Winfried Kretschmann und Jürgen Klinsmann (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

Fußball | 2. Bundesliga Kretschmann bringt Klinsmann beim VfB ins Spiel

Der Rücktritt von VfB-Präsident Dietrich sorgt weiter für Wirbel im Verein. Während Thomas Berthold ein Amt anstrebt, bringt Ministerpräsident Kretschmann Jürgen Klinsmann als Nachfolger ins Spiel.

Nach dem polternden Rückzug von Wolfgang Dietrich als Präsident des VfB Stuttgart hat der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) indirekt Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann als künftige Führungsfigur des Vereins vorgeschlagen. "Der Verein braucht jetzt eine Persönlichkeit mit Fußballkompetenz, die ausschließlich das Interesse des Vereins im Blick hat", teilte der Grünen-Politiker am Montagabend auf Facebook mit. "Jemand der von hier kommt, der zusammenführt und hinter dem sich die ganze VfB-Familie versammeln kann.

Klinsmann habe "Brustring im Herzen"

Nicht allzu viele brächten ein solches Profil mit, so Kretschmann weiter: "Als VfB-Fan würde mir da aber schon jemand einfallen, den ich letztes Jahr in Kalifornien getroffen habe und der den Brustring definitiv im Herzen trägt." Damit spielt Kretschmann auf eine Begegnung mit Klinsmann bei seiner Nordamerika-Reise 2018 an. "Als langjähriges Mitglied des Vereins und als Fan seit Kindertagen leide ich natürlich mit und mache mir Sorgen um die Zukunft des VfB Stuttgart", so Kretschmann. (Lesen Sie auch: Ämter & Positionen: So geht es nach dem Rücktritt von Wolfgang Dietrich beim VfB Stuttgart weiter)

Hitzlsperger für Ketschmann der richtige Mann

Es sei wichtig, dass man den Streit schnell hinter sich lasse und wieder Ruhe in den Verein komme, um den direkten Wiederaufstieg zu schaffen. "Es ist doch Wahnsinn, wie die Fans und die ganze Region auch in Liga 2 hinter unserem VfB stehen." Thomas Hitzlsperger sei als Sportvorstand der richtige Mann, um den Verein mit dem neuen Trainer Tim Walter und der jungen Mannschaft wieder zum Erfolg zu führen.

Berthold untermauert Ambitionen

Der frühere Weltmeister Berthold hat nach dem Rücktritt von Wolfgang Dietrich als Präsident des VfB Stuttgart seine Ambitionen untermauert, beim Zweitligisten den nun ebenfalls vakanten Posten des Aufsichtsratschefs zu besetzen.

"Ich habe gehört, dass ich Präsident werden wolle, das stimmt nicht. Meine Intention ist es, der Vorsitzende des Aufsichtsrates zu werden", sagte der frühere Stuttgarter Profi bei "Sport1".

Thomas Berthold strebt ein Amt beim VfB Stuttgart an (Foto: Imago, Müller-Stauffenberg)
Thomas Berthold hat sich beim VfB Stuttgart selbst als möglicher Nachfolger von Wolfgang Dietrich ins Spiel gebracht. Imago Müller-Stauffenberg

Berthold will mehr "Fußball-Kompetenz"

Der 54-Jährige will dafür "weitere Leute" in das Gremium bringen, "die genügend Fußball-Kompetenz mitbringen. Es muss eine große Linie vorgegeben werden, eine Fußball-Philosophie. Es muss eine Klub-Kultur entwickelt werden." Der Vereinspräsident wäre in diesem Modell "nur repräsentativ tätig", ergänzte Berthold.

Dietrich war nach einer chaotischen und wegen technischer Probleme letztlich abgebrochenen Mitgliederversammlung zurückgetreten. Der 70-Jährige hatte das Präsidentenamt seit 2016 inne.

Özdemir zeigt sich erleichtert

Grünen-Politiker Özdemir begrüßte währenddessen als VfB-Mitglied den Rücktritt Dietrichs. "Ich bin erleichtert", sagte der 53-Jährige dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland". Der gebürtige Schwabe und ehemalige Bundesvorsitzende der Grünen war bei der Mitgliederversammlung selbst im Stadion gewesen.

"Geht darum, was für den VfB am besten ist"

Einige VfB-Fans fordern im Internet bereits Özdemir als Nachfolger Dietrichs. "Das Vertrauen der Fans ehrt und berührt mich. Aber hier geht es gerade nicht um einzelne Namen, sondern darum, was für den VfB am besten ist", sagte er.

Bei einer SWR-Umfrage in Stuttgart zeigte sich die Mehrheit der Fans froh über den Rücktritt Dietrichs. Allerdings bekam auch der VfB Kritik ab - insbesondere aufgrund der Außendarstellung.

VfB-Spitze: "WLAN-Panne inakzeptabel"

Unterdessen bezeichnete die Spitze des VfB Stuttgart die technische Panne bei der Mitgliederversammlung als "unentschuldbar und absolut inakzeptabel" und entschuldigte sich auf der Website des Clubs.

In einem von Vizepräsident Bernd Gaiser und dem Beiratsvorsitzenden Wolf-Dietrich Erhard unterzeichneten Schreiben heißt es: "Sie können versichert sein, dass wir seitens des VfB Stuttgart den Sachverhalt, der letztlich zum Abbruch der Mitgliederversammlung geführt hat, auf alle möglichen Ursachen hin überprüfen werden."

WLAN funktionierte vorher offenbar problemlos

Die technische Infrastruktur bleibe bis auf Weiteres aufgebaut, unabhängige Gutachter seien bereits eingeschaltet. "Wir wollen genau wissen, warum ein technisches System, welches wir schon bei einer früheren Mitgliederversammlung eingesetzt haben und problemlos funktionierte so versagte."

Die Mitgliederversammlung war am Sonntag kurz vor der Abstimmung über eine Abwahl von Präsident Wolfgang Dietrich abgebrochen worden, weil das für die Mitglieder eingerichtete WLAN im Stuttgarter Stadion nicht funktionierte. Mit ihren Handys hätten sich die rund 4.500 anwesenden Stimmberechtigten einloggen sollen, um unter anderem über Dietrichs Zukunft abstimmen zu können.

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