Wolfgang Dietrich, der Präsident des VfB Stuttgart (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

Fußball | 2. Bundesliga VfB-Präsident Wolfgang Dietrich droht die Abwahl

Unruhe vor der Mitgliederversammlung des VfB Stuttgart am 14. Juli: Beim schwäbischen Traditionsklub sind 65 Anträge auf eine Abwahl von Präsident Wolfgang Dietrich eingegangen.

Diese sind frist- und formgerecht per Einschreiben auf der VfB-Geschäftsstelle eingegangen.

Damit es tatsächlich zu einer Abwahl Dietrichs kommt, müssten 75 Prozent der anwesenden und stimmberechtigten Mitglieder für eine Abberufung des seit Oktober 2016 amtierenden Präsidenten stimmen. Dietrich wurde damals für vier Jahre gewählt.

Gegenwind für Wolfgang Dietrich

Dietrich ist bis 2020 gewählt. Bislang gibt es niemanden, der öffentlich seine Bereitschaft signalisiert hat, im Falle einer Abwahl des Unternehmers seine Nachfolge an der Spitze des Vereins anzutreten. Beim Bundesliga-Absteiger steht Dietrich aus verschiedenen Gründen in der Kritik. Dazu zählen die Verpflichtung des inzwischen wieder freigestellten Michael Reschke als Sportvorstand ebenso wie die Trennung von dessen Vorgänger Jan Schindelmeiser und Dietrichs Verbindung zum Unternehmen Quattrex, das Fußballklubs Kredite gewährt.

Fragen und Antworten zu Wolfgang Dietrich und dem VfB Stuttgart

Warum steht auf der Tagesordnung als Punkt 6 "Antrag auf Abwahl des Präsidenten"?

SWR-Sportredakteur Thomas Bareiß: Es ist ja kein Geheimnis, dass man die Sympathisanten von Wolfgang Dietrich in der Cannstatter Kurve, also da, wo der harte Kern der Fans steht, an einer Hand abzählen kann. Aus diesem Kreis stammt sicher auch ein großer Teil der 65 Anträge auf die Abwahl Dietrichs, die den Verein frist- und formgerecht erreicht haben. Das Präsidium (Wolfgang Dietrich und Bernd Gaiser) des VfB Stuttgart haben entschieden, die Tagesordnung um den neuen Punkt 6 zu ergänzen.

Was sind in den Anträgen die Hauptkritikpunkte an Wolfgang Dietrich?

SWR Sport liegen die Anträge auf Abwahl des Präsidenten vor. Die Kritikpunkte darin behandeln größtenteils eine verfehlte Personalpolitik (Stichwort: Entlassung von Sportvorstand Jan Schindelmeiser und Einstellung von Michael Reschke in gleicher Funktion). Dann wären da seine alten Firmenbeteiligungen (Stichwort: Quattrex) und nicht eingelöste Wahlversprechen (Stichwort: Rückkehr ins obere Drittel der Bundesliga). Der neuerliche Abstieg in die 2. Liga ist da sicher das "Tüpfelchen auf dem i". Zudem: Für große Teile der Cannstatter Kurve ist Dietrich als ehemaliger Stuttgart-21-Sprecher seit seiner Kandidatur 2016 eine Reizfigur und wird als Spalter beschimpft.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit der Abwahl?

Die ist nicht sehr wahrscheinlich, weil dafür eine hohe formale Hürde besteht:
75 Prozent der anwesenden und stimmberechtigen Mitglieder müssen bei der Mitgliederversammlung am 14. Juli für eine Abwahl stimmen. Das ist richtig viel. Nur mal so zum Vergleich: Bei seiner Wahl 2016 herrschte ungefähr ein ähnliches Anti-Dietrich-Klima. Aber auch da schafften seine Gegner in der Mitgliederversammlung nur knapp 43 Prozent. Also fehlt da noch ein Riesenstück zu diesen 75 Prozent. Das ist das eine und das andere: Der Opposition fehlt es einfach an einem geeigneten und namhaften Gegenkandidaten.

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