Mitgliederversammlung (Foto: Imago, Michael Weber IMAGEPOWER;)

VfB Stuttgart | Kommentar Sieger beim VfB sind die Lauten, nicht die Mehrheit

Präsident Wolfgang Dietrich tritt nach der chaotischen Mitgliederversammlung als Präsident des VfB Stuttgart zurück. Ein Kommentar von SWR-Sportredakteur Günther Schroth.

"Na also", werden viele denken, "na also, endlich ist er weg der Dietrich". Mir aber fällt es außerordentlich schwer, in dieses "Na also" mit einzustimmen. Der Reihe nach: Man kann nur den Hut ziehen vor dieser Entscheidung von Wolfgang Dietrich. Der Widerstand im Verein gegen ihn war dermaßen laut geworden, dass nur eine klare, demokratische  Mehrheitsoption pro Dietrich ihn noch vor diesem Rücktritt hätte bewahren können.

Die große Ironie liegt jetzt darin, dass letztlich eine technische Panne diese Mehrheitsoption verhindert hat. Dietrich tritt auch zurück, weil das WLAN im Stadion nicht funktionierte. Unerklärlich, dass es da keinen Plan B gab, altmodische Stimmzettel zum Beispiel – das spricht nicht dafür, dass der Verein optimal organisiert ist.

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Trotz dickem Fell

Dietrich begründet seinen Rücktritt ausführlich auf Facebook. Er habe einen solchen Grad an Feindseligkeit und Häme nicht für möglich gehalten, schreibt er da. Und das von dem Mann, der als Sprecher für Stuttgart 21 einiges an Anfeindungen auszuhalten hatte – und gelernt hatte, damit umzugehen. Dass er auch Todesdrohungen erhalten hat, sei an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich festgehalten. Das geht nicht und ist einer demokratischen Gesellschaft absolut unwürdig.

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Ich übrigens glaube auch heute noch, dass die Dreiviertelmehrheit gegen ihn auf der Mitgliederversammlung nicht zustande gekommen wäre. Dumm ist nur, dass ich das jetzt nicht mehr beweisen kann und diese Meinung daher natürlich leicht angreifbar ist.

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Die Mehrheit entscheidet

Demokratische Entscheidungen sind aber nach wie vor Mehrheitsentscheidungen. Und dass eine Dreiviertelmehrheit für die Abwahl eines amtierenden Präsidenten notwendig ist, ist eine bei vielen Vereinen bewährte Praxis. Zu häufig hat man die Erfahrung gemacht, dass bei tumultuösen Mitgliederversammlungen Stimmungen entstehen, die sich ein paar Tage keiner mehr erklären kann. Bei mir bleibt der Eindruck, dass beim VfB jetzt die gewonnen haben, die aggressiver und lauter aufgetreten sind. Und nicht die Mehrheit.

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Sendedatum
Sendezeit
19:30 Uhr
Sender
SWR Fernsehen BW

Der Verein steht nach diesem Rücktritt vor einem riesigen Scherbenhaufen. Man kann getrost davon ausgehen, dass sich dennoch viele melden werden, die Dietrich jetzt beerben wollen. Aber, und um im Bild zu bleiben: Ich zweifele ernsthaft daran, dass es überhaupt jemanden gibt, der diese Scherben wieder zusammenkleben kann. Und schon gar nicht bis zur nächsten VfB-Mitgliederversammlung. Wann immer die auch stattfindet. (Lesen Sie auch: Ämter & Positionen: So geht es nach dem Rücktritt von Wolfgang Dietrich beim VfB Stuttgart weiter)

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