Einige Routiniers mussten beim VfB Stuttgart gehen (Foto: Imago, Pressefoto Baumann)

Fußball | 2. Bundesliga Der VfB Stuttgart und sein riskanter Umbruch

Nach dem zweiten Abstieg innerhalb von drei Jahren strebt man beim VfB Stuttgart mit dem neuen Trainer Tim Walter einen radikalen Neuanfang in der 2. Liga an. Deshalb müssen einige Routiniers den Klub verlassen.

Mit dem Blick zurück will sich der VfB Stuttgart nicht mehr beschäftigen. Es soll nach dem erneuten Absturz in die 2. Bundesliga vieles besser werden, und wenn man dem neuen Trainer Tim Walter zuhört, dann steht dem zuletzt schwer kriselnden VfB eine kleine Revolution bevor: Der Fußball soll mutiger werden, dominanter, aggressiver und aktiver. Kurz: komplett anders.

Dauer

Personeller Umbruch beim VfB Stuttgart

"Es geht darum, sich darauf einzulassen. Die Bereitschaft zu haben, was Neues zu lernen", sagte der 43-Jährige bei seiner Vorstellung. Und wo Neues entsteht, ist für Altes oft wenig Platz. Neben einem fußballerischen Strukturwandel vollzieht der VfB daher einen personellen Umbruch.

Mislintat beruft sich auf "gute Gründe" für die Nicht-Verlängerungen

Wenn Walter seine erste Einheit als VfB-Coach leiten, fehlen drei Routiniers: Die jeweils über 30 Jahre alten Ex-Nationalspieler Christian Gentner (33), Dennis Aogo (32) und Andreas Beck (32) haben bei den Schwaben keinen Vertrag für die neue Spielzeit erhalten. Bei jedem Einzelnen habe es "gute Gründe gegeben", das auslaufende Arbeitspapier nicht zu verlängern, sagte Sportdirektor Sven Mislintat. Darüber hinaus ließ der Absteiger den 30-jährigen Torhüter Ron-Robert Zieler zum Liga-Rivalen Hannover 96 zurückkehren.

Auf dem Weg zur angepeilten Rückkehr in die Bundesliga verzichten die Stuttgarter also freiwillig auf viel Erfahrung. Dass die Routiniers nicht zur fußballerischen Philosophie von Walter passen, sagten Mislintat oder Sportvorstand Thomas Hitzlsperger zwar nicht. Aber das auf Ballbesitz und aggressivem Verteidigen beruhende Konzept erfordert eine feine Technik und Schnelligkeit. Beides zählte zuletzt nicht zu den Qualitäten von Gentner, Aogo und Beck.

Fehlen nun die Orientierungsgrößen?

Aber das Trio sowie auch Zieler galten aufgrund ihrer enormen Erfahrung als seltene Orientierungsgrößen in einer ansonsten orientierungslosen Mannschaft. Ob die jungen Neuzugänge Atakan Karazor, Mateo Klimowicz, Philipp Klement oder Pascal Stenzel diese Lücken füllen können, wird man sehen.

Walter und seine "wilde" Spielidee

"Ich glaube, dass wir in diesem Moment schon eine ziemlich schlagkräftige Truppe zusammen haben", sagte Mislintat. Eine, die in den kommenden fünf Wochen bis zum Saisonstart Ende Juli die komplizierte Idee von Walter eingeimpft bekommen soll. Diese beschreibt der Trainer so: "Es trifft schon zu, dass es manchmal etwas wild zugeht."

Risikobehaftet sei sein Konzept, gibt der Ex-Coach von Holstein Kiel zu. Genau dieses Risiko hat der VfB gesucht und die Umsetzung Gentner, Aogo und Beck nicht mehr zugetraut.

Gomez und Didavi sind noch da

Mario Gomez oder Daniel Didavi zählen nun zu den wenigen Erfahrenen, die aber ebenfalls erst noch ihre Erfahrungen mit dem neuen Spielsystem machen müssen. Ob die Idee mit Walter und seinem mutigen Spielstil clever ist, wollte Sportchef Hitzlsperger übrigens noch nicht bewerten: "Das wäre vermessen. Ob's schlau war, sehen wir später", sagte der 37-Jährige.

STAND