Holger Badstuber (Foto: dpa Bildfunk, Daniel Karmann;)

Fußball | 2. Bundesliga Holger Badstuber geht in die Offensive: "Ich bin nicht doof"

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Ex-Nationalspieler Holger Badstuber schien von vielen bereits abgeschrieben. Nach seinem starken Auftritt in Heidenheim redete sich der Verteidiger des VfB Stuttgart seinen Frust von der Seele.

Erst glänzte Holger Badstuber 90 Minuten auf dem Platz in der Arena in Heidenheim und erzielte sogar einen Treffer für den VfB Stuttgart, nach der Partie ging der 30-Jährige dann am Mikrofon verbal in die Offensive. Seine Botschaft: Freunde, ich bin wieder voll da. Schreibt mich nicht zu früh ab.

Zunächst einmal aber war Kopfschütteln angesagt. Holger Badstuber konnte es kaum fassen. "Das war ein verschenkter Tag. Ich bin sehr enttäuscht. Wir haben hier zwei Punkte liegen lassen," sagte der Defensiv-Mann des VfB Stuttgart im SWR Sport-Interview. Die Schwaben sahen nach dem ersten Pflichtspiel-Tor des ehemaligen Nationalspielers seit 561 Tagen tatsächlich schon wie der sichere Sieger aus. Doch letztlich reichte es für den Bundesliga-Absteiger im brisanten Schwaben-Derby beim 1. FC Heidenheim nur zu einem 2:2 (0:0) - und das nach Zwei-Tore-Führung bis zwölf Minuten vor Schluss.

"Darf nicht noch mal passieren"

Badstuber war verärgert: "Wir haben den Gegner unnötig zurückkommen lassen mit unseren eigenen Ballverlusten. Das darf nicht passieren. Wir hätten unser Spiel 90 Minuten durchziehen müssen, dann wären wir hier als Sieger vom Platz gegangen." Dabei hätte alles so schön sein können für den 30-Jährigen. Er war wegen der Verletzung von Marcin Kaminski und der Sperren von Maxime Awoudja sowie Nachwuchstalent Luca Mack in die Startelf der Stuttgarter gerückt und sammelte nicht nur wegen seines ersten Treffers seit 20. Januar 2018 (3:2 gegen Mainz) gute Argumente für weitere Einsätze.

Randfigur mit Rückenwind

Wieder einmal hatte Badstuber an diesem Sonntag Nachmittag gezeigt, wie stark er an guten Tagen sein kann. Das hatte er zuletzt Ende Mai im Relegationsrückspiel des VfB Stuttgart bei Union Berlin bewiesen. Nachdem er Mitte der ersten Halbzeit mit seinem damaligen Innenverteidiger-Kollegen Ozan Kabak zusammengeprallt war, spielten beide mit Kopfverband weiter. Dennoch gehörte Badstuber damals zu den Besten auf dem Platz. Den Bundesliga-Abstieg der Schwaben konnte er damals aber trotzdem nicht verhindern.

Klartext vom Ex-Nationalspieler

Holger Badstuber schien in Stuttgart schon zur Randfigur geworden zu sein. Von seinem Abgang war die Rede, von vielen Seiten hagelte es Kritik. Badstuber nahm dies alles wahr, schwieg dazu aber bisher in der Öffentlichkeit. Nach seiner starken Leistung in Heidenheim nutzte er aber die Gelegenheit, um einiges klar zu stellen. "Ich bin jetzt lange genug dabei," sagte er. "Ich bin sicherlich ein Spieler, der polarisiert. Ich äußere meine Meinung auf dem Trainingsplatz und spreche die Dinge an. Das kommt bei vielen nicht gut an. Wenn das immer falsch rüber kommt, dann interpretieren die Leute mich eben falsch. Die Leute kennen mich nicht, sie interpretieren Sachen hinein, weil sie es so wollen." Selbstbewusst fügt er hinzu, dass er sich davon nicht beeinflussen lasse.

"Ich bin seit einem Jahr nicht verletzt"

Dann nimmt er Stellung zu den Vorwürfen, er sei permanent verletzt und stehe dem Trainer zu selten zur Verfügung. "Ich habe letztes Jahr nur zwei Spiele in sieben Monaten gekriegt und das Spiel gegen Union Berlin. Da habe ich meine Leistungen gebracht." Er lade die Leute ein, sich selbst ein Bild am Trainingsplatz zu machen. "Ich gebe im Training immer Gas. Ich habe die ganze Vorbereitung durchgezogen. Es heißt immer 'Du bist verletzt, du bist verletzt.' Ich bin seit einem Jahr nicht mehr verletzt. Manche Dinge sind einfach verzerrt und entsprechen nicht der Wahrheit. Das verstehe ich nicht. Die Leute sollen nicht denken, dass ich doof bin." Man merkt, dass Badstuber bei diesem Thema einen richtig dicken Hals hat und einiges zurechtrücken will. Dann aber wird er wieder ruhiger.

Suche nach weiterem Verteidiger "völlig legitim"

Die Tatsache, dass sich der Verein nach der schweren Verletzung von Innenverteidiger Marcin Kaminski (Kreuzbandriss) nach einem weiteren Defensiv-Mann umschaut, irritiert Badstuber überhaupt nicht. "Das ist doch legitim," sagt Badstuber. "Ich fokussiere mich auf mich und versuche, die jungen Leute mitzunehmen. Meine Aufgabe ist es, so gut wie möglich zu performen. Ich bin seit längerer Zeit fit und stehe parat."

Karazor zeigt Verständnis für Badstubers Reaktion

Sein Kollege im Mittelfeld, Atakan Karazor, sieht die Mannschaft auch ohne Neuverpflichtungen gut aufgestellt: "Ich finde das, was wir im Kader haben, ist wirklich top. Deshalb würde ich persönlich sagen, dass wir nichts mehr machen brauchen", so der Neuzugang aus Kiel in der Sendung "SWR Sport".

Für die deutlichen Wort seines Mitspielers zeigt Karazor großes Verständnis: "Dass er jetzt so sauer ist, kann ich gut nachvollziehen. Wenn Leute nicht wissen wie es ist, dann aber darüber reden. Vielleicht wäre ich - oder auch jeder andere - dann auch so sauer." Über Badstuber findet er nur lobende Wort: "Ich weiß, wie er in der Kabine ist und dass er ein ehrgeiziger Typ ist. Aber ich habe noch nie eine negative Erfahrung mit ihm gehabt."

Die Mannschaft sieht er defensiv auch wegen Badstuber gut aufgestellt, man habe im Spiel gegen Heidenheim "gesehen, dass er zu hundert Prozent da war und sogar ein Tor gemacht hat. Unabhängig vom Tor hat er ein mega Spiel gemacht und wird das auch in Zukunft machen, wenn er seine Einsatzminuten bekommt".

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