Stürmer Mario Gomez vom VfB Stuttgart (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

Fußball | 2. Bundesliga Mario Gomez: "Videobeweis ist für die Stürmer eine Katastrophe"

Für den VfB Stuttgart war das 1:2 beim SV Sandhausen im Aufstiegsrennen der 2. Bundesliga ein herber Rückschlag. Pechvogel des Tages war Angreifer Mario Gomez, der drei Treffer erzielte, die aber allesamt keine Anerkennung fanden.

Nach der Partie beim SV Sandhausen war die Stimmung von Mario Gomez dementsprechend schlecht. Der Stürmer übte massive Kritik am Videobeweis.

Dauer

"Abseits-Hattrick" für Mario Gomez

"Ich war schon ein Freund davon, weil ich dachte, es wird gerecht. Aber für uns Stürmer ist es eine Katastrophe", sagte Gomez gegenüber SWR Sport. Er hatte in Sandhausen drei Tore erzielt, wegen knapper Abseitsstellungen zählte keines davon. Ein "Abseits-Hattrick" sozusagen - aber ein wertloser.

"Das System ist einfach scheiße"

"Das System wie es ist, ist einfach scheiße", klagte Gomez weiter. Jedes Mal habe ihm der Schiedsrichter auf dem Platz gesagt, es seien nur wenige Zentimeter seines Körpers im Abseits gewesen. Er stellte infrage, ob so knappe Entscheidungen mit den vorhandenen Kameras und insbesondere in kleinen Stadien wie dem in Sandhausen wirklich zweifelsfrei getroffen werden könnten.

Der Schiedsrichter auf dem Platz könne nichts dafür, meinte Gomez. Er sei aber froh, dass der größte Teil seiner Karriere vorbei sei "und ich nicht mehr zehn Jahre damit spielen muss".

Hier das komplette Interview mit Mario Gomez im Wortlaut

SWR Sport: Mario, woran lag’s heute?

Mario Gomez: Am ersten irregulären Hattrick der Geschichte, glaube ich. Ich habe es gerade einem Kollegen schon gesagt: Das ist extrem bitter. Wir haben die letzten Wochen immer davon gesprochen auswärts, dass wir früh ein Tor kassieren und dann vorne keine machen. Und heute haben wir vier gemacht. Und drei davon anhand der Videobilder drei Zentimeter im Abseits. Und da habe ich gerade einem Kollegen gesagt, bin ich ganz froh, dass ein Großteil meiner Karriere hinter mir ist und ich nicht mehr die nächsten zehn Jahre mich mit diesen Dingen auseinander setzten muss, weil für einen Stürmer ist das eine Vollkatastrophe.

Das stimmt, aber gerecht ist es halt doch…

Sehe ich ganz anders.

Abseits ist halt Abseits.

Ja gut, dann frage ich, wenn ich höre, dass die Kamera von schräg oben 45 Grad drauf schaut, wie kann man sehen wer vorne ist?

Weil die Linien kalibriert werden.

Gut, wenn die Technik so ist…

Es ist wirklich sauknapp, keine Frage. Es war wirklich dreimal Abseits, ganz knapp. Trotzdem, es war auch heute zu sehen: Ihr habt Ballbesitz, ihr habt eigentlich eine Übermacht, aber kriegt es trotz der Übermacht nicht zustande, ein  Tor zu schießen. Woran liegt das?

Ja, an dem, dass wir heute anscheinend dreimal drei Zentimeter zu schnell waren. Daran, dass wir die restlichen Chancen, die wir hatten, nicht genutzt haben und dass wir beim Standard pennen. Das ist auch das, was heute sicherlich den Ausschlag gibt. Wir müssen schon, das habe ich letzte Woche auch schon gesagt, auch mal in die Köpfe rein kriegen, dass die Tugenden, mit denen die Gegner spielen, dass wir das erst mal in die Köpfe kriegen. Da sind wir zu grün hinter den Ohren. Da kriegen wir einfach große Probleme, Woche für Woche auswärts, dass der Gegner nur auf Standards geht, nur auf lange Bälle, Kopfballverlängerungen. Und vorne auch versucht, Freistöße zu schinden, um Standards zu bekommen, Eckbälle herauszuholen. Und wir verteidigen sie einfach nicht gut.  Wir verteidigen die langen Bälle nicht gut und wir verteidigen die Standards nicht gut. Wir haben das jetzt nach jedem Spiel auch immer wie angesprochen. Wir versuchen das zu trainieren. Wir trainieren es, aber wir kriegen es im Spiel noch nicht hin.  Bevor wir uns darauf fokussieren, was wir machen mit Ball, müssen wir einfach diese Dinge mal besser machen.  Wenn wir heute hinten keines kassieren… Wir haben aber durch Standards zwei zugelassen. Genau das war uns von vornherein klar, dass Sandhausen genauso Tore erzielen will und sie haben es geschafft – zweimal. Dementsprechend haben sie mit 2:1 gewonnen.

Jetzt sind es fünf Niederlagen in den letzten sieben Spielen - deutlich zu viel.

Ja, muss man nicht drüber sprechen. Ergebnistechnisch eine Katastrophe. Aber auch da ist es so: es gibt immer Schwankungen. Wenn wir nicht diese Schwankungen hätten, wären wir nicht in der zweiten Liga. Das ist klar. Der Umbruch war riesig, das dürfen wir auch nicht vergessen. Das dürfen wir aber auch nicht als Ausrede hernehmen, denn heute standen elf gute Spieler auf dem Platz und wir müssen einfach in Sandhausen gewinnen. Diese letzte Entschlossenheit bei gegnerischen Angriffen, die müssen wir schleunigst haben. Das ist kein individueller Fehler. Das ist nicht zu risikohaft, wie uns häufig vorgeworfen wird. Wir waren in Überzahl zweimal und der Ball geht in’s Tor. Das heißt, wir müssen da einfach darauf schauen. Die Gegner wissen ganz genau, dass das ihre Chance ist und deswegen setzen sie in diese Situation alles. Und wir müssen eben als Gegenpart auch alles da reinsetzen. Und das haben wir heute zweimal nicht getan.

REDAKTION
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