen gegenüber seiner Familie hatten den 70-Jährigen zutiefst getroffen, und er hatte sich bereits auf der Mitgliederversammlung dazu geäußert. "An die wenigen, die mich und meine Familie in den sozialen Medien aufs Übelste beleidigen und bedrohen: Der Schaden, den die wenigen anrichten, ist groß", so Dietrich.

Nun hat Dietrich, wohl auch zum Schutz seiner Familie, seinen Rücktritt erklärt.

Sehr geehrte Damen und Herren,
Liebe Mitglieder, Freunde und Fans des VfB Stuttgart,

den Ausgang einer Mitgliederversammlung wie am gestrigen Abend erlebt, hätte ich niemals für möglich gehalten. Was wir als Verein unseren anwesenden Mitgliedern hier zugemutet haben, ist fürchterlich.

Die lückenlose Aufklärung der Umstände, die zu diesem technischen Ausfall geführt haben, und die Sicherstellung, dass sich so etwas niemals wiederholen kann, muss oberste Priorität haben.

Allein ich werde nicht Teil dieser Aufklärung sein. Denn ich hätte auch den Grad an Feindseligkeit und Häme, wie am gestrigen Tag erlebt, nicht für möglich gehalten. Ich kann und will nicht mehr verantwortlich für alles gemacht werden, was beim VfB Stuttgart berechtigt oder unberechtigt nicht gut funktioniert.

Schon am gestrigen Abend haben mich das Präsidium, der Vereinsbeirat und der Aufsichtsrat gebeten, in jedem Fall im Amt zu bleiben. Für dieses Vertrauen bedanke ich mich sehr. Auch geht mein herzlicher Dank an alle, die mich bis zum heutigen Tage in meiner Arbeit für den VfB in den letzten drei Jahren mit Rat und Tat unterstützt haben.

Nichtsdestotrotz habe ich mich dazu entschlossen, heute mit sofortiger Wirkung vom Amt des Präsidenten des VfB Stuttgart 1893 e.V., sowie vom Vorsitz des Aufsichtsrats der VfB Stuttgart 1893 AG zurückzutreten.

Ich lasse mir meine Würde und Ehre nicht von denjenigen nehmen, die ihre Macht lautstark und mit verbaler Gewalt demonstrieren. Ebenso wenig wie von denen, die sich schon seit langem an den gut gefüllten Töpfen unseres Vereins bedienen wollen.

Auch kann und möchte ich nicht mehr einer Organisation vorstehen, die weder willens ist, sich mit mir gemeinsam diesen Interessen entgegenzustellen, noch in der Lage, den einwandfrei funktionierenden Ablauf einer Mitgliederversammlung zu gewährleisten. Ganz egal, was sich im Nachlauf zur gestrigen Veranstaltung als Erklärung auftut – dafür hätte ein Verein wie der VfB Stuttgart gewappnet sein müssen.

Der Vereinsführung und allen Gremien wünsche ich die Kraft und das wache Auge, nicht zuzulassen, dass Einzelne sich den VfB Stuttgart für ihre persönlichen oder wirtschaftlichen Interessen zunutze machen.

Die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft und den sofortigen Wiederaufstieg sind gestellt. Diesen, verbunden mit allem Guten für die Zukunft, wünsche ich dem VfB von ganzem Herzen.

Es war mir eine Ehre, diesem Verein dienen zu dürfen.


Wolfgang Dietrich

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