Oliver Glasner (Trainer Linzer ASK) (Foto: Imago, GEPA pictures/ Daniel Goetzhaber)

Bundesliga | VfB Stuttgart Oliver Glasner - so tickt der mögliche VfB-Trainer

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Der Österreicher Oliver Glasner wird als Nachfolger von VfB-Trainer Markus Weinzierl gehandelt. Der 44-Jährige ist aktuell der Trainer-Star in seiner Heimat. Vergleiche mit Adi Hütter liegen nah.

Glasner. Oliver Glasner. Urplötzlich ist dieser Name in aller Munde. Der Trainer des Linzer ASK scheint gefragter denn je zu sein. Etliche Klubs sollen derzeit um die Dienste des 44-Jährigen werben. Der VfB Stuttgart, RB Salzburg oder der VfL Wolfsburg. Da wundert es niemanden, dass am Mittwochabend Jörg Schmadtke, Geschäftsführer Sport beim VfL Wolfsburg, beim Pokalspiel des Linzer ASK gegen Rapid Wien auf der Tribüne gesichtet wurde. Gab es am Rande der Partie ein Treffen zwischen Schmadtke und Glasner?

Ein Typ wie Adi Hütter

In Deutschland ist Glasner zwar noch weitgehend unbekannt, in seiner Heimat Österreich gilt er jedoch als exzellenter Spieler-Entwickler und Taktiker mit guter Außendarstellung. Andreas Blum, Sportredakteur beim ORF und Kenner des österreichischen Fußballs, zu SWRSport: "Ich vergleiche Oliver Glasner gern mit Adi Hütter. Er ist ziemlich ruhig, hat aber eine klare Idee vom Spiel seiner Mannschaft. Er legt großen Wert aufs Pressing und auf eine offensive Spielweise seines Teams. Sein Team, der Linzer ASK, spielt aktuell den attraktivsten Fußball in Österreich - ähnlich wie Eintracht Frankfurt unter Adi Hütter." Nicht verwunderlich, dass Hütter und Glasner gut befreundet sind.

Dauer

Als Innenverteidiger hatte Glasner 410 Spiele in der österreichischen Bundesliga absolviert - für den Linzer ASK und vor allem für den SV Ried, wo er seine Profikarriere auch beendete. Danach wurde er Co- Trainer von Roger Schmidt bei RB Salzburg (2012 - 2014). Nach einem Kurzgastspiel als Cheftrainer beim SV Ried übernahm er den LASK, wie der Linzer Athletik-Sport-Klub in Österreich genannt wird, in der zweiten Liga. 2016/2017 folgte der Aufstieg in die Bundesliga, als Aufsteiger belegte der LASK Platz vier. In der laufenden Saison befindet sich der LASK auf dem zweiten Platz. Der Rückstand auf Tabellenführer RB Salzburg beträgt vier Punkte, am Sonntag kommt es zum Gipfeltreffen beider Teams.

Ausstiegsklausel gilt nur für Salzburg

Apropos Salzburg. Glasner war nicht nur Co-Trainer in Salzburg. Ihn reizt der Cheftrainer-Posten in seiner Geburtsstadt sehr. "Das hat er immer wieder betont", weiß ORF-Fachmann Blum. Also hat sich Glasner eine Ausstiegsklausel für Salzburg in seinen bis 2022 laufenden Vertrag beim LASK schreiben lassen. Es gilt als wahrscheinlich, dass der aktuelle RB Salzburg-Coach Marco Rose im Sommer zu Borussia Mönchengladbach wechseln wird. Die Stelle würde also frei - für Glasner?

Im österreichischen Fußball ist Salzburg die erste Adresse. Doch wenn die deutsche Bundesliga lockt, kann kaum ein österreichischer Coach widerstehen. Das weiß auch Jürgen Werner, der sportlicher Berater des LASK. Werner kennt auch Oliver Glasner gut. Bei "SkySportAustria" gab sich Werner kürzlich noch bedeckt: "Wenn ein Klub wie Wolfsburg oder Stuttgart kommt, dann will ich es Oliver nicht verwehren. Aber ich glaube, dass es noch nicht so weit ist. Die Geschichte von Oliver Glasner beim LASK ist noch nicht fertig erzählt. Aber seine Erfolge wecken natürlich Begehrlichkeiten. Und irgendwann wird es auch soweit sein."

Glasner: "Bei Rassismus sehe ich rot"

Vielleicht schon in den nächsten Wochen. In Salzburg, Wolfsburg oder Stuttgart? Oliver Glasner, Vater des 17-jährigen Julian, scheint es sich momentan aussuchen zu können, wo er demnächst trainieren wird. Sollte es zu einem Engagement beim VfB Stuttgart kommen, bekämen die Fans des schwäbischen Bundesligisten einen ruhigen und besonnenen Trainer. "Er ist sehr strukturiert und höflich. Aussetzer auf der Bank gibt es bei ihm nicht", erzählt Insider Blum.

Der ruhige, zurückhaltende Trainer kann aber auch mit seinen Gefühlen Gassi gehen. Wie im November 2016. Als zwei dunkelhäutiges Spieler seiner Mannschaft von einem Zuschauer auf der Tribüne rassistisch beschimpft wurden, wurde Glasner fuchsteufelswild. Gestenreich und lautstark diskutierte er mit dem Beleidiger, verließ seine Coaching-Zone und stellte sich schützend vor seine Spieler. "Da hört es bei mir auf. Bei Rassismus sehe ich rot. Ich habe einen Ordner gesucht, der diesen Mann entfernt. So etwas hat im Stadion nichts zu suchen", sagte Glasner.

Typ mit Charakter

Weil er die Coaching-Zone verlassen hatte, wurde Glasner vom Schiedsrichter auf die Tribüne geschickt. Ein Sportgerichtsverfahren gegen ihn wurde eingestellt. Das war Glasner aber auch egal. "Wenn es eine Strafe dafür gegeben hätte, dass ich meine Spieler vor rassistischen Beleidigungen schütze, dann hätte ich die gerne gezahlt."

Oliver Glasner scheint nicht nur ein anerkannter Fußballfachmann zu sein. Glasner ist offensichtlich auch ein Typ mit Charakter.

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